Erst wollte ich diesen Artikel nicht veröffentlichen, könnte man mir doch nachsagen, dass ich aus Frust eine Art Abrechnung anstrebe. Dem ist aber nicht so. Vielmehr soll es eine kleine und vielleicht auch unterhaltsame Geschichte sein, die lediglich auf Tatsachen beruht.

Lasst uns ein wenig spielen...

Irgendwann im Jahr 2007 fing ich an, ein wenig Geld in Aktien zu investieren. Ich muss dazu sagen, dass mir durchaus bewusst war, jenes investierte Geld im schlimmsten Fall nicht mehr zu sehen. Deshalb war es Geld, auf das ich im Fall der Fälle verzichten konnte. Ich nannte und nenne es daher Spielgeld. Ich investierte also in zahlreiche Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien. Darunter befanden sich solide Unternehmen und ein paar Pennystocks. Letztere versprechen schließlich bei einem Durchbruch eine hohe Rendite (Wie blöd muss man sein, das zu glauben). Mittlerweile ist mein Spielgeld von etwa 6.500 Euro auf 436,60 Euro (heutiger Stand) gesunken. Viele Unternehmen, in die ich investierte, sind heute schon gar nicht mehr am Markt vertreten. Eine beeindruckende Kapitalvernichtung, nicht wahr? Pech, werden nun einige sagen. Ich jedoch bin um eine Erfahrung reicher und Schmerzen verspüre ich dabei keine. Ich war mir schließlich der Risiken und Nebenwirkungen dank der meterlangen Packungsbeilage bewusst. Ich habe aber nicht nur Geld verloren, sondern mit anderen Unternehmen auch Geld gewonnen. Diese kamen aber nicht aus dem Bereich Erneuerbare Energien.

Die Kapitalvernichtung ging weiter

Am 12.10.2009 kaufte ich 100 Stück SolarWorld-Aktien zu einem Stückpreis von je 16,38 Euro. Ich investierte also weitere 1.638 Euro Spielgeld, schließlich war ich von SolarWorld überzeugt. War ich wirklich überzeugt? Eher naiv. Heute weiß ich das nicht mehr so genau. Kurze Zeit später rauschte der Kurs in die Tiefe. Heute ist die Aktie für 0,794 Euro an der Frankfurter Börse erhältlich. Schon wieder ein verdammter Pennystock! SolarWorld hat aus meinen 1.638 Euro doch schnell mal 79,40 Euro gemacht. Anders ausgedrückt: Der Verlust beträgt über 95 %! Jetzt geht es mir als Kleinaktionär, der auf das Geld verzichten kann, eigentlich noch gut, reden wir doch nur von ein paar hundert Euro. Wie geht es denn nur den zahlreichen Großaktionären? Sorry, aber Ihr tut mir wirklich leid. Habt Ihr euch etwa von der schönen Solar-Fassade genauso blenden lassen wie ich? Willkommen im Club der Looser!

Wie dem auch sei, schon immer wurde über die SolarWorld AG auf dem photovoltaik-guide.de kritisch berichtet. Unabhängig davon, ob ich nun ein Aktionär bin oder nicht. Wo kämen wir denn hin, wenn ich das Unternehmen bei diesen Geschäftspraktiken noch loben würde? Ob ich sauer bin, dass mein Geld nun auf dem Konto des Herrn Frank Asbeck verschwunden ist? Nein, auf keinen Fall. Darüber mache ich mir eigentlich keinen Kopf. Das eigentlich dramatische ist doch das andauernde Trauerspiel um das Unternehmen. Das Unternehmen wird durch hohle Versprechungen künstlich am Leben gehalten und die Investoren glauben diesen Stuss auch noch. Ein Blender ist der liebe Herr Asbeck, der mit aller Macht versucht, ein tot gerittenes Pferd über die Ziellinie zu schleifen. Dabei kann das Ziel noch nicht einmal definiert werden. Die Blutspuren auf dem Weg dorthin jedenfalls, werden schon von irgendeinem Vollpfosten beseitigt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt und damit das investierte Kapital

Glaubt Ihr denn ernsthaft, SolarWorld wird überleben? Ja, nein, vielleicht und vor allem, wie? Asbeck verlangt viel von seinen Investoren, um SolarWorld weiterhin den sich stetig leerenden Tropf mit Morphium füllen zu können. Nun sollen die Investoren und Anleger sogar auf einen Großteil ihres investierten Kapitals verzichten. Leute Leute... Wäre es nicht besser, das Geld einfach abzuziehen getreu dem Motto: "Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach?". Seht den Rest des noch vorhandenen Kapitals als Schmerzensgeld. Wenn ich mit meinem Unternehmen so haushalten würde, ich könnte meinen Investoren nicht mehr in die Augen schauen. Asbeck ist da leider dreist. In welcher SolarWorld leben wir eigentlich?

Endgültig ins Abseits geschossen hat sich Asbeck mit seiner Initiative EU Prosun und seinem Unternehmenssprecher Milan Nitschke. Der Kampf gegen die Chinesen war schon entschieden, da hat er noch gar nicht begonnen. Viel zu spät kam diese Kampagne um die Preisdiskussion. Wie ein Marktschreier versuchte Nitschke während der gesamten und noch immer andauernden Kampagne die Marktteilnehmer von seiner Mission und den illegalen Machenschaften auf Seiten der Chinesen zu überzeugen. Es war eine Mischung aus Massenmanipulation, Propaganda und Gehirnwäsche. Es sollte sich bestätigen, dass die Kampagne weit mehr war, als nur der Kampf um einen "fairen" Preis. Es war der nackte Kampf ums Überleben, obwohl schon zu Tode geweiht. Verdammt, es war der letzte Strohhalm in der Verpackung.

Game over!

Die letzte Gläubigerversammlung spricht jedoch eine andere Sprache. Über 99,96 % seiner gutgläubigen Gläubiger konnte Asbeck von seinem Restrukturierungskonzept überzeugen. Eigentlich wird es Zeit, dass Spiel des Herrn Asbeck zu beenden. Zu viele Fouls und etliche Spielregeln missachtet. Er ist daher gut beraten, das Unternehmen SolarWorld nun endgültig an die Wand zu fahren. Ein schneller Tod sozusagen. Jeder Aktionär wäre sofort von seinem Leiden befreit. Gewissheit ist doch das, was die Aktionäre alle wünschen?! Damit hätten zwar alle ihr Geld verloren, aber keiner müsste mehr auf Wunder hoffen und sich das Gejammer über die ach so bösen Chinesen anhören. Das Geld kommt schließlich nicht wieder.

Auf dem hohen Ross

Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, als ich in der Branche anfing. Im Jahr 2006 war ich stellvertretender Geschäftsstellenleiter einer Elektrogroßhandlung. Ab und an besuchte uns der Außendienst von SolarWorld, der, wie alle zu dieser Zeit, seine Nase höher trug als sein Haupt. Flehen und betteln musste man, um Solarmodule zu erhalten. "Wie viel braucht ihr denn? Nur ein Megawatt? Zu wenig, da brauchen wir gar nicht weiter reden." Dasselbe damals bei aleo solar und SOLON. Sie saßen alle auf dem hohen Ross. Wer in der Solarbranche arbeitete und das Zepter in der Hand hielt, war nun einmal etwas Besseres. Das ist auch noch heute so, weshalb sich deshalb keiner dieser Herrschaften Fehler eingestehen kann. Das Geld floss in Strömen und lag buchstäblich auf der Straße. Was kostet die Welt? Man kam sich damals wirklich vor wie ein Bittsteller und nicht wie ein Kunde. Kunde waren nur diejenigen, die große Mengen zu einem hohen Preis orderten.

Noch´ne Burg

Ich möchte keinem Investor raten, dass Geld abzuziehen oder im Unternehmen SolarWorld zu belassen. Ich sag euch aber, was ich mit meinen Anteilen anstelle. Ich werde meine Aktien im Depot halten, denn was kann ich mit etwa 80 Euro noch anfangen? Es fallen zudem auch noch Gebühren für den Verkauf an, was für eine erbärmliche Niederlage. Nein, Asbeck kann mein Geld behalten und damit machen was er will. Das Geld dürfte sogar noch für eine gebrauchte Ritterburg von Playmobil im Kleinanzeigenmarkt von Ebay reichen. Frankyboy, kauf dir einfach noch´ne Burg. Gibst mir halt irgendwann ein Bier dafür aus.

Ich habe schon immer gesagt: Die Solarbranche ist versauter als die Pornoindustrie.

In diesem Sinne, euer Michael Ziegler

Kommentare   

+1 #3 Thomas Hein 2013-08-06 16:35
...... was ein Glück, daß ich davon keine Aktien gekauft habe ;-)
#2 udo bergmann 2013-08-06 13:08
Ich war so naiv und habe 2010 über 25000 € an Solarworldaktien gekauft. Alles so gut wie vernichtet. Danke, lieber Herr Asbeck!
+6 #1 Ingo 2013-08-06 11:53
Sehr amüsant und leider geil!

You have no rights to post comments