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Stuttgart, 13. September 2010, In den kommenden Tagen wird die EU entscheiden, ob Solarmodule weiter die giftigen Schwermetalle Cadmium und Blei enthalten dürfen. Entschieden wird in diesem Zusammenhang über eine Ausnahmegenehmigung von der wichtigen EU-Umweltrichtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS).

Für diese Ausnahmeregelung setzen sich einige Hersteller von Cadmium-Tellurid-Dünnschichtmodulen seit Jahren in Brüssel und den EU-Mitgliedsstaaten ein, insbesondere in Deutschland. Allerdings halten immer mehr Wissenschaftler und mittlerweile auch ein großer Teil der Solarindustrie, eine solche Ausnahme für unverantwortlich und befürchten erhebliche Risiken für Umwelt und Bürger.

Diese 13 namhaften Wissenschaftler starten einen Aufruf:

Prof. João Pedro Alpuim, University of Minho, Portugal

Dr. Stephan Bannas, Theodor Wessels Prize Laureate, Germany

Dr. Daniel Dahm, Federation of German Scientists, German Association of the Club of Rome

Dr. Antonin Fejfar, Academy of Sciences of the Czech Republic, Czech Republic

Prof. Takashi Fuyuki, Nara Institute of Sciences, Japan

Prof. George E. Georghiou, University of Cyprus, Cyprus

Prof. Martin Green, University of New South Wales, Australia

Yutaka Hayashi, National Institute of AIST, Japan

Prof. Ferdinand Hucho, Free University of Berlin, Germany

Prof. Tadashi Saitoh, Tokyo Agricultural & Technical University, Japan

Prof. Ruud Schropp, University of Utrecht, Netherlands

Dr. Markus Schubert, University of Stuttgart, Germany

Prof. Jürgen H. Werner, University of Stuttgart, Germany

Hintergrundinformationen zum Wissenschaftler-Aufruf:

Im Zuge der Neufassung der EU-Richtlinie 2002/95/EG zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS-Richtlinie)1 sollte die Verwendung von Blei und Cadmium in Solarmodulen eigentlich nach einer Übergangszeit verboten werden. Dies sah der ursprüngliche Plan der Berichterstatterin im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments vor, gestützt auf die Logik der RoHS-Richtlinie, wonach Giftstoffe in Elektronikprodukten ersetzt werden müssen, wenn Alternativen vorhanden und zu vertretbaren Preisen verfügbar sind.2

Obwohl dies laut DIW econ3 und Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie4 im Bereich Photovoltaik längst der Fall ist, und die Richtlinie für andere erneuerbare Energien wie Windkraft oder Biomasse kein Problem darstellen sollte, hat der Umwelt-Ausschuss des Europaparlaments am 02. Juni 2010 dafür gestimmt, die gesamten erneuerbaren Energietechnologien von der RoHS-Richtlinie auszunehmen.

Aktuell verhandeln Arbeitsgruppen des Europäischen Parlaments, des Rates der Europäischen Union und der EU Kommission diese wichtige Richtlinie, und eine Entscheidung steht kurz bevor. Sollte die EU eine Ausnahme für Solarmodule beschließen, bedeutet dies, dass sich Bürger und Umwelt auf freiwillige Maßnahmen der Industrie verlassen müssten, um die in den PV-Modulen enthaltenden hochgiftige Stoffe nicht in das Grundwasser oder die Lebensmittelkette gelangen zu lassen – und dies bei einer Lebensdauer von Solarpanelen von mehr als 20 Jahren und

prognostizierten Hunderttausenden von Photovoltaik-Modulen auf europäischen Dächern.

Die Gefahren, die von Blei sowie Cadmium und seinen Verbindungen und Reaktionsprodukten ausgehen sind seit Jahren bekannt und werden von der EU Richtlinie zur Gefahrstoffkennzeichnung anerkannt (Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe; 67/548/EWG) anerkannt.

  • Cadmium in seiner elementaren Form wirkt hochgradig krebserregend und erbgutschädigend. Auch Cadmium-Tellurid (CdTe) wird von der EU als "gesundheitsschädlich" und "umweltgefährlich" eingestuft. Die amerikanische Umweltbehörde EPA stuft CdTe sogar als krebserregend ein, ebenso wie die Internationale Agentur zur Krebsforschung der WHO (IARC). Weitere staatliche Stellen wie die Arbeitsschutzbehörde in den Vereinigten Staaten (OSHA) und die Nationale Gesundheitsbehörde (NIH) stufen CdTe ebenfalls als karzinogen ein.5
  • Gelöste Bleiverbindungen sind toxisch. Elementares Blei reichert sich selbst in kleinsten Mengen im Körper an und kann, wenn über einen längeren Zeitraum aufgenommen, zu chronischen Vergiftung, Fruchtschäden und Zeugungsunfähigkeit führen.

1 Abrufbar unter: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:32002L0095:DE:NOT

2 Zur Substitutionsforderung der RoHS-Direktive, vgl. Artikel 1, Satz (4) und (11), ebd.

3 DIW econ – „The Effect of the EU RoHS Directive on the European Photovoltaic Industry (Policy Paper

2/2009)“ (Dezember 18, 2009), abrufbar unter: http://www.ntsa.eu/resources/DIWecon_PV-Industry-

Analysis_Final.pdf

4 Wuppertal Institute – „Position Paper: Photovoltaics and the RoHS Directive“ (May 2010), abrufbar unter:

http://www.ntsa.eu/resources/Wuppertal+Institute+RoHS+position+paper$2C+May+2010+final.pdf, und

„Appraisal of Laboratory Analyses Conducted on CdTe Photovoltaic Modules“ (August 11, 2010), abrufbar

unter: http://www.ntsa.eu/resources/Wuppertal+Institute+RoHS+position+paper$2C+May+2010+final.pdf

5 Ein aktuelles CdTe-Sicherheitsdatenblatt der Firma alfa-aesar kann unter http://www.alfa.com/content/msds/German/14367.pdf abgerufen werden.

Quelle: Institut für Physikalische Elektronik Universität Stuttgart

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