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Triefenstein, 30. März 2012, Gestern wurde im Bundestag die Kürzung der Solarförderung beschlossen. So stimmten 305 Abgeordnete für den Gesetzentwurf, 235 lehnten den Entwurf ab und nur ein Abgeordneter enthielt sich seiner Stimme. Nun muss der Bundesrat dem Entwurf noch zustimmen, was äußerst wahrscheinlich ist. Nun stellen sich viele zukünftige Solaranlagenbetreiber die Frage, wie teuer eine Anlage zu den neuen Vergütungssätzen sein darf und wie hoch die zu erwartende Rendite ist.

Es gibt viele Berechnungen verschiedener Institutionen die besagen, dass Solarstromanlagen auch nach der EEG-Novelle finanziell sehr lukrativ sein sollen. Kaum eine dieser Berechnungen wird offen gelegt. Lediglich die mögliche Gesamtkapitalrendite wird veröffentlicht. Welche Solarkomponenten zum Einsatz kommen, wird ebenfalls nicht bekannt gegeben.

Wie in unseren vorigen Berichten schon angekündigt, waren die Verordnungsermächtigung sowie die Übergangsfristen ein reines Ablenkungsmanöver. (Wir berichteten: Photovoltaik - Verordnungsermächtigung als reines Ablenkungsmanöver). Einige Teile des Gesetzentwurfes blieben bestehen, wurden teilweise verschärft oder gar verbessert. Insgesamt jedoch blieben alle Versuche durch die Solarindustrie und die Opposition, die bevorstehende Gesetzesnovelle zu Gunsten der deutschen Solarbranche zu entschärfen, erfolglos.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick (BMU):

1. Das Gesetz tritt zum 1.4.2012 in Kraft.

2. Vereinfachung der Vergütungsklassen und Größenbegrenzung: Für Dachanlagen gibt es nur noch drei Vergütungsklassen: Anlagen bis 10 kW installierter Leistung, bis 1000 kW und über 1000 kW. Freiflächenanlagen erhalten eine einheitliche Vergütung. Anlagen größer als 10 MW erhalten keine Vergütung.

3. Einmalabsenkung: Die für Juli 2012 erwartete Absenkung der Einspeisevergütung um 15% wird vorgezogen und um eine Sonderdegression ergänzt. Für Anlagen, die ab dem 1.4.2012 in Betrieb genommen werden, gelten die in der folgenden Tabelle dargestellten Vergütungssätze.

Vertrauensschutz / Übergangsbestimmungen:
a. Für Freiflächenanlagen gelten die alten Vergütungssätze weiter, wenn vor dem 1.3.2012 ein Planungsverfahren begonnen wurde (Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan oder Planfeststellungsverfahren/Baugenehmigung) und die Anlage bis zum 30.6.2012 technisch in Betrieb genommen wird.
b. Bei Freiflächenanlagen auf Konversionsflächen wird die Inbetriebnahmefrist bis zum 30.9.2012 verlängert. Die Vergütung sinkt zum 1.7. wie auch bisher vorgesehen um 15% und beträgt dann 15,25 ct/ kWh.
c. Für Dachanlagen, die vor dem 24.2.2012 ein Netzanschlussbegehren beim Netzbetreiber gestellt haben, gelten die alten Vergütungssätze, wenn die Anlagen bis zum 30.6.2012 in Betrieb genommen werden.

 

Dachanlagen:
bis 10 kW: 19,5 Cent/kWh
bis 1.000 kW: 16,5 Cent/kWh
bis 10 MW: 13,5 Cent/kWh

Freiflächenanlagen:
bis 10 MW: 13,5 Cent/kWh

4. Verstetigung der Degression: Die Vergütungssätze werden ab dem 1.5.2012 monatlich um 1% gegenüber dem jeweiligen Vormonat abgesenkt. Dies entspricht einer jährlichen Absenkung von ca. 11,4% (Basisdegression), wenn beim Zubau der Zielkorridor eingehalten wird.

Zielkorridor und zubauabhängige Steuerung („atmender Deckel“): Der Zielkorridor für den Zubau an Solaranlagen beträgt für die Jahre 2012 und 2013 jeweils 2.500 bis 3.500 MW. Danach verringert sich der Zielkorridor jährlich um 400 MW und wird im Jahr 2017 900 bis 1.900 MW betragen. Die Degressionsschritte werden alle drei Monate angepasst und in Monatsschritten umgesetzt. Eine Anpassung erfolgt erstmals zum 1.11.2012 auf Basis des Zubaus in den Monaten Juli bis September 2012, der auf zwölf Monate hochgerechnet wird.

Um jahreszeitliche Schwankungen auszugleichen, erhöht sich in der Folge der Bezugszeitraum, der als Grundlage für die Berechnung der Degression dient: Basis für die Berechnung der Degression ab dem 1.2.2013 ist der Zubau von Juli 2012 bis Dezember 2012, wiederum hochgerechnet auf zwölf Monate. Basis für die Berechnung der Degression ab dem 1.5.2013 ist der Zubau von Juli 2012 bis März 2013, wiederum hochgerechnet auf zwölf Monate. Für die Berechnung der Degression ab dem 1.8.2013 kann erstmalig ein volles Jahr – vom 1. Juli 2012 bis zum 30. Juni 2013 – als Bezug genommen werden.

In der Folge werden jeweils die zurückliegenden zwölf Monate für die Berechnung der Degression verwendet. Ein Monat wird zudem als Puffer benötigt, damit die Bundesnetzagentur den Zubau und die neuen Vergütungssätze ermitteln kann. Somit ist der Zeitraum vom 1.10.2012 bis zum 30.09.2013 für die Berechnung der Degression ab dem 1.11.2013 usw. relevant. Wichtig bei dem neuen „atmenden Deckel“ ist, dass bei deutlicher Unterschreitung des Zielkorridors die Degression ausgesetzt bzw. die Vergütungssätze sogar erhöht werden.

Übersicht der zubauabhängigen prozentualen Degressionsschritte:

Degressionsschritte der Solarvergütung - BMU

5. Marktintegrationsmodell und Eigenverbrauchsbonus: Pro Jahr wird nur ein Teil der gesamten erzeugten Strommenge vergütet:
a. Bei Anlagen bis 10 kW installierter Leistung 80 Prozent und
b. Bei Anlagen von 10 kW bis 1.000 kW 90 Prozent.
c. Bei Freiflächenanlagen und sonstigen Anlagen bis 10 MW erfolgt die Vergütung zu 100 Prozent der erzeugten Strommenge.

Die unvergütete Strommenge kann selbst verbraucht, direkt vermarktet oder dem Netzbetreiber zum Verkauf an der Börse angedient werden. Der Eigenverbrauchsbonus entfällt.

6. Solarstromanlagen auf Nicht-Wohngebäuden im Außenbereich: Solaranlagen im Außenbereich erhalten grds. nur dann noch die Dachflächenvergütung, wenn die Anlage auf Wohn- oder Stallgebäuden oder im Zusammenhang mit einem landwirtschaftlichen Gehöft errichtet wird. Solaranlagen auf bereits errichteten Gebäuden erhalten weiterhin die Dachflächenvergütung.

7. Einengung des Inbetriebnahmebegriffs: Der Begriff der Inbetriebnahme wird enger gefasst. Ab dem 1.4.2012 reicht es nicht mehr aus, dass ein Modul Strom erzeugt hat. Es muss vielmehr an seinem bestimmungsgemäßen Ort fest installiert und mit einem Wechselrichter ausgestattet sein (technische Inbetriebnahme). Diese Regelung betrifft auch Dachanlagen und Freiflächenanlagen, für die die Bestimmungen zum Vertrauensschutz (vgl. Punkt 3) gelten, d.h. für alle Anlagen gilt ab 1.4.2012 der technische Inbetriebnahmebegriff.

8. Einbeziehung der PV-Anlagen ins Einspeisemanagement: PV-Anlagen erhalten noch bis zum 1.1.2013 Zeit, technische Einrichtungen für die Abregelung ihrer Leistung einzubauen. Ab dem 1.1.2013 müssen solche Einrichtungen installiert sein, so dass die Anlagen in das Einspeisemanagement einbezogen werden können.

Rendite und Anlagenpreise bei Kleinanlagen (<10 kW)

Hinweis: Der Unterschied zwischen dem normalen und konservativen Beispiel besteht darin, dass im konservativen Beispiel alle Daten realistisch sind, bis auf den spezifischen Anlagenertrag. Dieser wurde niedrig angesetzt. Im "normalen" Beispiel hingegen, ist der spezifische Anlagenertrag realistisch, die sonstigen Kosten wurden vermindert.

Konservatives Berechnungsbeispiel einer 9,9 kWp-Solaranlage

Inbetriebnahme: April 2012
Spezifischer Anlagenertrag: 900 kWh/kW
abz. 20 Prozent durch Eigenverbrauch: 720 kWh/kW
Vergütung: 19,5 Cent/kWh
Versicherung: 7 Euro/kWp jährlich
Rückstellungen/Reparaturen: 10 Euro/kWp jährlich
Wartung: 10 Euro/kWp jährlich
Zählermiete: 40 Euro jährlich
Inflation auf lfd. Kosten: 2 Prozent jährlich
Sonstige Verwaltungskosten: 100 Euro jährlich
Stromersparnis bei einem Strompreis von 20 Cent netto: 356,40 Euro netto jährlich (180 kWh/kW x 9,9 x 0,20 Cent/kWh netto)

Bei obigen Berechnungsbeispiel dürfte die Solaranlagen nicht mehr als 1.100 Euro/kWp netto kosten, um eine Gesamtkapitalrendite vor Steuern und Finanzierung von 5,9 Prozent zu erhalten. Nicht zu vergessen, dass der Anlagenbetreiber, sofern er seinen selbst erzeugten Strom in Höhe von 20 Prozent selbst verbraucht, eine jährliche Ersparnis bei den Stromkosten in Höhe von 356,40 Euro netto hat. Selbstverständlich kommen in diesem Fall die Mehrkosten für einen Zwei-Richtungszähler hinzu.

"Normales" Berechnungsbeispiel einer 9,9 kWp-Solaranlage

Inbetriebnahme: April 2012
Spezifischer Anlagenertrag: 950 kWh/kW
abz. 20 Prozent durch Eigenverbrauch: 760 kWh/kW
Vergütung: 19,5 Cent/kWh
Versicherung: 7 Euro/kWp jährlich
Rückstellungen/Reparaturen: 8 Euro/kWp jährlich
Wartung: 8 Euro/kWp jährlich
Zählermiete: 30 Euro jährlich
Inflation auf lfd. Kosten: 2 Prozent jährlich
Sonstige Verwaltungskosten: 50 Euro jährlich
Stromersparnis bei einem Strompreis von 20 Cent netto: 376,20 Euro netto jährlich (190 kWh/kW x 9,9 x 0,20 Cent/kWh netto)

Bei obigen Berechnungsbeispiel dürfte die Solaranlagen nicht mehr als 1.300 Euro/kWp netto kosten, um eine Gesamtkapitalrendite vor Steuern und Finanzierung von 6,4 Prozent zu erhalten. Auch hier spart der Anlagenbetreiber Stromkosten in Höhe von 376,20 Euro netto jährlich.

Warum darf die jährliche Stromersparnis nicht mir in die Kalkulation einfließen? Ganz einfach: Solaranlagen werden in der Regel finanziert. Die Banken benötigen in der Regel aber einen Finanzplan der im Detail die Einnahmen aus der Solaranlage aufschlüsselt. Die Stromersparnis ist keine Einnahme, die in diesem Fall nicht zur Tilgung des Kapitaldienstes herangezogen werden kann.

Nun sollte man auch wissen, wie sich die Anlagenkosten im Einzelnen aufgliedern:

Konservatives Berechnungsbeispiel einer 9,9 kWp-Solaranlage

Solarmodule: 360 Euro/kWp
Wechselrichter: 200 Euro/kWp
Montagegestell, Kabel, Stecker: 90 Euro/kWp
Montage AC-Seite: 30 Euro/kWp
Montage DC-Seite: 170 Euro/kWp
Marge: 250 Euro/kWp
Summe: 1.100 Euro/kWp

"Normales" Berechnungsbeispiel einer 9,9 kWp-Solaranlage

Solarmodule: 650 Euro/kWp
Wechselrichter: 180 Euro/kWp
Montagegestell, Kabel, Stecker: 90 Euro/kWp
Montage AC-Seite: 30 Euro/kWp
Montage DC-Seite: 150 Euro/kWp
Marge: 200 Euro/kWp
Summe: 1.300 Euro/kWp

Die Höhe der Marge je installiertes kWp beläuft sich bei den Solarteuren zwischen 200 und 300 Euro netto. In der Marge enthalten sind die Kosten wie Personal, Rückstellungen für Gewährleistungen und sonstige Overheadkosten enthalten. Es handelt sich also nicht um den reinen Gewinn der Solarteure.

In beiden Berechnungsbeispielen wird sehr deutlich, wie hoch der maximale Preis der Solarmodule bzw. der Übrigen Kostenfaktoren sein darf. In unserem konservativen Beispiel dürften die Solarmodule nicht mehr als 360 Euro/kWp netto ausmachen. Das wäre noch nicht einmal mit chinesischen Solarmodulen zu realisieren. Im "normalen" Beispiel können die Chinesen mit ihren Solarmodulpreisen locker mithalten. Deutsche Solarmodulhersteller können in keinen der beiden Fälle mit derartigen Preisen auf dem Markt. Sie müssten zu Produktionskosten bzw. unterhalb der Produktionskosten verkaufen. Wer soll in diesem Fall die Gehälter der Beschäftigten in den Unternehmen bezahlen?

Insolvenzen vorprogrammiert?

Ja, aber die angekündigte Insolvenzwelle wird sich vorerst nur auf deutsche Solarhersteller konzentrieren, deren Absatz zu über 50 Prozent in Deutschland stattfindet. Die Solarhersteller, die eine deutlich höhere Auslandsquote vorzuweisen haben, können die Verluste auf dem deutschen Markt durch den Auslandsabsatz teilweise kompensieren. Deutschen Solarteuren dürfte es egal sein, welche Solarmodule sie auf Kundendächer montieren. Hier dürften sich die möglichen Insolvenzen in Grenzen halten.

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

Kommentare   

#2 photovoltaik-guide.de / Michael Ziegler 2012-04-02 05:53
Hallo G. Röers,

vielen Dank für die sachliche Kritik. Selbstverständlich konnte in diesem Beitrag nicht auf alle erdenklichen Anlagengrößen eingegangen werden. Das hätte den Rahmen gesprengt. Wir haben uns auf die typischen Kleinanlagen auf Wohnhäusern beschränkt.

Die Situation der Solarteure wird in keiner Weise lapidar dargestellt, denn beispielsweise waren in Ba-Wü schon im Jahr 2009/2010 Margen von 200 bis 300 Euro/kWp netto üblich. Das lag und liegt im Preiskampf und Wettbewerb begründet. Zudem soll der Artikel klar machen, was Solaranlagen zukünftig kosten dürfen. Die einzelnen Kostenpunkte wurden so realistisch wie nur möglich dargestellt.

Mit sonnigen Grüßen
Michael Ziegler
#1 G. Röers 2012-03-31 09:43
Dieser Beitrag hat mir sehr gut gefallen, spiegelt aber nur ein Teil der Realität wieder. Was ist z.B. mit 100KW Anlagen? Aus meiner Sicht können diese Anlagen garnicht mehr verkauft werden bei einer Vergütungskürzung von 45% in den letzten 4 Monaten. Bei den Modulpreisen wird sich auch nicht mehr viel ausgleichen lassen. Selbst chinesische Hersteller wie Suntech haben im letzen Jahr schon Verlust gemacht. Was ich sehr schade finde, ist das die Situation von Solateuren hier so lapidar abgetan wird. Ich bezweifle sehr das wir mit diesen Margen eine Chance zum überleben haben werden. Am Ende wird es doch so sein dass sich alle Solarteure auf die wenigen Kunden stürzen und sich gegenseitig die Preise kaputt machen. Aus meiner Sicht können Solateure nur überleben wenn sie ein zweites Standbein haben. Das wird leider in der Öffentlichkeit koplett unter den Tisch fallen.

Mit sonnigen Grüßen
Michael Ziegler

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