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Interview

Berlin, 12. Januar 2011, Bundesumweltminister Norbert Röttgen will den raschen Durchbruch bei der Offshore-Windenergie und eine stetige Förderung von energie-effizienter Gebäudesanierung. Mit dem CDU-Politiker sprach Joerg Helge Wagner.

Joerg Helge Wagner: Ausgerechnet führende Energiewissenschaftler fordern jetzt eine Begrenzung der Solarstrom-Förderung, damit die Akzeptanz grüner Energie in der Bevölkerung nicht völlig schwindet. Droht bei der Photovoltaik eine Überinvestition zu Lasten anderer Methoden und Effizienz-Programme?

Norbert Röttgen: Vor gut einem Jahr habe ich eine Kürzung der staatlichen Vergütung bei der Photovoltaik vorgeschlagen. Das ist dann auch später von Bundestag und Bundesrat beschlossen worden. Gerade weil ich für die Photovoltaik und für die erneuerbaren Energien bin, muss sichergestellt werden, dass es sich beim Erneuerbare-Energien-Gesetz um eine Markteinführung handelt und nicht um eine Dauersubvention. Es muss also stets eine Anpassung geben: Wenn die Förderung immer geringer wird, ist das der eigentliche Erfolg der Photovoltaik. Wir sind darüber auch in konstruktiven Gesprächen mit der Branche.

Joerg Helge Wagner: Wann kann man da mit Ergebnissen rechnen?

Norbert Röttgen: Ich will da nicht vorgreifen, aber inzwischen sehen Industrie und Ministerium die Dinge ähnlich. Das ist eine positive Entwicklung im Vergleich zur Situation vor einem Jahr.

Joerg Helge Wagner: Die Bundesregierung propagiert energieeffiziente Wohnungssanierung, halbiert aber das entsprechende Budget der eigenen Förderbank KfW. Wie passt das zusammen?

Norbert Röttgen: Die sehr hohe Finanzierung 2009 war Teil des Konjunkturprogramms. Wir verstetigen jetzt die Sanierung im Haushalt; sie wird auch ein wichtiger Teil des Klima- und Energiefonds sein. Die neue Regierung sieht darin nicht eine Konjunkturmaßnahme, sondern eine Strukturmaßnahme, weil der Gebäudebereich der große schlafende Riese der Energie-Effizienz ist.

Joerg Helge Wagner: Beim jetzigen Niveau bleibt es also?

Norbert Röttgen: Ja, wir verstetigen das. Denn das ist ein zentrales Feld: die Bereitschaft der Bürger zu privaten Investitionen zu fördern. Das hat einen großen ökologischen Effekt, sorgt aber auch für Wertschöpfung im Handwerk.

Joerg Helge Wagner: Zur Finanzierung von Offshore-Windparks stellt die KfW immerhin fünf Milliarden Euro bereit. Reicht das, um das Zögern der privaten Kreditgeber zu überwinden?

Norbert Röttgen: Das ist ja genau der Sinn dieser Entscheidung. Wir wollen den Unternehmen so den Zugang zu Krediten ermöglichen, die sie selbst nicht erreichen könnten. Wir glauben, dass wir so bis zum Jahresende die ersten 100 Offshore-Windkraftanlagen realisieren können. Der erste Durchbruch wäre dann finanziell abgesichert.

Joerg Helge Wagner: Soll die staatliche Förderung auch großen Energieversorgern wie RWE zugute kommen?

Norbert Röttgen: Es ist keine direkte Förderung, sondern ein Zugang zur Kreditfinanzierung, nicht einmal zu besonders günstigen Konditionen. Alle, die in diese Projekte investieren, sollen dieses Angebot auch erhalten. Das sind Risikoinvestitionen in neue Technologien unter neuen Bedingungen – da müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es eine gewisse Zurückhaltung im Kreditwesen gibt. Diese Lücke wollen wir überbrücken, weil die Windenergie ein Pfeiler im Energiekonzept der Bundesregierung ist.

Joerg Helge Wagner: Die Stromkonzerne erhalten dann so die Brennstäbe-Steuer für ihre länger laufenden Kernkraftwerke zurück, oder?

Norbert Röttgen: 80 Prozent der durch längere Laufzeiten entstehenden Gewinne werden durch Einkommensteuer, Brennelemente-Steuer und die Sonderabgabe für den Energiefonds abgeschöpft. Im Übrigen ist das Offshore-Engagement von vielen erwünscht: von großen Versorgern ebenso wie von mittelständischen Unternehmen. Diese Technologie soll sich in unserem Land entwickeln, darum wollen wir gleiche Bedingungen bei der Finanzierung. Wenn dabei neben den großen Versorgern auch neue Akteure den Markt betreten, ist das durchaus positiv.

Joerg Helge Wagner: Als CDU-Landesvorsitzender in NRW müssen Sie eine rot-grüne Regierung attackieren – genau wie Ihre Parteifreunde in Bremen. Haben Sie einen Tipp für die Wahlkämpfer an der Weser?

Norbert Röttgen: Die haben personell und inhaltlich ein eigenes überzeugendes Konzept. Die setzen genau wie ich darauf, glaubwürdig ein konzeptionelles Angebot zu machen, wie wichtige Zukunftsfragen beantwortet werden: von der Bildung über die Haushaltspolitik bis zur Energie- und Wirtschaftspolitik.

Joerg Helge Wagner: Zum Schluss ein Blick in den Süden: In Baden-Württemberg droht der CDU erstmals der Machtverlust. Muss Ihre Partei generell grüner werden, um wieder Erfolg zu haben?

Norbert Röttgen: Ich bin ganz sicher, dass es auch weiterhin einen CDU-Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg gibt. Aber die CDU muss stärker ein ganz originäres Kapital einbringen: die Verknüpfung von christlicher Schöpfungsethik mit wirtschaftlicher Vernunft. Das ist einer der ganz eigenen Ansätze der CDU, die Wachstum, neue Arbeitsplätze, neue Exporterfolge mit Natur- und Generationenverträglichkeit verbindet. Das müssen wir noch viel stärker herausstreichen. Das ist grün, aber nicht im parteipolitischen Sinne. Das ist CDU pur: Das christliche Menschen- und Weltbild wird verschmolzen mit der Partei der sozialen Marktwirtschaft.

Quelle: BMU

München, 07. Dezember 2010, Der Papst ist offenbar ein Freund von alternativen Energien. Frank Asbeck (51), Chef der SolarWorld AG, einem der erfolgreichsten Solarunternehmen der Welt, verrät im Interview mit der Peoplezeitschrift FRAU IM SPIEGEL, dass der Heilige Vater "auch eine Solaranlage auf einer Audienzhalle des Vatikans und auf seinem Privathaus in Bayern" hat. "Ich war schon beim letzten Papst, Johannes Paul II. Zu ihm sagte ich: ,Heiliger Vater, wir können aus Sand und Sonne Strom machen.' Er hat mich entrüstet angeschaut und gesagt: ,Mein Sohn, nur der liebe Gott kann alles'", so Asbeck.

Der Millionär, der Legastheniker ist, hat bereits in der Schulzeit Schreibarbeiten wenn möglich delegiert. "Ich hatte quasi seit meinem elften Lebensjahr eine Sekretärin." Auf die Frage, wer genau das war, antwortet er "die klassenbesten Mädchen". Obwohl er in der Klasse die meisten Fehler gemacht habe, habe er dank eines IQ-Test-Ergebnisses nie an sich gezweifelt. Asbeck: "Ich musste als Kind zum Oberschulamt, um dort einen Intelligenztest zu machen. Danach wusste man: Der ist nicht wirklich blöd. Das Resultat des IQ-Tests war 136, also sehr ordentlich."

Zum Thema Frauen hat Frank Asbeck "nachgerechnet und herausgefunden, dass ich in den letzten 25 Jahren sehr treu war. Ich war mit vier Frauen zusammen - nacheinander. Mit meiner zweiten Ehefrau bin ich 2011 fünf Jahre verheiratet. Susanne ist meine liebste und letzte Frau." Sie hätten sich entschlossen, 25-jährige Hochzeit zu feiern. "Weil Susanne alle positiven Eigenschaften der Frauen vereint, die mich ertragen haben." Außerdem bekomme man dafür viel einfacher eine Tischdeko. Ob seine Frau diese Idee gut findet? - "Natürlich. Das ist ja eines der Kriterien, warum sie mit mir zusammen ist. Ich will mich nicht selber loben, aber ich bin lustig. Mir fällt jeden Tag irgendein Quatsch ein."

Frank Asbeck hat eine Patchwork-Familie. Zwei Kinder stammen aus seiner ersten Ehe, eines hat seine Frau mitgebracht. "Das ist natürlich nicht immer einfach, aber wir kriegen es wunderbar hin", sagt er. "Die Kinder verstehen sich untereinander sehr gut." Weihnachten seien zumindest zwei der drei Omas immer dabei. "Großmütter haben ja unabhängig vom Charakter einen sehr dekorativen Einfluss. Weihnachten, ohne dass eine Oma im Stuhl sitzt, ist kein Weihnachten." Darauf angesprochen, dass er mal fünf Jahre lang nicht mit seinem Vater geredet habe, sagt Asbeck: "Ich glaube, es waren sogar zweimal fünf." Seine Begründung: "Weil jeder kleine Baum Sonnenperioden braucht, damit er unter einem großen wachsen kann."

Ob er immer schon vom SolarWorld-Erfolg überzeugt war? - "Natürlich gibt es Momente des Nachdenkens und Zauderns. Und auch Ängste: Schaffe ich den nächsten Schritt?" Hilfreich sei bei ihm in so einer Situation "Spazieren gehen". Er sei zwar kein Bäume-Umarmer, aber es gebe oberhalb von Remagen eine 500 Jahre alte Stieleiche mit schönem Blick übers Rheintal. "Da muss ich einfach nur hingehen und mich drunter setzen. Dieser Baum hat jeden Mist schon mal gesehen. Da relativieren sich Probleme und viele kriege ich dann im Kopf gelöst."

Eines seiner aktuellen Projekte ist die eigene Figur. "Wenn man 130 Kilo wiegt, muss man abnehmen. Sonst sind irgendwann die Knie durch."

Quelle: Frau im Spiegel

Berlin, 20. September 2010, Klima- und Entwicklungspolitik sind nur dann nachhaltig, wenn sie besser aufeinander abgestimmt werden als bislang. Das betonen die Autoren des Buches "Global aber gerecht - Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen", das im Beck-Verlag erschien und in der letzten Woche in Berlin präsentiert wurde. Das Buch ist der Abschlussbericht eines dreijährigen Forschungsprojekts http://www.klima-und-gerechtigkeit.de/ des katholischen Hilfswerks Misereor, der Münchener Rück Stiftung, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) sowie des Instituts für Gesellschaftspolitik München (IGP).

pressetext sprach mit Berichtsautor Ottmar Edenhofer, Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Vermeidung des Klimawandels" im Weltklimarat IPCC und PIK-Chefökonom. Edenhofer fordert neue Lösungswege solange nicht absehbar ist, wann ein globales Klimaabkommen erreicht werden kann.

pressetext: Wie lauten für Sie als Wirtschafts- und Klimaforscher die Hauptprobleme, denen sich die Welt stellen muss?

  

Edenhofer: Da ist zuerst die Gefahr des gefährlichen Klimawandels, wenn sich die globale Mitteltemperatur um mehr als zwei Grad Celsius erhöht. Damit könnten großskalige Schäden wie die Ozeanversauerung, das Ausdörren des Amazonas-Regenwaldes und das Ende der Monsun-Dynamik einhergehen. In den Entwicklungs- und Schwellenländer ergeben sich durch den Klimawandel vor allem Probleme für die Trinkwasserversorgung, die Landwirtschaft und Ernährung und den Küstenschutz. Vor allem für die Schwellen- und Industrieländer erscheint jedoch auch eine drastische Emissionsreduktion risikoreich, da Wohlstand und wirtschaftlicher Aufschwung bislang stets mit Öl, Kohle und Gas verbunden sind. Und diese Denkweise ist in das historische Gedächtnis der Menschheit eingebrannt.

pressetext: Welche globalen Ziele lassen sich daraus ableiten?

  

Edenhofer: Das Ziel muss sein, wirtschaftliches Wachstum und die Nutzung fossiler Brennstoffe zu entkoppeln, ohne dass Entwicklungs- und Schwellenländer dadurch in ihren Entwicklungschancen beeinträchtigt werden. Nur so können wir die Erwärmung begrenzen. Das vorgeschlagene Limit von zwei Grad ist ein vernünftiger Anhaltspunkt. Aber der Klimawandel lässt sich nicht mehr aufhalten, er lässt sich nur begrenzen, daher müssen sich die Entwicklungsländer an den nicht mehr vermeidbaren Klimawandel anpassen.

pressetext: Der aktuelle Projektbericht fordert die gerechte Verteilung. Was heißt das konkret?

  

Edenhofer: Für das Ziel von zwei Grad darf die Menschheit in diesem Jahrhundert nur noch 400 Gigatonnen Kohlenstoff ausstoßen. Das bedeutet, dass ein Großteil der vorhandenen fossilen Ressourcen im Boden bleiben muss. Gerechtigkeit heißt, den knappen Deponieraum der Atmosphäre fair zu verteilen. Jeder Mensch sollte also den gleichen Anteil daran bekommen. Das kann man nicht sofort umsetzen, aber es ist eine Aufgabe für die kommenden Jahre.

pressetext: Welche Instrumente sollen das umsetzen?

  

Edenhofer: Der globale Emissionshandel soll sicherstellen, dass die Atmosphäre nicht übernutzt wird und die angestrebte gleiche Verteilung der Emissionsrechte pro Kopf soll der Fairness Rechnung tragen. Von Letzterer würde besonders Afrika profitieren, weil seine Länder die Emissionsrechte verkaufen könnten und Einnahmen erhielten, die die heutige Entwicklungshilfe bei weitem übersteigen. Der Umstand, dass man mit Emissionsrechten handeln kann, soll die Vermeidungsoptionen mögichst kostengünstig machen. Damit sich ein globaler Emissionshandels entwickelt, braucht es regionale Erfahrungen. Der europäische Emissionshandel braucht jedoch Reformen: Es müssen alle Sektoren - das heißt Stromversorgung, Transport und Wärmemarkt - integriert werden, um eine breite Suche nach den kosteneffizientesten Vermeidungsoptionen zu ermöglichen.

pressetext: Versuche wie etwa die Klima-Konferenz in Kopenhagen, einen globalen Emissionshandel vertraglich festzusetzen, schlugen bisher fehl. Glauben Sie weiter daran?

  

Edenhofer: Die Kopenhagen-Konferenz scheiterte unter anderem, weil wir glaubten, es sei eine Klimakonferenz. In Wirklichkeit war sie die wichtigste Weltwirtschaftskonferenz seit dem Zweiten Weltkrieg, da es letztlich darum ging, die Nutzungsrechte von Kohle, Öl und Gas neu zu verteilen. Auch war es eine Illusion zu glauben, dass alle 194 Staaten einem Abkommen zustimmen werden. Um die wichtigsten Klimaschutzziele zu erreichen reicht es aber, wenn zunächst die acht bis zehn Hauptemittenten kooperieren.

pressetext: Der größte CO2-Produzent China geht ja bisher stets eigene Wege. Welche Rolle hat das Land für den globalen Klimaschutz?

 

Edenhofer: Im Moment die entscheidende. China ist die Werkbank der Welt und will auch in den nächsten beiden Dekaden Nettoexporteur bleiben. In jedem Laptop, iPod oder Spielzeug, das etwa nach Europa exportiert wird, transportiert China seine Kohle nach außen. Wir sind an der CO2-Bilanz dieses Landes beteiligt. China scheut sich, sich durch internationale Verträge in Sachen Emissionen zu verpflichten. Allerdings hat sich die Regierung mit dem aktuellen Fünf-Jahres-Plan sehr ehrgeizige Ziele für die Emissionsreduktion gesetzt und ist auch in der Lage, sie zu erreichen.

pressetext: Wenn es keine globalen Verträge für Klimawandel- und Armutsbekämpfung gibt, wie lauten die Alternativen?

  

Edenhofer: Kleinere Schritte außerhalb eines weltweiten Abkommens sind nötig. Das wird zunächst auch ein Weg von Versuch und Irrtum sein. Aber die globale Klimapolitik steckt in einer Sackgasse und wir müssen uns von der Vorstellung eines sofortigen globalen Abkommens verabschieden. Viel realistischer ist eine Koalition der Willigen, die sich dann erweitern muss. Wir brauchen dafür auch ein System von Strafen und Anreizen, zu denen etwa der Austausch von Technologien untereinander zählen könnte.

pressetext: Sie fordern ökonomische und ökologische Lösungen, doch gehen Klima- und Armutsforschung bisher noch nicht Hand in Hand.

Edenhofer: Das stimmt. Klimaökonomen brauchen die Unterstützung anderer Politik- und Forschungsbereiche. In unserem Projekt haben wir diese Brücke geschlagen, unter anderem durch Dialogforen mit Menschen vor Ort. Wir haben gelernt, dass nicht alle unsere Ideen im Süden gut ankommen. Aber vor allem, dass Partner wie etwa Misereor oder die Münchener Rück Stiftung viel Know-how einbringen. Tragfähige Lösungen werden wir am besten finden, wenn wir zusammenarbeiten.

pressetext: Danke für das Gespräch.

Redakteur: Johannes Pernsteiner

Quelle: pressetext

Frankfurt, 20. Oktober 2010, Der Bundesverband Christliche Demokraten gegen Atomkraft (CDAK) protestiert gegen den augenscheinlich lieblosen und wenig pietätvollen Umgang des Hessischen Rundfunks mit dem letzen Interview, das der am Donnerstag verstorbene Dr. Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR, dem Sender auf der Buchmesse gab.

Petra Pauly, Pressesprecherin der CDU/CSU-Atomkraftgegner: „Unser Kritikpunkt ist nicht, daß  der Sender das Interview mit der Filmmusik aus ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘ unterlegt. Das Interview wurde Dienstag, 19. Oktober 2010, um 12:05 Uhr von hr2-kultur ausgestrahlt und wird heute um 23:05 Uhr wiederholt. Wir kritisieren, daß der Sender das u.a. für Sigmar Gabriel brisante Scheer- Interview so gut versteckt. Das heißt, dieses wertvolle und aufschlußreiche Dokument der Zeitgeschichte ist schwer zu finden, noch dazu wenn eine Ankündigung durch sachfremde Texte vernebelt wird.“

Zum Interview

Quelle: CDAK

Hamburg, 14. juni 2010 - Zu Beginn ein kurzer Rückblick auf das Jahr 2009, das für die PV-Industrie alles andere als einfach war: zunehmender Konkurrenz- und Preisdruck besonders auch aus China, langsame Entwicklung neuer Märkte, globale Finanzkrise.

Executive Vice President Sharp Energy Solution Europe - Peter Thiele

Wo steht Sharp nach diesem turbulenten Jahr?

2009 hat den Unternehmen tatsächlich viel an Flexibilität abverlangt und eine Konsolidierung eingeleitet, die nicht ungewöhnlich ist für so junge Branchen wie die Photovoltaik. Mit der dynamischen Marktentwicklung hat sich in 2009 ganz klar gezeigt, dass nur derjenige Erfolg hat, der erstens: hochleistungsfähige Solarprodukte zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, zweitens: in modernsten Fabriken effizient und ökologisch produzieren kann und drittens: über eine etablierte und gleichzeitig flexible Vertriebsstruktur verfügt. Wir können auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken: Im Geschäftsjahr 2009 ist Sharp nach Umsatz der weltweit führende Solarzellenproduzent!* (* 208.7 Mrd. Yen (2.214 Mrd. US$) im Geschäftsjahr 2009 (1. März 2009 bis 31. März 2010))

Der PV-Markt befindet sich auch weiterhin im Umbruch: in Deutschland, dem weltweit größten Photovoltaikmarkt, stehen zusätzlich zu der turnusmäßigen Förderungsdegression zusätzliche Kürzungen an.  Was bedeutet das für Sharp?

Die außerplanmäßigen Kürzungen werden im zweiten Halbjahr wohl jeden Photovoltaik-Hersteller betreffen und auch wir erwarten im dritten Quartal 2010 einen leichten Nachfragerückgang. Dank unserer 50-jährigen Erfahrung im Aufbau neuer Photovoltaikmärkte und unserer internationalisierten Vertriebsstruktur werden wir unseren Erfolg fortsetzen können und andere europäische Märkte wie Frankreich, UK oder BeNeLux stärken. Deutschland bleibt allerdings unser wichtigster Markt – hier zahlen sich unsere guten und etablierten Geschäftsbeziehungen aus. Zudem wissen die Kunden, dass sie mit Sharp Modulen neben hochleistungsfähigen Produkten und guten Erträgen auch langfristig besten Service erhalten. Deshalb sehen wir erwartungsvoll der zweiten Jahreshälfte 2010 und dem Jahr 2011 entgegen.

„Energie- und wirtschaftspolitische Geisterfahrt“ oder „notwendige und angemessene Revision“ – wie beurteilt Sharp die Neuregelung des Erneuerbare Energien Gesetzes in Deutschland?

Ob die noch junge Branche Kürzungen der angekündigten Größenordnung verkraften kann, bleibt abzuwarten. Sollten sie sich als zu rigide herausstellen, wird die Branche über die gesamte Wertschöpfungskette empfindlich getroffen. Letztlich geht es hier aber um ganz grundlegende Fragen: Wie soll unser Strommix in Zukunft aussehen? Welche Weichen stellen wir, um zukünftig eine nachhaltige, klimafreundliche und sichere Energieversorgung zu gewährleisten? Ist unser Ziel die vollständig regenerative Stromerzeugung? Ein derartiger Strukturwandel im Energiesystem braucht langfristige Investitionen und eine Förderung, die allen Seiten gerecht wird sowie die Technologieführerschaft im internationalen Wettbewerb ermöglicht. Die angekündigte Unterstützung von 100 Millionen Euro für die deutsche Branche ist ein Schritt in die richtige Richtung – erscheint aber neben den 12 Milliarden Euro, mit denen China die Solarwirtschaft fördert, relativ gering.

Europa bleibt der größte PV-Markt und weist mit 5,6 Gigawatt neu installierter Leistung in 2009 erneut ein außerordentliche Wachstum aus: insgesamt sind laut der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) hier schon fast 16 Gigawatt installiert. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?

Wir rechnen weiterhin mit einem stetigen Wachstum in Europa: Neben Deutschland und Frankreich sind auch UK und Belgien vielversprechende Märkte. Wir wollen die Photovoltaik auch in den Ländern stärken, die zwar gute Sonneneinstrahlungen haben, diese Technologie jedoch erst wenig nutzen, beispielsweise in Griechenland oder in der Türkei. Für ganz Europa geht es darum, die Klimaziele – 20 Prozent erneuerbare Energie bis 2020 – zu erreichen und über die Energieversorgung der Zukunft zu entscheiden. Solarenergie hat unter allen „Erneuerbaren“ die höchste Energiedichte und die Photovoltaik gehört zu den sichersten, ökologisch und ökonomisch bedeutsamsten Energietechnologien. Daneben ist sie eine der wenigen Branchen, die für steigende Beschäftigungszahlen sorgen. Sharp stellt in der Solarfabrik im britischen Wrexham und zukünftig auch in Italien Solarmodule für den europäischen Markt her.

Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre und mit welcher Strategie wollen Sie sie erreichen? Welche Rolle spielt Sharps Photovoltaikfabrik in Sakai?

Bereits jetzt sind wir das weltweit umsatzstärkste Solar-Unternehmen und nach ausgeliefertem Volumen liegen wir auf Platz drei. Auch in Zukunft werden wir den globalen Markt mit anführen. Als innovationsgetriebenes Unternehmen setzt Sharp konsequent auf die Entwicklung effizienter Technologien und modernster Produktionsstätten: Seit März 2010 treiben wir mit der ersten Gigawatt-Dünnschichtfabrik im japanischen Sakai diese Technologie weiter voran und werden hier mittelfristig Dünnschichtzellen in Triple-Junction- Struktur mit zweistelligem Wirkungsgrad herstellen. Daneben erschließen wir auch neue Geschäftsbereiche und verlängern mit dem Einstieg in das IPP Business (Independent Power Provider) die Wertschöpfungskette. Gemeinsam mit Enel Green Power gründet Sharp das Unternehmen „ES Solar Farms S.r.l.“, das bis Ende 2016 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 500 Megawatt im Mittelmeerraum installieren wird.

Quelle: Sharp Electronics (Europe) GmbH