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Interview

Alheim-Heinebach, 05. März 2012, Interview mit Lars Kirchner von der Kirchner Solar Group zur geplanten Solarkürzung in Deutschland.

Herr Kirchner, wie wird sich die Solarwirtschaft ihrer Meinung nach, durch die Kürzungen verändern?

Lars Kirchner: Die Solarenergie wird sich auch unabhängig von den jetzigen Kürzungen langfristig als verlässliche, nachhaltige und zukunftsorientierte Energiequelle in Deutschland durchsetzen. Allerdings ist durchaus von einer Beschleunigung der Konsolidierung des Marktes auszugehen und es wird sicherlich auch zu kurzfristigen Nachfragerückgängen kommen. Dazu trägt mit Sicherheit auch die Kurzfristigkeit und die unmittelbare Wirksamkeit der Entscheidung der Bundesregierung bei. Etwas mehr Vorlauf ist schon mit Blick auf die unternehmerische Planung wünschenswert. Denn wer professionell wirtschaften will und soll, benötigt auch von der Politik einen professionellen Rahmen.

Welche Auswirkungen werden die Kürzungen auf Ihr Unternehmen haben?

Lars Kirchner: Wir gehen davon aus, dass wir auch künftig erfolgreich sein werden und dass wir gut auf die Kürzungen vorbereitet sind. Die Kirchner Solar Group hat stets in Produkt- und Service-Innovationen und die konsequente Weiterentwicklung des Unternehmens, unserer Technologien und Mitarbeiter investiert, so das wir gerüstet sind, auch mit veränderten Marktbedingungen umzugehen. Letztlich geht es für die Solarindustrie darum, sich durch stetige Fortentwicklung immer weiter zu etablieren und von staatlichen Anreizsystemen und externer Unterstützung unabhängig zu werden. Auf diesen Weg haben wir uns eingestellt und verfolgen ihn auch konsequent durch stete Diversifizierung unseres Portfolios speziell im Bereich der individuellen und technisch optimierten Service-Leistungen für Besitzer von Photovoltaikanlagen.

Mit welchen Renditen können Betreiber von PV-Anlagen künftig rechnen?

Lars Kirchner: Ein Stück weit ist das natürlich abhängig von der Preisentwicklung für die einzelnen Komponenten einer Solaranlage und auch davon, auf welche Vergütungssätze und Rahmenbedingungen sich das Parlament schlussendlich einigt. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass bei Photovoltaik-Kraftwerken auf Dächern künftig Renditen von rund 7-8 Prozent realistisch sind. Bei Freiflächen-Anlagen rechnen wir mit einer Rendite von circa 5 Prozent.

Werden Sie ihre Umsätze künftig vor allem im Ausland oder in Deutschland machen?

Lars Kirchner: Deutschland wird auch weiterhin unser Kernmarkt bleiben und einen signifikanten Anteil unseres Umsatzes ausmachen. Derzeit erwirtschaften wir bereits über 50 Prozent unserer Umsätze im internationalen Geschäft und haben diesen Bereich in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut. Doch trotz aller Internationalisierung ist die Basis unseres Unternehmenserfolgs das Deutschlandgeschäft und wird es auch sicherlich zukünftig sein.

Quelle: Kirchner Solar Group

 

Berlin, 06. Februar 2012, In einem aktuellen Interview mit dem Tagesspiegel gibt Wirtschaftsminister Philipp Rösler u.a. seinen Standpunkt zur Energiewende wieder. Dabei antwortet er auf die Frage, wie denn die Energiewende mithilfe der erneuerbaren Energien zu schaffen sei, nachdem die Solarförderung gekürzt werden soll.

"Die Bundesregierung will nicht nur bis zum Jahr 2022 aus der Kernenergie aussteigen, sondern bis 2050 vier Fünftel des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen decken" so der Wirtschaftsminister gegenüber dem Tagesspiegel. Angeblich würde bei der jetzigen Vergütungshöhe, der Gesetzgeber für fast den gesamten Markt den Preis festsetzen. Im letzten Jahr seien immerhin über sechs Milliarden Euro in die Photovoltaik geflossen. Rösler weiter: "Das ist ungefähr die Hälfte der gesamten Förderung für erneuerbare Energien, aber die Photovoltaik macht nur drei Prozent der Stromproduktion aus."

"Da müssen wir ran", so Rösler der die Meinung vertritt, dass es bei der Förderung der erneuerbaren Energien verstärkt auf ökonomische Effizienz und Vernunft ankommt.

Die Frage des Tagesspiegels, ob Rösler denn gegen die Solarkraft wäre verneint dieser. Photovoltaik lohne sich nur in Ländern, in denen regelmäßig die Sonne scheint. Nur dort sei die Photovoltaik sehr sinnvoll. "Hier haben zum Beispiel die Mittelmeeranrainer deutliche Vorteile. In Deutschland müssen wir wieder stärker dahin kommen, dass Marktpreise darüber entscheiden, ob bestimmte Technologien sich durchsetzen."

Rösler zeigt sich zuversichtlich, denn auch das Bundesumweltministerium sei nun bereit, gemeinsam mit ihm die Solarförderung zu begrenzen.

Herr Rösler, bitte zum EEG...

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

Dresden, 08. Juli 2011, Mit dem In-Dach-System SOLARWATT Easy-In bringt die SOLARWATT AG (Dresden) ein neues Produkt auf den Markt, das die bisherige die Dacheindeckung ersetzt und zugleich umweltfreundliche Sonnenenergie zur Stromerzeugung nutzt. Im Interview erklärt der Produktverantwortliche Michael Neumann die Besonderheiten vom Easy-In System. Der 30-jährige Vertriebsingenieur hat Easy-In mitentwickelt und ist bei der SOLARWATT AG für den Bereich Indachsysteme verantwortlich.

Michael Neumann von der SOLARWATT AG

Redaktion: Was macht SOLARWATT Easy-In System interessant für Ihre Kunden?

Michael Neumann: Easy-In System ist ein sogenanntes In-Dach-System. Ein Bauherr profitiert davon gleich doppelt – zum einen, weil das Solarsystem die herkömmliche Dacheindeckung ersetzt. Die Kosten dafür entfallen also. Zum anderen erzeugt Easy-In umweltfreundlichen Sonnenstrom, der selbst genutzt  oder in das Netz eingespeist werden kann. Dafür erhält der Betreiber einer solchen Solaranlage eine Vergütung entsprechend dem Einspeisegesetz (EEG). Außerdem profitiert er von einer steuerlichen Gleichbehandlung von Indach- und Aufdachanlagen, denn er kann die Investitionskosten für eine In-Dach-Anlage über 20 Jahre abschreiben, und nicht, wie früher üblich, über einen Zeitraum von bis zu 50 Jahren. Ein Bauherr, der sich für Easy-In entscheidet, erhält damit ein Dach, das sich selbst refinanziert.

Redaktion: Für welche Dachformen eignet sich Easy-In System?

Michael Neumann: Es handelt sich um ein Solarsystem speziell für Schrägdächer mit Holzunterbau. SOLARWATT Easy-In System eignet sich für viele unterschiedliche Dachtypen und Neigungswinkel von 22 bis 65 Grad. Das System erfüllt alle technischen Normen für Brandschutz, Regensicherheit sowie die Einwirkung von Wind, Schneelasten und Hagel. Und es ist deutlich leichter als eine „klassische“ Dachhaut. Eine herkömmliche Ziegeleindeckung wiegt pro Quadratmeter über 40 Kilogramm; soll darauf noch ein Solarsystem montiert werden, kommt dazu noch das Gewicht der Solarmodule und des Befestigungssystems. Unsere Solarmodule hingegen bringen lediglich 15 Kilogramm pro Quadratmeter auf die Waage und damit auch auf das Dach. Dieser Vorteil macht sich in der Statik deutlich bemerkbar. SOLARWATT Easy-In System wurde in Zusammenarbeit mit dem sächsischem Dachdeckerhandwerk entwickelt und entspricht den Richtlinien des ZVDH.

Redaktion: Auch andere Modulhersteller bieten mittlerweile In-Dach-Systeme an. Was unterscheidet Easy-In von diesen Systemen?

Michael Neumann: Im Unterschied zu allen anderen In-Dach-Solaranlagen, die derzeit auf dem Markt sind, benötigt Easy-In System kein zusätzliches Gestellsystem. Diese Funktion ist bei diesem System schon in den Modulrahmen integriert, der mit Sogsicherungen an der Dachlattung verschraubt wird. Das Modul ist sozusagen Dachersatz. Die Montage ist zudem sehr einfach: Die Module werden mit dem oberen Modulrahmen in die Dachkonstruktion eingehängt und dann über eine Nut-Feder-Verbindung ineinander geschoben - verschrauben, fertig. Man benötigt wenig Werkzeug und spart Material, Montagezeit und Kosten. Das gesamte Modulfeld wird in die Dacheindeckung wie ein Dachfenster durch Einblechen eingebunden.

Redaktion: Wenn die Sonne auf ein solches Dach scheint, dann erwärmt sich die Dachhaut. Bei Solarmodulen ist das eher nicht erwünscht, denn bei steigenden Modultemperaturen sinkt der Stromertrag.

Michael Neumann: Und deshalb ist das Easy-In System nicht nur wetterfest und regensicher, sondern obendrein gut hinterlüftet. Hinter den Solarmodulen erwärmt sich die Luft und steigt nach oben, wo sie über den sogenannten Lüftungsfirst entweichen kann. Dadurch entsteht ein Sog, der beständig kühlere Luft durch Lufteinlässe traufseitig nachströmen lässt. Diese herkömmliche Hinterlüftung wird außerdem durch zusätzliche Hinterlüftungsöffnungen im Modulrahmen optimiert, so dass  die Effizienz  und somit die Stromausbeute noch einmal erhöht werden.

Redaktion: In welcher Form ist Easy-In System erhältlich?

Michael Neumann: Wenn gewünscht, kann ein Installateur das System natürlich selbst konfigurieren. Aber wir bieten das neue In-Dach-System auch als Komplettpaket inklusive aller notwendigen Teile, Wechselrichter und Kabel an. Diese Pakete gibt es in drei Größen – 3 kWp, 5 kWp und 10 kWp, das entspricht zwölf, 20 und 40 Modulen. Die Pakete beschleunigen die Lieferung und verringern den logistischen Aufwand. Installateure werden vom Hersteller zudem durch Schulungen direkt am System unterstützt. Easy-In System gibt es in drei Grundvarianten – mit polykristallinen ebenso wie mit den leistungsstärkeren monokristallinen Modulen sowie in der ästhetisch anspruchsvollen Version Black, bei der das komplette Modul in Schwarz gestaltet wird. Und weil Dachflächen begrenzt sind, verfügen die Solarmodule über eine hohe Leistungsdichte von bis zu 144 Watt pro Quadratmeter.

Wo sehen Sie die wichtigsten Märkte für das neue System von SOLARWATT?

Michael Neumann: Unser neues In-Dach-System ist nicht nur für Neubauprojekte und Dachsanierungen in Deutschland interessant. Wir wollen damit auch in andere große Solarmärkte gehen, wie Italien und Frankreich. Denn in diesen Ländern werden In-Dach-Systeme gezielt gefördert. So gibt es in Frankreich für In-Dach-Anlagen spezielle Förderung, für Systeme bis zu 3 kWp ist dort eine höhere Vergütung vorgesehen. Wir sehen daher sehr große Chancen im Kit-Geschäft. Auch Italien setzt verstärkt auf die gebäudeintegrierte Photovoltaik; dort erhalten Solaranlagen eine erhöhte Förderung für innovative Integration in die Gebäudehülle.

Quelle: SOLARWATT AG

 

Freudenstadt, 03. Januar 2012, Andreas Kriegler ist seit Oktober 2011 Geschäftsführer beim Maschinenbauer Robert Bürkle aus Freudenstadt. Der 44-jährige Ingenieur leitet die Business Unit Photovoltaik, gilt als erfahrener Branchenkenner und war lange Jahre in den USA tätig. Gleichzeitig ist er neben Ralf Spindler und Hans-Joachim Bender dritter Geschäftsführer des Anlagenherstellers aus Freudenstadt.

„Wir suchen Nischen rund um das Thema Energie“

Herr Kriegler, ist Bürkle vom Absatzeinbruch im Solargeschäft betroffen?

Andreas Kriegler: Auch an uns geht der Einbruch in der Photovoltaik-Industrie nicht spurlos vorbei. Die Diversifizierung von Bürkle hilft uns aber diesen teilweise abzufedern. Für 2012 haben wir jedoch unsere Erwartungen an den PV-Markt auf die Hälfte im Vergleich zur Vorjahresplanung zurückgeschraubt.

Können Sie die Gründe für den Einbruch erklären?

Andreas Kriegler: Als Lieferant für Laminatoren im Modulbereich, also im letzten Glied der PV-Wertschöpfungskette, haben uns die massiven Überkapazitäten in der Produktion im Weltmarkt als erstes getroffen, im Sinne von Rückgang von Investitionen. Im Moment gehen wir für 2012 nicht von einer Änderung der Nachfrage aus, sind aber vorsichtig optimistisch für 2013. Bei Bürkle glauben wir nach wie vor an die Zukunftschancen der Photovoltaik.

Ein Trend in der Modulfertigung geht hin zu Komplettanbietern, die eine gesamte Produktionsanlage schlüsselfertig liefern. Macht Bürkle da mit?

Andreas Kriegler: Diesen Trend wollen wir indirekt zusammen mit passenden Partnern bedienen. Als Generalunternehmer die komplette Modulfertigung anzubieten, macht für uns keinen Sinn. Bürkle hat sich seit Markteintritt vor vier Jahren vielmehr als Prozessspezialist etabliert. Als GU bekommt man im Jahr eine Handvoll Aufträge. Wir hingegen haben bisher über 120 Mehr- und Einetagenlaminatoren verkauft. Unser Erfahrungsschatz in der Welt des Laminierens, auch für Sonderlösungen, ist daher enorm. Und weil wir mit Materiallieferanten wie den Folienherstellern forschen und entwickeln, wachsen unser Reifegrad und Knowhow ständig. So haben wir es etwa geschafft, mit dem SL-Prozess die Laminierzeiten zu halbieren. Das ist ein echter Quantensprung in der Modulproduktion.

Wie genau funktioniert dieser Prozess?

Andreas Kriegler: In dem wir bei Glas-Folien-Modulen unsere Maschinen mit höheren Drücken fahren können, ist es möglich die Betriebstemperaturen zu erhöhen, was in Kombination mit weiteren Parametern die Prozesszeiten drastisch reduziert. Heutige Konzepte mit solch hohen Durchsätzen basieren auf dem Prinzip der Prozessteilung in zwei Stufen. Bei geteilten Prozessen bleibt jedoch die Frage offen, wie sich das Material beim Transport von Stufe eins nach Stufe zwei verhält, wie etwa das Schrumpfen von Folien. Diese Szenarien ergeben sich beim einstufigen SL-Prozess nicht, zudem ist die Maschine deutlich einfacher aufgebaut und kostengünstiger. Das SL-Prinzip kann aber weiterhin, wenn Kunden es wünschen, einstufig wie auch mehrstufig umgesetzt werden.

Und wieso sehen Sie sich als Prozessspezialist?

Andreas Kriegler: Bürkle beschäftigt sich traditionell mit dem Thema Laminieren, Pressen und Beschichten über all seine Geschäftsbereiche hinweg. Dadurch ergibt sich eine breite Knowhow-Basis, wo Erkenntnisse aus anderen Industrien positive Synergien auf unser Solargeschäft ergeben. Ein Beispiel: Hersteller von PV-Verkapselungsmaterialien kommen mit ihren Neuentwicklungen zunächst zu Bürkle ins Innovationszentrum, um Versuche zu fahren. Mit unserer hohen Engineering-Kompetenz sind wir zudem in der Lage, auch Rand-Anwendungen im PV-Laminier-Bereich anzugehen. All dies trägt zu einem großen Prozessknowhow und innovativer Produktsubstanz bei.

Bürkle verzeichnet steigende Umsätze in China. Wie schätzen Sie den dortigen Markt ein?

Andreas Kriegler: Asien ist neben Nordamerika, Europa und künftig Brasilien und dem mittleren Osten ein sehr wichtiger Absatzmarkt für uns. Erstmalig haben wir einen Rekordumsatz von rund 16 Millionen Euro in 2011 in unserer lokalen Fertigung in Shanghai erwirtschaftet. Dort produzieren wir unter anderem Laminatoren, die preislich und technologisch in diesen Markt passen. Es werden hier jedoch weitere Bemühungen notwendig sein, um dem chinesischen Preis-Leistungsniveau entgegenzutreten. Wir stellen fest, dass der Automatisierungsgrad auch in China steigt, was sich positiv für unsere Maschinenkonzepte auswirkt. Parallel neben unseren Aktivitäten in China beobachten wir eine leichte Belebung im Bereich der Dünnschichttechnologie. Hier haben wir in den vergangenen Monaten Mehretagenlaminatoren der Marke Ypsator und Labormaschinen verkauft.

Wie kann Bürkle die Umsatzdelle auffangen, die die PV-Industrie hinterlässt?

Andreas Kriegler: Photovoltaik ist für uns ein junges Geschäftsfeld. Da Bürkle traditionell in den Segmenten Holzwerkstoff-, Plastikkarten- und Leiterplattenindustrie Umsätze erzielt, trifft uns eine Branchenkrise nicht ganz so stark wie Anlagenbauer, die fast ausschließlich in der PV-Branche unterwegs sind. Außerdem suchen wir ständig nach Nischen, in die unsere Kernkompetenzen passen. Beispiel Antireflexbeschichtung: Durch das Auftragen einer chemischen Schicht im my-Bereich auf das Solar-Glas kann sich der Wirkungsgrad der Module aufgrund verbesserter Transmission deutlich erhöhen - um bis zu drei Prozent. Unsere Beschichtungskonzepte für die Oberflächentechnologie passen genau in diese Anwendung. Das Knowhow dafür stammt aus unserem Geschäftsfeld Oberfläche, wo unsere Maschinen eine Vielzahl von Produkten etwa aus der Holz- und Automobil-Industrie mit Lacken und anderen Flüssigkeiten via Walzenauftragsmaschine beschichten.

Wo forscht Bürkle noch?

Andreas Kriegler: Bürkle sucht sich zukunftsfähige Felder rund um das Thema Energie. Derzeit sondieren wir, wie und wo die Herstellung der Lithium-Ionen Batterien für Elektromobilität stattfindet. Die Elektroden in den Akkus werden ebenfalls chemisch beschichtet. Unser technologisches Wissen aus der Folienbeschichtung hilft uns hier weiter. Ein weiteres neues Betätigungsfeld mit ersten nennenswerten Erfolgen sind Bearbeitungs- und Profilierungsmaschinen für Dämmstoffplatten für die Gebäudeisolierung.

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

Dornach, 14. Juni 2011, Die Gehrlicher Solar AG ist auf Internationalisierungskurs. Dies drückt sich auch im neuen Markenauftritt aus. Welche Ziele sich das Unternehmen konkret gesetzt hat und was es bedeutet, neue Märkte zu erschließen, erläutern CEO Klaus Gehrlicher und Finanz- und Vertriebsvorstand Ralph Schemmerer.

Gehrlicher Solar AG

Herr Gehrlicher, welche Ziele hat sich die Gehrlicher Solar AG für 2011 gesetzt?

Klaus Gehrlicher: Wir sind optimistisch, 2011 unseren Umsatz deutlich zu steigern. Bis zum Jahresende wollen wir rund 520 Mitarbeiter an Bord haben. Dies ist Teil einer langfristigen, nachhaltigen Internationalisierungs- und Wachstumsstrategie: In den nächsten zwei bis drei Jahren wollen wir mit rund 1.000 Mitarbeitern international präsent sein und einen Umsatz von einer Milliarde Euro erreichen. Wir gehen davon aus, dass diese Größenordnung für Systemhäuser, wie wir es sind, ein Mindestmaß ist, um weltweit wahrgenommen zu werden.

Herr Schemmerer, auf welche Geschäftsfelder konzentriert sich Gehrlicher dabei?

Ralph Schemmerer: Wir unterteilen unser Geschäft in die Bereiche Ground Mounted Systems (Freiflächenanlagen), Rooftop Systems (Dachanlagen) und Components & Systems (Großhandel). Ein viertes, kleineres Geschäftsfeld sind Off-Grid-Anlagen. In diesem Bereich haben wir vor rund 18 Jahren begonnen und bauen ihn nun wieder aus, da er weltweit riesiges Potenzial hat. Neben der Projektierung, der Planung und dem Bau netzunabhängiger Anlagen entwickeln wir eigene Off-Grid-Produkte, die den spezifischen Bedarf exakt treffen.

Außerdem haben wir kürzlich eine Abteilung für energieeffizientes Bauen gegründet. Im Fokus steht hier zunächst unser eigener Bedarf: Zum einen führen wir derzeit an unserem Unternehmenssitz in Neustadt eine energetische Gebäudesanierung durch, zum anderen wollen wir in höchstens zwei Jahren mit unserem Münchner Verwaltungssitz in ein selbst entwickeltes „Plus-Energiegebäude“ umziehen. Spätestens danach wollen wir dieses intern aufgebaute Know-how international anbieten – die Nachfrage ist groß!

Wie gut ist das Unternehmen für künftige Herausforderungen aufgestellt?

Klaus Gehrlicher: Zunächst will ich vorausschicken, dass es unsere Branche momentan nicht leicht hat: Der Kostendruck und der Wettbewerb nehmen zu, der Konsolidierungsprozess setzt sich fort und neue Märkte bedeuten neue Herausforderungen. Um dafür gut gerüstet zu sein, haben wir 2010 intensiv an unseren internen Prozessen und Systemen gearbeitet, beispielsweise an der Einführung von SAP. In dieser Phase haben wir einige Marktchancen bewusst nicht genutzt. Das hat sich ausgezahlt – unbegrenztes Wachstum ohne interne Optimierung funktioniert auf Dauer eben nicht. Nun können wir unsere ganze Energie in weiteres, internationales Wachstum stecken.

Wie haben sich die kürzlich gegründeten Niederlassungen in Südafrika, Indien und Brasilien entwickelt?

Ralph Schemmerer: Für eine umfassende Einschätzung ist es noch zu früh, aber es lassen sich bereits gute Trends erkennen. Südafrika führt gerade ein Einspeisegesetz ein – zum Glück mit einer deutlich niedrigeren Vergütung als ursprünglich geplant. Das verhindert Strohfeuer und ermöglicht ein nachhaltiges, für die Volkswirtschaft tragbares Wachstum. Mit unserem Joint-Venture-Partner Ikhwezi entwickeln wir schon die ersten Projekte und blicken sehr optimistisch in die Zukunft.

In Indien besteht bereits ein realer Photovoltaikmarkt. Vor allem die Förderprogramme auf lokaler Ebene laufen sehr gut, unangefochtene Hotspots sind die Staaten Gujarat und Rajasthan. Insgesamt erlebt Indien eine tolle Marktbewegung – und wir sind mittendrin! Vom Beginn der Verhandlungen mit unserem Joint-Venture-Partner Greenforce Enviro bis zum Baubeginn des ersten Solarparks sind nicht einmal sechs Monate vergangen. Das ist angesichts der indischen Bürokratie extrem schnell.

Das dritte Land, in dem wir kürzlich ein Joint Venture gegründet haben, ist Brasilien. Hier gibt es zwar noch kein Einspeisegesetz, die Bedeutung der erneuerbaren Energien wird aber schon stark wahrgenommen. Neben einem relativ alten Kleinstmarkt für netzunabhängige Systeme in abgelegenen Gebieten wird das Thema Netzeinspeisung gerade attraktiv. Wir sind in Brasilien über unseren Partner Ecoluz extrem gut vernetzt und in einer exzellenten Startposition. Der Boom kommt allerdings erst noch.

Wollen Sie weitere Auslandsmärkte erschließen?

Klaus Gehrlicher: Aktuell konzentrieren wir uns auf die bestehenden Niederlassungen. Wir wollen nachhaltig wachsen und die neuen Länder gut integrieren. Neben den genannten Märkten sind vor allem Großbritannien und die USA sehr attraktiv für uns. Natürlich halten wir auch die Augen offen und beobachten sehr genau, welche weiteren Länder interessant sein könnten – vielleicht nicht sofort, aber in einigen Monaten.

Was ist im Bereich Forschung & Entwicklung geplant?

Klaus Gehrlicher: Wir glauben an die zunehmende Automatisierung und Systematisierung beim Bau von Solarkraftwerken, was mit dem Trend zu Großmodulen einhergeht. Mit unserem Transport- und Montagesystem, inklusive Montageroboter und Backrail-System, haben wir hierfür wichtige Voraussetzungen geschaffen. Dieses System entwickeln wir kontinuierlich weiter. Wir sind davon überzeugt, dass die immer größer werdenden Solarkraftwerke in Zukunft verstärkt mit solchen Systemen gebaut werden. Damit die PV schnell einen deutlichen Anteil an der Stromversorgung liefern kann, muss sie mindestens im dreistelligen Megawatt- Bereich denken.

Ein weiterer Trend am unteren Ende der Größenskala ist die Gebäudehülle. Die „Traumdächer“ sind zwar größtenteils belegt, es gibt aber trotzdem noch sehr viel unerschlossenes Potenzial. Im Fokus stehen nun Lösungen für die gesamte Gebäudehülle. Neben beispielsweise aerodynamischen Systemen für Flachdächer arbeiten wir also weiter an dach- oder fassadenintegrierten Lösungen.

Ebenfalls erwähnenswert ist unser neues integriertes System zur Abbildung der Anlagen-Fernüberwachung samt aller für den Störungsfall definierten Prozesse. Wir haben ein im Vergleich zu den gängigen Lösungen konkurrenzfähiges und deutlich leistungsfähigeres Produkt entwickelt, mit dem wir seit einigen Monaten sehr erfolgreich hausintern arbeiten.

Das bedeutet einen echten Fortschritt für den Bereich Operations & Maintenance. Für unsere Kunden stellen wir damit stets die optimale Leistungsfähigkeit ihrer Anlagen sowie eine stringente und sichere Kommunikation und Abbildung wirtschaftlicher Vorgänge sicher.

Was erwarten Sie persönlich von der Intersolar 2011?

Klaus Gehrlicher: Ich freue mich sehr, dass die Intersolar wieder in München stattfindet! Ein Heimspiel für uns. Die Messe wird nicht nur immer größer, sondern auch attraktiver. Neben neuen, internationalen Märkten werden Off-Grid-Anlagen und die Gebäudeintegration eine wachsende Rolle spielen. Außerdem glaube ich, dass es zwischen Herstellern und Großhändlern intensive Gespräche geben wird, um das Geschäft nach dem etwas schleppenden Start ins Jahr 2011 durch gute Konditionen anzukurbeln.

Quelle: Gehrlicher Solar AG