Berlin/Essen 13. Januar 2010 - Die Abschottung des deutschen Strommarktes und die Marktmacht nationaler Erzeuger sind Verbraucherschützern schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Dadurch ließen sich die Preise für Elektrizität auf hohem Niveau halten. Dabei ist die Anbindung der benachbarten Märkte Österreichs, der Niederlande und Frankreichs in den vergangenen Jahren fortgeschritten, wenngleich nicht abgeschlossen, wie eine vom Stromriesen RWE in Auftrag gegebene Studie der European School of Management and Technology (ESMT) aufzeigt. Sie kommt außerdem zu dem Schluss, dass die Strompreise noch nicht hoch genug seien.

"Für eine nachhaltige Versorgung und den Kraftwerksausbau sind höhere Strompreise erforderlich", meint ESMT-Manager und Studien-Co-Autor Lars Wiethaus im Gespräch mit pressetext. In den vergangenen fünf Jahren waren die Preise der ESMT zufolge auf einem Niveau, "das langfristig keine Investitionen in neue Kraftwerke rechtfertigen würde". Die Großhandelspreise, die unmittelbare Auswirkungen auf die Strompreise der Endverbraucher haben, seien demzufolge nicht überhöht. Angesichts der notwendigen Erneuerung des Kraftwerkparks dürften die Preise im Gegenteil sogar noch weiter steigen.

Stärkere Verknüpfung mit Nachbarstaaten soll Preise kaum senken

Die bisherige Integration und engere Verknüpfung der benachbarten Strommärkte soll laut RWE-Studie kaum spürbare Auswirkungen auf den Preis gehabt haben - weder in die eine, noch in die andere Richtung. "Die Preise gleichen sich an, wenn man zwei Märkte miteinander verbindet", sagt Wiethaus gegenüber pressetext. Selbst bei gleichzeitigen Preiserhöhungen aller deutschen Anbieter gemeinsam würde durch die Anbindung ausländischer Anbieter umgehend gegengesteuert.

Mehr Grenzübergangkapazität zwischen der Bundesrepublik und den westlichen bzw. südlichen Nachbarstaaten hätte die deutschen Großhandelspreise der Studie zufolge etwa 2008 aber nur selten und dann auch nur in geringem Umfang gesenkt. Der Grund dafür liege in tendenziell niedrigeren Preisen als im benachbarten Ausland. Mehr Grenzübergangkapazität könne die Preise in Deutschland wegen einer höheren Exportnachfrage sogar erhöhen. An den östlichen und nordöstlichen Staatsgrenzen könnte eine engere Verknüpfung hingegen positive Effekte haben.

The Electricity Wholesale Sector - Market Integration and Competition

Redakteur: Manuel Haglmüller

Quelle: pressetext

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