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Poppenricht, 12. März 2012, Warum kann mit Politikern nicht sachlich und fachlich über die Photovoltaik und deren Auswirkung einer erneuten außerplanmäßigen Kürzung diskutiert werden? Die Antwort ist denkbar einfach, der Sachverhalt ist komplex. Bevor man sich die komplizierte Argumentation eines zu Recht besorgten Photovoltaikunternehmers anhört, glaubt man lieber den einfachen Wahrheiten der Photovoltaikgegner.

Im wirklichen Kern der aktuellen Debatte geht es eigentlich nicht um Daten wie den 9. März oder 1. April, sondern es geht um die Frage, ob man den Photovoltaikzubau auf 3,5 GW jährlich begrenzen soll.

Genau dieser Ansicht sind die Regierungsfraktionen aktuell und diesmal nicht als "Richtwert" wie in den letzten Jahren, sondern in Form eines ernsthaften "würgenden Deckels", der - falls er so eingeführt wird wie geplant - dafür sorgt, dass diesmal wirklich kein Kilowatt mehr zugebaut wird als die 3,5 GW.

Jetzt wird um allerlei mehr oder weniger sinnlose Argumente debattiert obwohl es nur eine wirklich relevante Frage gibt: Ist der Deckel bei 3,5GW sinnvoll oder nicht?

Bei dieser Frage gibt es 2 Aspekte:
1. Entsteht dadurch ein gesamtwirtschaftlicher Wohlfahrtsgewinn oder -verlust?
2. Macht eine Zubaubegrenzung bezüglich der Stromnetzstabilität Sinn?

Im Folgenden würde Geschäftsführer Michael Weidner von gp project diese Fragen so beantworten:

zu Frage 1:

Die aktuellste und umfassendste Studie zu dieser Thematik ist folgendes vom BMU in Auftrag gegebenes Werk von Anfang 2011, welches auf einer ganzen Studienserie (z.B. auch EmployRES 2009) basiert  (Kurz- und langfristige Auswirkungen des Ausbaus der erneuerbaren Energien auf den deutschen Arbeitsmarkt).

Ich zitiere von S. 211
Die gesamtwirtschaftlichen Effekte für die beiden betrachteten Kombinationen aus hohem inländischen PV-Ausbau und einem optimistischen sowie einem verhaltenen Exportszenario liegen im Durchschnitt höher als in der der zuvor betrachteten Kombination mit dem Leitszenario 2009. Dieses Ergebnis wird im Wesentlichen von den höheren Investitionen und den durch Lernkurveneffekte niedrigeren spezifischen Kosten getrieben.

Da die Studie sehr komplex ist und manche Sachverhalte auch nicht ganz ausführlich dargestellt sind würde ich vorschlagen, dass sich die verantwortlichen Politiker für Details dazu an die Mitarbeiter/Innen des GWS wenden, die diese Berechnungen durchgeführt hat.

 

Die Ursachen für dieses Ergebnis liegen kurz gefasst darin begründet, dass die Kosten (in Form der Vergütung, Differenzkosten etc) - welche von den PV-Gegnern als einziger Faktor angeführt werden - überkompensiert werden durch den Nutzen (in Form von Umsatz, Nettobeschäftigung, vermiedene Rohstoffimporte, Merit-Order-Effekt usw.).

Man kann natürlich Kritik an Details der Studie äußern aber letztendlich ist sie äußerst umfassend, würdigt so gut wie alle Themenkomplexe einschließlich der Nettoeffekte (Beschäftigungsverschiebungen...) sowie Kosten (Differenzkosten...) und ist deshalb die Argumentationsbasis erster Wahl zu diesem Thema.

Um diese Argumentation korrekt zu widerlegen müsste man demnach diese Ergebnisse begründet anzweifeln, wozu aber im Moment niemand in der Lage ist und für mich deswegen als aktuelle einzig richtige Aussage bestehen bleibt:

"Eine Deckelung bei 3,5GW macht volkswirtschaftlich keinen Sinn und verursacht Wohlfahrtsverluste und Arbeitslosigkeit"

Mit dem Hintergrund dieser Aussage kann man nun zwar die ganzen anderen Punkte über Vor- und Nachteile der Photovoltaik, auch im Hinblick zu anderen EE diskutieren aber die Diskussion macht keinen Sinn, da die Sinnlosigkeit des Deckels bereits daran begründet ist, dass die Photovoltaik isoliert inhärent Wohlfahrt erzeugt. Man könnte trivial formulieren: "Jede nicht gebaute Anlage kostet den Deutschen Bürger Geld"

Wie hoch dieser Verlust sein wird kann man abschätzen wenn man sich die Zahlen von 2011 anschaut (7,5 GW Zubau) und desweiteren auch noch den Umsatzrückgang normiert auf die GW Zahl wegen den Kürzungen betrachtet. Ich persönlich sehe gut die Hälfte der 130.000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Ich sage nichts gegen sinnvolle Anpassungen der Vergütung an die Preisentwicklung der Anlagen weil, wenn diese nicht erfolgen würde, es Umverteilungen zu Gunsten der PV-Branche geben würde. Aber was im Moment gemacht wird ist ja keine Orientierung daran, sondern an dem Deckel welche die ganze Branche, vor allem auch durch pikante Details im Vorlagentext, gefährdet (PDF-Datei an Politiker).

zu Frage 2:
Diese Frage ist ebenfalls zu verneinen. Leider gibt es hierzu keine umfassenden Studien, da leider noch verhältnismäßig wenig Geld ausgeben worden ist um diese Frage qualifiziert klären zu lassen.

Man bekommt aber sehr stichhaltige Aussagen wenn man sich beispielsweise beim Fraunhofer ISET erkundigt. Einem der wohl renommierteste Institutionen auf diesem Bereich. Die These, dass ohne irgendwelche Veränderungen am Höchstspannungsnetz 50 GW Photovoltaikleistung machbar sind (im Moment sind 25 GW installiert), hat ein Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts nicht ausschließen können und gemeint, dass alle aktuellen Diskussionen zur Netzgefährdung durch die Photovoltaik auf absehbare Zeit eigentlich absurd sind.

Quelle: gp project

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