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Triefenstein, 28. November 2011, "Es würde keinen Sinn machen, wenn ein Hersteller  von Solarzellen seine Zellen branden würde" so oder ähnlich klang ein Kommentar -  soweit ich mich noch erinnern kann - eines Analysten beim 12. Forum Solarpraxis in  Berlin, beim Analysten- und Marktforschungs-Panel. Ob es nun keinen Sinn machen würde  oder kompletter Schwachsinn ist, schlussendlich meinte der Analyst letzteres. Nun  fragte ich mich aber, was daran so abwegig sein sollte?!

Mir fiel sofort "Intel inside" ein. Ein Computerprozessor den eigentlich niemand zu Gesicht bekommt, da er im Innern eines Computers verbaut ist. Intel ist heute weltbekannt. Warum? Ingredientbranding heißt das Zauberwort. Im Jahr 1989 begann Intel damit, seinen neuen Chip 80-386 zu bewerben, da der 286-Chip nicht so richtig angenommen wurde. Man entschied sich für eine Plakatkampagne. Diese zeigten nichts anderes, als die in rot durchgestrichene Zahl 286 und einen Hinweis auf den brandneuen Chip 386.

Die Presse griff die Aktion auf und die Kampagne wurde auf Grund ihres lokalen  Erfolges auf weitere Städte in den USA ausgedehnt. Der Erfolg war überwältigend.  Intel hatte sozusagen über Nacht ungewollt eine Marke erschaffen. Intel gelang es im  Anschluss, etliche Computer-Hersteller für eine gemeinsame Werbekampagne zu  gewinnen. Intel beteiligte sich an den Werbekosten und die Computer-Hersteller warben  damit, einen Intel-Prozessor verbaut zu haben. Heute kennt jeder auf der Welt den  Intel-Prozessor. Der Prozessor steht für Qualität und Power und entscheidet beim Bezug eines  Computers wesentlich mit (wenn auch heute nicht mehr so stark wie damals). Der  Prozessor wertet den Computer sozusagen zusätzlich auf.

Diese Strategie ließe sich eigentlich ganz einfach auf die Solarbranche übertragen. Anzumerken ist, dass diese Strategie nur funktioniert, wenn die Komponenten zusammenpassen und nicht alleine bezogen oder verwendet werden können. Perfekt für ein Solarmodul und die dazugehörigen Zellen. Eine Zweitmarke (in diesem Fall der Zellhersteller) könnte eine Marke (den Solarmodulhersteller) entscheidend aufwerten.

Verschiedene Meinungen zu Ingredientbranding

Zu Tisch, im Anschluss des Panels, sprach ich mit verschiedenen Leuten über dieses Thema.  50% meiner Gesprächspartner fanden diese Idee sehr gut, der andere Teil meinte nur,  das würde nichts bringen oder das hätte es schon einmal im Solarthermie-Bereich  gegeben. "Das würde nichts bringen" lasse ich nicht gelten, denn es ist für mich kein Argument. „Das es so etwas schon einmal gegeben hätte“ auch nicht, denn warum sollte man etwas, das damals nicht  funktionierte, in der heutigen Zeit nicht noch einmal versuchen? Vielleicht war es einfach der falsche Zeitpunkt.

Photovoltaik ist heute viel stärker in den Köpfen der Leute verankert als vor fünf Jahren. Die Technik wird bewusster wahrgenommen. Auch das Markenbewusstsein ist stärker als vor fünf Jahren. Heute kennen die Kunden mehr als zwei Solarmodulhersteller, mehr als vor fünf Jahren.

Warum sollte also ein Solarzellenhersteller nicht einfach eine Marke schaffen und sich mit Herstellern von Solarmodulen zusammenschließen? Das wäre doch eine klare Win-Win-Situation für alle Beteiligten und in der heutigen Zeit, in der der Absatz auf Grund der Marktlage sehr schwierig ist und immer schwieriger wird, für alle ein möglicher Absatzgarant (-beschleuniger)?

Im Moment sieht es doch so aus, dass Solarmodulhersteller (nicht alle) zwar eigene Solarmodule produzieren, aber je nach Beschaffung der Zellen in den Chargen unterschiedliche Hersteller von Solarzellen verbaut werden. Eine Kontrolle darüber, welcher Zellhersteller in welchem Modul verbaut wurde hat der Kunde also nicht. Transparenter würde es werden, wenn eben ein Hersteller von Solarmodulen eine Markenkooperation mit einem Zellhersteller eingehen würde.

Motech inside?

Motech ist einer der weltweit größten Zellhersteller und kommt aus Taiwan. Solarzellen von Motech sind hochwertig und langlebig, das ist bekannt. Motech-Zellen kommen in vielen namhaften Solarmodulen zum Einsatz. Wenn Motech nun eine Marke schaffen würde, nennen wir sie "Motech inside", und etliche Solarmodulhersteller diese verbauen und gleichzeitig nach außen hin kenntlich machen würden, so würde dies für eine hohe Qualität sprechen und sich positiv auf das ganze  Solarmodul niederschlagen. Eine klare Win-Win-Situation. Jetzt werden einige Solarmodulhersteller sagen, Motech sei bereits eine Marke. Motech mag richtigerweise bei Solarmodulherstellern eine Marke sein, dem zukünftigen Solaranlagenbetreiber ist diese „Marke“ aber völlig unbekannt. Und um diesen geht es letztendlich.

Was spricht also dagegen eine Marke mit einer Zweitmarke zu stärken? Nichts. Und  was soll daran Schwachsinn sein? Nichts. Nun, Solarzellen sieht man im Gegensatz zu Prozessoren, aber warum soll man daraus nicht eine Marke machen können? Natürlich lässt sich Ingredientbranding nicht nur bei Solarmodulen einsetzen.

Welche Auswirkungen hätte es eigentlich, wenn SMA auf einmal seine Wechselrichter mit Intel-Prozessoren bestücken würde? SMA - Intel inside…

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

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