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Frankfurt, 05. Juni 2012, Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert die schlechten Arbeitsbedingungen in der Solarbranche. Zu recht? Wir finden ja. Sie fordert daher einen Branchentarifvertrag an, damit für alle Solarunternehmen die gleichen Wettbewerbsbedingungen gelten. Nur mit einem einheitlichen Tarif und guter Arbeit hat die Solarbranche Erfolg. Auch, da die Solarindustrie bei der Energiewende eine große und wichtige Rolle spielt.

Die Arbeitsbedingungen lassen zu wünschen übrig. Überstunden, schlechte Bezahlung und Leiharbeit sind an der Tagesordnung. Die IG Metall strebt daher einen Branchentarifvertrag an, denn der gäbe den Beschäftigten in der Branche mehr Sicherheit beim Entgelt und bei der Arbeitzeit.

Die Photovoltaik ist nicht irgendeine Branche, sie ist eine der Schlüsselbranchen bei der Energiewende. Mit ihrer Hilfe können energiebedingte Treibhausgase reduziert werden und CO2-Emmissionen eingespart werden. Während im Jahr 2000 weltweit nur etwa 1.500 Megawatt an Solarstromanlagen  installiert waren, vervielfältigte sich die Leistung in den darauf folgenden Jahren auf 40.000 MW. Davon 29.000 MW in den EU-Ländern, ein Großteil in Deutschland. Hierzulande gibt es etwa 20 führende Herstellerunternehmen. 17 davon haben ihren Standort in Ostdeutschland. Deshalb ist die Solarbranche gerade für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in Ostdeutschland bedeutend.

Solarunternehmen fehlt die finanzielle Kraft

Trotz der geplanten Energiewende steckt die deutsche Solarbranche in der Krise. Dem Standort Deutschland könnte ein wichtiges Technologiestandbein wegbrechen, denn immer mehr Unternehmen geben auf und müssen schließen. Obwohl viele der mittelständischen Solarbetriebe technologisch gut aufgestellt sind, fehlt ihnen die finanzielle Kraft, um im Wettbewerb mit asiatischen Solarherstellern bestehen zu können.

Der Zick-Zack-Kurs um die Solarförderung, der internationale Wettbewerb und die sinkenden Preise für Solarzellen und Photovoltaik-Module setzen den Unternehmen massiv zu. In der deutschen Solarbranche sind etwa 120.000 Menschen beschäftigt. Eine Umfrage der IG Metall unter ihnen in 2011 ergab, dass die Mehrheit stolz ist, in dieser Branche zu arbeiten und damit einen Beitrag zur Energiewende leisten zu können.

Gute Arbeitsbedingungen eher selten

Leider sieht nur ein geringer Teil der dort Beschäftigten für sich eine langfristige Perspektive. Denn die Arbeitsbedingungen in den Solarfirmen sind von guter Arbeit weit entfernt und die Entgelte niedrig. Motivierte Beschäftigte sind entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Allzu oft setzen jedoch die Solarunternehmen auf Dumpinglöhne und Leiharbeit, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Überstunden, lange Arbeitszeiten, schlechte Schichtarbeitsmodelle und eine hohe Leiharbeitsquote sind die Realität. Mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer leistet regelmäßig bis zu fünf Überstunden in der Woche. Über 13 Prozent arbeiten wöchentlich sogar bis zu zehn Stunden und länger.

Gehaltsstudie 2011-2012 - Wochenarbeitszeit in der Photovoltaikindustrie

Das bestätigt auch die heute aktuell erschienene Gehaltsstudie 2011/2012 "Die große Gehaltsumfrage - Das verdient die Solarbranche wirklich" von PhotovoltaikZentrum - Michael Ziegler. Die Gehälter sind zwar im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, doch gerade im Osten sind die Gehälter teilweise stark gesunken. Verbesserungen bei den Gehältern gab es hingegen im Westen. Insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen nach wie vor große Einkommensunterschiede, die sich im Vergleich zum Vorjahr teilweise noch verstärkt haben. Vergleicht man die Gehaltshöhe nach Bundesländern mit den Vorjahreszahlen, so fällt auf, dass vor allem in den ostdeutschen Bundesländern (mit Ausnahme von Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern) die jährlichen Einkommen im Schnitt um fast 400 Euro brutto gesunken sind. So gingen etwa in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt die Gehälter zurück, während sie in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein zumindest geringfügig anstiegen. Während Arbeitnehmer in den westlichen Bundesländern im Median 43.600 Euro brutto im Jahr verdienten, erhielten Beschäftigte in den östlichen Bundesländern einschließlich Berlin lediglich ein Jahreseinkommen von 36.400 Euro. Die Differenz ist damit sowohl absolut als auch prozentual größer als im Vorjahr (im Median 7.200 Euro beziehungsweise 16,51 Prozent). Die Wochenarbeitszeiten haben sich indess kaum gebessert. So arbeitet der größte Teil zwischen 41 und 45 Stunden pro Woche.

Anders als in den tradtionellen Branchen der Metall- und Elektroindustrie steht die Mitbestimmung noch ganz am Anfang. In den vergangenen zwei Jahren hat die IG Metall die Beschäftigten dabei unterstützt, Betriebsräte zu gründen. Viele Unternehmen stehen Gewerkschaften und der Mitbestimmung eher ablehnend gegenüber. Dies bestätigt ebenfalls die neue Gehaltsstudie. Doch es gibt auch positive Beispiele. So setzt SMA in Niestal bei Kassel bereits heute auf Dialog, Mitbestimmung und Zusammenarbeit. Zudem gibt es bereits erste Firmentarifverträge. Nachdem die IG Metall einen ersten Tarifvertrag mit der Freiburger Solarfabrik AG geschlossen hatte, sind seit April 2011 die unterschiedlichen Bedingungen bei Entgelt und Arbeitszeiten auch in den Standorten von Bosch Solar in Erfurt und Arnstadt tariflich geregelt.

Doch Firmentarifverträge sind nur ein Anfang. Die IG Metall strebt einen Branchentarifvertrag an, damit für alle Unternehmen die gleichen Wettbewerbsbedingungen gelten. Nur so kann der Konkurrenzkampf über Gehälter/Löhne und Arbeitsbedingungen ausgeschlossen werden. Zudem sichern Tarifverträge die Rechte der Arbeitnehmer und schaffen einen gemeinsamen Rahmen für die Arbeitsbedingungen. Die Beschäftigten erhalten mehr Sicherheit über ihr Einkommen und ihre Arbeitszeiten. Desweiteren tragen Tarifverträge zur Stabilität von Unternehmen bei.

Neue Industriepolitik notwendig

Die deutsche Photovoltaik-Industrie hat lange Zeit einen technologischen Spitzenplatz eingenommen. Seit 2011 setzen jedoch Überkapazitäten und Preisverfall die Firmen zunehmend unter Druck. Die IG Metall fordert, dass die Politik eingreift und die strukturellen Nachteile mit den internationalen Wettbewerbern ausgleicht. Forschung, Innovation und Produktion müssen gezielt gefördert werden. Zudem bedarf es Strukturen, die funktionierende und miteinander verzahnte Wertschöpfungsketten auf regionaler, bundesweiter und europäischer Ebene schaffen.

Modell für fortschrittliches Wirtschaften

Damit die Branche zum Modell für fortschrittliches Wirtschaften wird, müssen die Interessen der Beschäftigten in die langfristigen Strategien der Unternehmen und der Branchenentwicklung einbezogen werden. Tarifverträge und Betriebsräte gehören dabei ebenso dazu wie die stetige Qualifizierung der Arbeitnehmer. So kann die Innovations- und Zukunftsfähigkeit der Branche auf einer stabilen Grundlage ausgebaut werden.

Die aktuell erschienene Gehaltsstudie 2011/2012 kann im Onlineshop von Photovoltaikstudie erworben werden.

Quelle: IG Metall

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