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Berlin, 01. Oktober 2012, Eigentlich hört sich das ganze nach einer tollen Sache an. Durch die "Mittelstandsinitiative Energiewende" sollen mittelständische Unternehmen konkrete Unterstützung, beispielsweise zur Energieeinsparung, erhalten. Die Initiative startet am ersten Januar 2013 und ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bundeswirtschaftsministerium, Bundesumweltministerium, DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) und ZDH (Zentralverband des Deutschen Handwerks). Heute haben der Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler, Bundesumweltminister Peter Altmaier, der Präsident des DIHK Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann und der Präsident des ZDH Otto Kentzler den Start der gemeinsamen „Mittelstandsinitiative Energiewende“ bekannt gegeben.

Mittelstandsinitiative Energiewende

Bild: Da sitzen sie, die Pfannenwender die Energiewender bei der Bundespressekonferenz

Wie das BMU mitteilt, soll durch einen stärkeren Dialog vor Ort, einer Optimierung von Information und Beratung sowie der Verbesserung von Weiterbildung, Qualifizierung und Erfahrungsaustausch mittelständische Unternehmen konkrete Unterstützung erhalten. Eine branchen- und zielgruppenspezifische Ansprache der Unternehmen soll vor Ort erfolgen, ihnen soll durch Experten Hilfestellung gegeben und die Anwendung von Musterlösungen, beispielsweise zur Energieeinsparung, in der Breite vorangetrieben werden.

Wie darf man sich das jetzt vorstellen? Kommt einer vom BMU in die Unternehmen und gibt Tipps, wann die Kaffeemaschine ein- und ausgeschaltet werden soll? Was an der ganzen Sache stört ist, dass das Gelingen der Energiewende auf einmal vom Mittelstand abhängig gemacht wird. Dabei sind gerade die Mittelständler ein Vorbild in Sachen Effizienz. Den energieintensiven Unternehmen hingegen ist es doch egal, ob 50.000 kWh jährlich mehr oder weniger verbraucht werden. Peanuts! Nein, diese Unternehmen dürfen sich sogar von der EEG-Umlage befreien lassen. Dem Mittelständler ist es eben nicht egal. Die Energiewende lastet nun auf den Schultern der Mittelständler. Kein Wunder, wenn diese bei den horrenden Strompreisen auf die Barrikaden gehen. Was also soll diese Initiative dem Mittelstand bringen?

Wirtschaftsminister Rösler begründet dies damit, dass "„Mittelständische Unternehmen das Rückgrat unserer Wirtschaft sind." Rösler weiter: "Sie erwirtschaften mehr als jeden zweiten Euro des Bruttosozialprodukts und stellen über die Hälfte aller Arbeitsplätze. Diesen Wirtschaftsmotor müssen wir pflegen. Nur so wird die Energiewende gelingen. Mit der gemeinsamen Initiative machen wir die Energieeffizienz zur Chefsache in den Unternehmen. Die Beteiligung von DIHK und  ZDH ermöglicht uns, die breite Palette der Unterstützungsangebote des BMWi in Zukunft noch gezielter an die Unternehmen und das Handwerk heranzutragen.“  

Was zudem stört ist, dass die gutgemeinte Initiative dem Otto-Normalverbraucher nichts bringt. Er darf weiterhin die hohen Stromkosten begleichen. Es zeigt sich wieder einmal mehr, dass FDP und CDU/CSU reine Unternehmerparteien und interessensgesteuert sind.
 
Bundesumweltminister Altmaier: „Mittelstand und Handwerk sind wichtige Partner für die Energiewende. Wir wollen sie unterstützen, die mit der Energiewende verbundenen Herausforderungen zu meistern und die sich aus ihr ergebenden Chancen zu nutzen. Gerade Effizienztechnologien bieten die Chance, Energiekosten zu senken und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Hier setzt die Initiative an.“

DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann betonte: „Die Energiewende als größtes aktuelles Investitionsprojekt eröffnet auch mittelständischen Unternehmen interessante Chancen. Die Nebenwirkungen der Energiewende müssen wir aber auch im Auge behalten: Steigende Energiepreise, Angst vor Stromausfällen, Streit um Leitungsbau – das verunsichert die Unternehmen sehr. Umso wichtiger ist es, die Unternehmen stärker einzubeziehen und den Dialog zwischen Betroffenen und Akteuren zu verbessern. Dieser Austausch gerade in den Regionen ist ein zentraler Baustein unserer Mittelstandsinitiative. Die Industrie- und Handelskammern bieten dabei vor Ort maßgeschneiderte Informationen und sind Plattform für den Dialog.“

ZDH-Präsident Otto Kentzler begrüßt die gemeinsame Initiative zur Energiewende: „Unsere Handwerksmeister und –gesellen sind die überzeugendsten Botschafter, wenn es darum geht den Umbau der Energieversorgung und der Energienutzung zu einer Gemeinschaftsaufgabe in unserem Land zu machen. Es ist richtig, dass sich die ‚Mittelstandsinitiative Energiewende’ dazu bekennt, dieses Potenzial umfassend nutzen und weiter auszubauen zu wollen.“

Die-machen-sich-die-Taschen-voll-Kauch (FDP) ist der Meinung, dass die Mittelstandsinitiative ein wichtiger Baustein der Energiewende ist. Laut Kauch profitieren die mittelständischen Unternehmen von der Initiative und er schiebt die steigenden Strompreise, wie immer, auf das EEG. "...Auf der anderen Seite belasten steigende Energiekosten die Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen des produzierenden Gewerbes. Gerade die FDP will diese Arbeitsplätze sichern - durch die Begrenzung des Kostenanstiegs beim Erneuerbare-Energien-Gesetz und durch die Unterstützung bei Energieeffizienz-Maßnahmen."

Ein kleiner Gewerbebetrieb hat schätzungsweise einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 10.000 kWh im Jahr. Das wären Kosten, legt man einen Strompreis von 24 Cent zugrunde, in Höhe von 2.400 Euro im Jahr. Ein großer Gewerbebetrieb hat einen Jahresverbrauch von etwa 90.000 kWh. Das entspricht einer Stromrechnung von 21.600 Euro jährlich. Wenn jetzt ein großer Gewerbebetrieb durch diese Initiative 10% an Stromkosten einsparen könnte (9.000 kWh = 2.160 Euro), was ja generell zu begrüßen ist, wo kann dieser dann Arbeitsplätze erhalten und wo sollen hier neue Geschäftsfelder innerhalb dieser Unternehmen entstehen? Etwa durch weitere Investitionen? Was kostet dem Steuerzahler diese Initiative, wenn nun lauter kleine Kaffeeautomaten Ein- und Ausschalter bei den Unternehmen vor Ort auftauchen? Wir dürfen gespannt auf die Initiative sein...

Die ganze Initiative ist gemäß der Vereinbarung sehr undurchsichtig und nicht greifbar. Einfacher wäre es für alle Marktteilnehmer, wenn die Regierung auf einen Teil der Stromsteuer verzichtet würde.

Download: Vereinbarung Mittelstandsinitiative

Quelle: BMU / FDP

Kommentare   

+1 #2 photovoltaik-guide.de / Michael Ziegler 2012-10-08 06:42
Bislang gibt es noch keine eigene Website zu dieser Initiative. Da diese erst Anfang 2013 startet kann es natürlich sein, dass diese noch erstellt wird.
+2 #1 Antje Radcke 2012-10-07 14:41
Danke für den ausführlichen Kommentar! Was mich zusätzlich aufregt: Da wird großartig eine neue Initiative gegründet und es gibt nicht mal eine Internetseite dazu. Oder habe ich da was übersehen?

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