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Winterthur, 20. Oktober 2010, Mitte August startete in Genf das Zero Emissions Race. In 80 Tagen wollen vier Teams von vier Kontinenten den Globus mit ihren selbst entwickelten Elektrofahrzeugen umrunden. Organisiert wird das Rennen vom Schweizer Solarpionier Louis Palmer. Das Zero Race soll der Öffentlichkeit aufzeigen, dass saubere Mobilität bereits heute möglich ist. Der Teilnehmer Frank Loacker vom Schweizer Team Zerotracer erzählt von seinen Erlebnissen.

Sauberes Rennen rund um die Welt mit dem Zerotracer

Das Winterthurer Unternehmen Designwerk GmbH nimmt mit dem Zerotracer an diesem abenteuerlichen Rennen teil. Das Team liegt zur Zeit an erster Stelle des Rennklassements und zeigt sich ambitioniert: „Wir wollen nichts anderes als gewinnen“, gibt Tobias Wülser, erster Fahrer des Zerotracers, gerne zu. Ein Blick auf ihr Fahrzeug Zerotracer zeigt dann auch, dass dieses Ziel durchaus zu erreichen ist. Auf der Basis des Monotracers von Peraves AG, der Partnerfirma von Designwerk, haben sie in kürzester Zeit ein effizientes Hochleistungsfahrzeug entwickelt: 240 km/h schnell, eine beeindruckende Beschleunigung und ein aerodynamisches Aussehen.

„Mit dem Zerotracer wollen wir zeigen, dass sich saubere Mobilität, Design und Effizienz vereinen lassen und überdurchschnittliche Leistungswerte erreicht werden können“, so Frank Loacker, zweiter Pilot des Zerotracers. Am Zero Race wurde beim Winterthurer Fahrzeug ein Energieverbrauch von 64 Wh/km gemessen, das einem Benzinverbrauch von ca. 0.64 Liter auf 100 km entspricht. Die benötigte Energie für ihre Weltumrundung produziert eine Solaranlage auf den Dächern von Oerlikon Solar, dem Sponsor des Zerotracers.

Die ersten 46 Etappen führten die Teilnehmer des Zero Race von Genf über Deutschland, Ukraine, Kasachstan nach Shanghai in China, wo die Fahrzeuge auf ein Containerschiff mit Ziel Vancouver verladen wurden. Am 12. November 2010 soll das Rennen weitergehen. Frank Loacker ist während dieser Rennpause in die Schweiz zurückgekehrt. Lesen Sie mehr zum Rennen und den Erlebnissen auf diesen ersten knapp 17.000 Kilometern im Interview von energie bewegt winterthur mit Frank Loacker.

energie bewegt winterthur: Frank Loacker, den ersten Teil der Weltumrundung im Zero Race haben Sie erfolgreich bewältigt und die teilnehmenden Fahrzeuge sind bereits verfrachtet in Richtung Vancouver. Sie sind für kurze Zeit nach Winterthur zurückgekehrt, wie werden Sie diese Rennpause nutzen?

Frank Loacker: Zum einen wollte ich meine Teamkollegen mal wieder sehen, die uns von der Schweiz aus unterstützen. Es gilt auch teamintern und mit Medienvertretern sowie Partnern einige Gespräche zu führen zum Zero Race. Dann möchten wir auch zusätzliche Projekte aufbauen und akquirieren, denn unsere Löhne bezahlen sich nicht vom Zero Race. Diese Pause von mehreren Wochen, in der ein Frachter den Zerotracer von Shanghai nach Vancouver verschifft, kann ich also gut nutzen. Und zu guter Letzt relaxt es sich hier in der Schweiz wunderbar.

energie bewegt winterthur: Sie und Ihr Mitstreiter Tobias Wülser sind zu zweit im Zerotracer unterwegs. Das Fahrzeug ist schlank und aerodynamisch gebaut – wie sitzt es sich darin?

Frank Loacker: Die Sitze sind bequem, ich hatte noch nie Probleme mit den Platzverhältnissen. Tobi und ich sind als einziges Team die meiste Zeit in Doppelbesetzung gefahren und konnten uns so beim Fahren abwechseln. Der hintere Sitz erlaubt einen, die Beine zu strecken und das ist sehr angenehm bei langen Etappen.

energie bewegt winterthur: Welche Wetterverhältnisse haben Sie während Ihrer Reise angetroffen?

Frank Loacker: Ausser Schnee hatten wir so ziemlich alles. Zu Beginn regnete es oft und war nur knapp im zweistelligen Temperaturbereich. An der Grenze zu Asien, als wir den Ural überquerten, zeigte das Quecksilber zwischenzeitlich gar Minustemperaturen an. Da lobte ich mir unser trockenes, beheizbares Cockpit. Unsere Kollegen auf dem Vectrix (EScooter/ Anm. EBW) hatten da schon schwierigere Voraussetzungen. In China, d.h. in der Wüste, herrschten dann Temperaturen bis zu 35 Grad, während in Shanghai 25 Grad die Regel waren.

energie bewegt winterthur: Vor dem Start um den Globus waren Schlaglöcher auf russischen und chinesischen Strassen eine Ihrer Sorgen. Ihr seid heil in Shanghai angekommen, wie waren die Strassenverhältnisse nun tatsächlich?

Frank Loacker: Gewöhnungsbedürftig. In Russland waren sie oft nur noch ein Flickteppich und die monotonen Schläge bei der Fahrt über die Betonplatten unsere Soundkulisse. Bis Shanghai liessen uns die bis 20 cm tiefen Spurrinnen regelrecht auf der Strasse surfen und wir mussten immer wieder Gegensteuer geben. Am Schwierigsten jedoch waren die 50 Kilometer Fahrt in der Wüste von China. Wegen dem Bau einer Autobahn mussten alle Fahrzeuge auf eine teils sandige, teils schlammige Strasse ausweichen. Und jeder wollte uns überholen, auch wenn er nur ein bisschen schneller vorwärtskriechen konnte. Aber wir habens geschafft – mit 10 km/h Top-Speed.

energie bewegt winterthur: Sie tragen den Standort Winterthur in alle Welt hinaus, wie haben Sie der Bevölkerung Kasachstans erklärt, von wo Sie und Ihr Zerotracer kommen?

Frank Loacker: Vielfach mussten wir der staunenden Menge erst einmal erklären, wo die Schweiz liegt. Mit Händen, Füssen und dank dem Schweizer Kreuz auf dem Zerotracer klappte es jedoch meist. In China dachten dann die meisten, wir seien Amerikaner. Ausländer und Amerikaner schienen oft Synonyme zu sein.

energie bewegt winterthur: Wenn man das Rennen über die Blogs von zerotracer.com und zero-race.com verfolgt, erfährt man einige abenteuerliche Geschichten, die ihr auf eurer Reise erlebt. Was war Ihr bisher grösstes, eindrücklichstes Abenteuer auf den zurückgelegten 17.000 km?

Frank Loacker: Diese Offroadpiste in China war sicher fahrtechnisch mit Abstand am Anspruchsvollsten. Überhaupt forderte der Strassenverkehr in China einiges ab. Scooter ohne Licht bei Nacht und aus Nebenstrassen hervorpreschende Lastwagen waren keine Seltenheit. Im Kreisverkehr schien die Fahrtrichtung oftmals nur Nebensache zu sein. Persönlich haben mich die Leute in Russland und ihre herzlichen Empfänge am meisten beeindruckt. Vielerorts wurden wir umjubelt wie Popstars. Bühnen wurden aufgestellt, damit uns alle besser sehen konnten. Ich fühlte mich wie Michael Jackson. Autogramme verteilen auf T-Shirts, hingestreckte Hände, Papier – es war schlicht unglaublich. Manche hatten seit Jahren keinen Ausländer mehr gesehen. In einem Dorf am Ende Russlands waren wir die ersten ausländischen Besucher seit 20 Jahren überhaupt. Die letzten Ausländer seien Schweizer auf ihrer Velotour gewesen, wie sie uns, alle im kleinen Gemeindehaus versammelt, erzählten.

energie bewegt winterthur: Ihr Team liegt mit grossem Abstand an erster Stelle im Punkteklassement des Zero Race. Was hat der Winterthurer Vertreter Designwerk, was die anderen Teilnehmer nicht haben?

Frank Loacker: Ein Fahrzeug, das technisch funktioniert: keine einzige Panne und nur einen Reifenwechsel während der gesamten Fahrt. Wir fahren regelmässig über 300 Kilometer weit mit einer Batterieladung und das mit Zweimannbesatzung und Gepäck. Auf die Hilfe vom Supportfahrzeug konnten wir bis anhin verzichten, was uns ebenfalls viele Rennpunkte einbrachte. Dem australischen Team bescherte ein technisches Problem bei der Vorderradaufhängung bereits vor der ukrainischen Grenze nächtliche Überstunden. Seither hatten sie jedoch keine nennenswerten Probleme mehr, einzig die 200 Kilometer Reichweite der Batterie schränkt das Trev-Team jetzt noch ein. Unsere deutschen Rennkollegen konnten ihren Vectrix aufgrund der sehr kurzen Vorbereitungszeit von zwei Wochen nicht vollständig nach ihren Plänen umbauen. So hatten sie in der Ukraine und in Kasachstan immer wieder grosse Probleme mit Regenwasser, das in ihre Batterie rann.

energie bewegt winterthur: Das Rennen geht nach Angaben der Rennleitung am 14. November 2010 von Vancouver weiter Richtung Weltklimakonferenz in Cancún, Mexico. Was wird wohl Ihre grösste Herausforderung sein im zweiten Abschnitt und auf was freuen Sie sich am meisten?

Frank Loacker: Der Renntross wird voraussichtlich am 9. November ankommen und wir alle hoffen, bereits wieder am 12. November weiterfahren zu können. Ich bin gespannt auf Mexiko. Ich kenne Land, Leute und Strasse nicht. Man hört von wunderschönen Landschaften und Regionen, wo man durchaus mit Überfällen rechnen muss. Am meisten freue ich mich auf Kalifornien. Louis Palmer und ich haben tolle Leute kennengelernt während der Solartaxi-Tour 2007 und wir freuen uns, viele von ihnen wiederzusehen. Vielleicht treffen wir uns auch mit dem E-Tracer-Team von unserer Partnerfirma Peraves, der noch vom XPrize her in Kalifornien ist. Zusammen mit einem Monotracer wird uns das Fahrzeug ein Stück weit auf der Zero-Race-Tour begleiten.

Frank Loacker, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen, dem Zerotracer-Team und allen Rennbeteiligten weiterhin viel Erfolg und spannende Begegnungen.

Quelle: Verein energie bewegt winterthur

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