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Reutlingen, 01. Dezember 2011. Am 15. November 2011 unterzeichnete Manz eine Absichtserklärung zur Übernahme der Innovationslinie für CIGS-Solarmodule von Würth Solar in Schwäbisch Hall. Dieter Manz, Gründer und CEO der Manz AG, gibt fünf wichtige Antworten zum bevorstehenden Geschäftsabschluss.

Manz AG

1. The big picture: In welchem Branchenumfeld hat Manz die CIGS-Innovationslinie in Schwäbisch Hall Mitte November übernommen?

Die politische Unsicherheit in westlichen Industrieländern, vor allem in Deutschland, über die Entwicklung der Einspeisevergütungen führte global zu beträchtlichen Überkapazitäten bei den Solarmodulherstellern und einem damit einhergehenden raschen Preisverfall für die Endprodukte. Dieser für die Hersteller schmerzliche Trend hat jedoch für die Branche insgesamt einen positiven Effekt: Auf dem aktuellen Preisniveau wird Photovoltaik (PV) immer interessanter für große Märkte mit viel Sonne, zum Beispiel die USA, Indien oder China. In diesen Märkten wird Solarstrom bald ohne große Subventionen auskommen. Ich rechne deshalb damit, dass die derzeitige Absatzkrise in zirka 9-12 Monaten beendet sein wird. Bis dahin müssen die Modulhersteller ihre Kosten senken, um am Markt zu bestehen, denn die Preise für Module werden sicherlich nicht mehr steigen.

2. Die Technologie: Manz hatte bereits seit anderthalb Jahren mit Würth Solar in Sachen CIGS-Dünnschicht kooperiert. Warum gerade diese Technologie?

CIGS (basiert auf einem Kupfer-Indium-Gallium-Selen-Halbleiter) hat das größte Potential zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung von allen Dünnschichttechnologien. Unser Kooperationspartner ZSW, das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Stuttgart, hat im Labor bereits Wirkungsgrade von über 20 Prozent erreicht. Das ist Weltrekord und fast so gut wie der Spitzenwirkungsgrad von polykristallinen Siliziumzellen.

Gleichzeitig lassen sich CIGS-Module sehr kostengünstig produzieren, nicht nur im Vergleich mit der kristallinen Siliziumtechnologie. Wir halten die CIGS-Dünnschichttechnologie für den letzten Schritt hin zur Wettbewerbsfähigkeit von Solarstrom ohne Subventionen. Diese so genannte grid parity ist in einzelnen Märkten, wie Kalifornien, sogar schon erreicht und wird bald auch in Deutschland erreicht werden.

3. Das Timing: Warum hat Manz die Produktionslinie von Würth Solar gerade jetzt übernommen?

Würth Solar hat sich entschieden, nicht in den Ausbau seiner Produktion zu investieren und will sich künftig auf den Verkauf von Solarmodulen konzentrieren – immerhin ist Würth von seiner Strategie her ein Handelsunternehmen. Gemeinsam mit Würth Solar haben wir CIGS in den vergangenen anderthalb Jahren zur Weltrekord-Technologie in Sachen Wirkungsgrad von Dünnschichtmodulen gemacht – 14 Prozent Modulwirkungsgrad sind in Schwäbisch Hall auf Produktionsformat erzielt worden.

Nun wandeln wir die Produktionslinie von Würth Solar mit 30 MW Kapazität in eine Innovationslinie mit 6 MW Kapazität um. Auf dieser Innovationslinie werden wir künftig unsere neuen Maschinen, neue Materialien und neue Prozesse testen. Diese Prozessoptimierung kann man nicht nur im Labor machen, dafür brauchen wir eine massenproduktionsähnliche Umgebung. Mit dem langfristigen Wachstum der Photovoltaikindustrie und dem Erreichen der grid parity in großen Märkten werden bald weitere große Unternehmen, beispielsweise Elektronikkonzerne, in den PV-Markt einsteigen. Für diesen Zeitpunkt wollen wir gerüstet sein – mit einem ausgereiften Komplettangebot.

4. Der Kundennutzen: Welchen Mehrwert können potentielle Kunden aus der Übernahme der CIGS-Innovationslinie ziehen?

Seit Beginn der Zusammenarbeit mit Würth Solar im Juli 2010 haben wir die Produktionskosten der CIGSfab um 25 Prozent gesenkt. Das ist noch längst nicht alles, wie unsere Technologie-Roadmap aufzeigt: Unser Ziel ist es, die CIGS-Dünnschichttechnologie zur kostengünstigsten Solartechnologie zu entwickeln.

Um dieses Ziel zu erreichen, übernehmen wir von Würth Solar eine ausgereifte Technologie und auch 118 CIGS-Spezialisten. Damit haben wir das größte Team für diese Technologie in der gesamten Branche. Potenziellen Kunden können wir helfen, ihre neuen Fabriken schnell in Produktion zu bringen und das Investitionsrisiko zu minimieren. Diese Konstellation ist im Maschinenbau einmalig und wird Manz auch künftig einen Vorsprung sichern. Als Maschinenbauer halten wir mit der CIGSfab einen wichtigen Schlüssel für das Überleben der Solar-Modulhersteller in der unmittelbar bevorstehenden Konsolidierung in der Hand. Den allermeisten Solarherstellern bleibt keine andere Wahl – aufgeben oder in eine neue Zukunftstechnologie wie die CIGSfab investieren. Weiter wie bisher ist in der Solarindustrie keine Option.

5. Das Nebenprodukt: Wird Manz nun selbst zum Modulhersteller und muss diese verkaufen?

Berechtigte Frage, aber: Wir verringern die Produktionskapazität in Schwäbisch Hall auf ein Fünftel und werden damit kaum zu einem ernstzunehmenden Modulhersteller. Unser Fokus liegt auf Innovation, nicht auf Produktion. Die in Schwäbisch Hall produzierten Module vermarkten wir entweder über Würth Solar oder an potenzielle Kunden für unsere CIGSfab. Für letztere ist dies ideal, um mit dem Vertrieb von baugleichen Modulen den eigenen Markteintritt vorzubereiten um bereit zu sein, wenn ihre eigene Linie in Betrieb geht.

Ein Audio-Interview mit CEO Dieter Manz zum Thema CIGSfab finden Sie unter: http://www.brn-ag.de/beitrag.php?bid=20924

Quelle: Manz AG

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