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München/Triefenstein, 08. März 2012, Das Statement von Gregory Spanoudakis, President European Operations von Canadian Solar, zur geplanten und drastischen Kürzung von Solarstrom in Deutschland, lies viel Raum für Interpretationen (Wir berichteten: Photovoltaik - Canadian Solar für die geplante Solarkürzung - Mehr freier Wettbewerb).

Canadian Solar - President Gregory Spanoudakis

Der photovoltaik-guide.de fasste daher das Statement eher als Beleidung gegenüber deutschen Solarmodulherstellern auf. Im Übrigen war unser Nachrichtenportal mit dieser Auffassung nicht alleine. Viele Leser und Solarunternehmen waren derselben Ansicht. Ein kanadisch-chinesischer Solarmodulhersteller kann nach  Inkrafttreten der geplanten EEG-Novelle - sofern diese auch wie angedacht durchgesetzt wird - viel eher auf die neue Marktsituation bezüglich der Preise von Solarmodulen reagieren. Während jetzt schon etliche asiatische Hersteller mit Solarmodul-Preisen zwischen 60 und 80 Cent je Watt auf dem deutschen Markt  hausieren, liegen die Preise von deutschen Solarmodulen noch teilweise bei über einem Euro je Watt.

Zudem kündigten einige chinesische Solarunternehmen wie z.B. Jinko Solar an, nach der EEG-Novelle weitere Preissenkungen zwischen 8 und 10 Prozent vornehmen zu können (Wir berichteten: Jinko Solar - Kürzung der Photovoltaik bricht der SolarWorld AG das Genick). Da viele deutsche Hersteller von Solarmodulen diese Preisentwicklung so schnell - ohne Abstriche in der Qualität machen zu müssen - nicht kompensieren können, endet dies für einige in der Zahlungsunfähigkeit.

Gregory Spanoudakis beabsichtigte in seinem Statement in keiner Weise, deutsche Solarunternehmen zu beleidigen und bat uns um eine Stellungnahme zu seinem Statement.

photovoltaik-guide.de: Herr Spanoudakis, in Ihrem letzten Statement zur aktuellen Debatte zur Solarkürzung in Deutschland sagten Sie unter anderem, dass die Entscheidung der Bundesregierung eine klare Situation schaffe, mit der sich der Markt arrangieren müsse. Der Großteil der deutschen Solarunternehmen fasste Ihre Aussage anscheinend als Beleidigung auf, denn Solarmodule von Canadian Solar sind in Deutschland schon weit unter einem Euro/Watt netto erhältlich. Deutsche Solarmodule hingegen liegen noch über einem  Euro/Watt. Die Differenz zwischen deutschen und asisatischen Solarmodulen beträgt so zwischen 25 und 40 Prozent. So gesehen ist es für Canadian Solar überhaupt kein Problem, sich mit dem  deutschen Markt und den geplanten Kürzungen der Einspeisevergütung zu arrangieren. So zumindest aus Sicht deutscher Solarunternehmen. Wie äußern Sie sich hierzu?

Gregory Spanoudakis: Was die Solarindustrie braucht, sind stabile politische Rahmenbedingungen, um professionell arbeiten und vorausplanen zu können und um sich entsprechend zu strukturieren. Das wird mit der Entscheidung der Bundesregierung erreicht, auch wenn man über das Timing streiten kann. Derartig kurzfristige Entscheidungen stellen eine große Herausforderung dar, insbesondere in einer solch wirtschaftlich schwierigen Zeit angesichts der aktuellen Situation in der Eurozone.  Auch Canadian Solar bekommt die Kürzungen zu spüren, da sich die Investoren bis zur endgültigen Klärung der Details in Zurückhaltung üben werden. Wie gesagt, in keiner Weise begrüßen wir das Abkommen und wie es erreicht wurde. Nun liegt es an der Solarindustrie, mit dieser Entscheidung zurechtzukommen, auch zukünftig in die Forschung zu investieren und weiter an der Leistungssteigerung, dem Wirkungsgrad und der Qualität der Solarmodule zu arbeiten. Wie legen zudem großen Wert auf Innovation und Technologie. Daher sehen wir uns für zukünftige Herausforderungen gut gerüstet. In dieser kritischen Phase ist der freie Wettbewerb auf dem Markt sicherlich förderlich für weitere Investitionen in die Forschung sowie für den weiteren Fortschritt bei Skaleneffekten, Kosteneffizienz und Preisgestaltung. Nur wenn sich die Unternehmen hierauf konzentrieren, sind sie in ihrer Unternehmensentwicklung unabhängig von kurzfristigen politischen Entscheidungen.

photovoltaik-guide.de: Auch sagen Sie, dass die bisherigen Kürzungen der Einspeisetarife den deutschen Markt jeweils deutlich beeinflusst haben. Das ist auch richtig, doch bisher konnte Canadian Solar doch ebenfalls bestens von den deutschen Einspeisetarifen profitieren. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Gregory Spanoudakis: Das stimmt nicht ganz. Unmittelbar nach der Entscheidung, die Einspeisevergütung zu kürzen, waren wir ebenso wie alle anderen Wettbewerber davon betroffen, da die kurzfristige Ankündigung von Kürzungen bei der Einspeisevergütung stets auch einen kurzfristigen Nachfragerückgang mit sich bringt, denn Investitionen basieren auf Zuverlässigkeit und Sicherheit. Diese Bedingungen sind nur erfüllt, wenn man die Situation als Ganzes erfasst. Langfristig konnten wir stets wieder an vorherige Erfolge anknüpfen, da wir unser Portfolio regelmäßig bewerten und stetig an der Verbesserung von Kosteneffizienz und Leistung unserer Solarmodule arbeiten, um die Bedürfnisse unserer Märkte zu erfüllen.

photovoltaik-guide.de: Ihre Aussage "Das Ziel einer wettbewerbsfähigen Solarindustrie erreicht man nicht durch dauerhafte Förderung" und ihr Statement spielen genau genommen auf die jetzige Situation "drastische Kürzung der Solartarife" in Deutschland ab. Die deutsche Solarbranche verfolgt ebenfalls nicht das Ziel, dauerhaft gefördert zu werden. Jedoch sprechen Sie hier von Wettbewerbsfähigkeit. Sind Sie wirklich der Meinung, dass wenn auf Grund der Kürzungen deutsche Solarunternehmen Insolvenz anmelden müssen, hier in Deutschland für Sie noch ein großer Wettbewerb vorhanden ist? Es ist doch eher so, dass Sie dann mit vielen weiteren asiatischen Herstellern freie Bahn hätten und mit denen im Wettbewerb stünden, oder sehen Sie das anders?

Gregory Spanoudakis: Derzeit findet in der Solarbranche eine Konsolidierung statt. Das ist nichts Neues, und wurde auch nicht von den jüngsten Kürzungen der Einspeisevergütung verursacht. Nichtsdestotrotz wurde die Entscheidung nun einmal getroffen und die Kurzfristigkeit und schnelle rechtliche Umsetzung der Kürzungen bei der Einspeisevergütung beschleunigt diese Konsolidierung natürlich. Daher werden Unternehmen, die bereits vor der Entscheidung von Herrn Rösler und Herrn Röttgen in Schieflage waren, stark betroffen sein. Wir erwarten aber natürlich auch in Zukunft, dass wir mit weiteren deutschen Solarunternehmen im Wettbewerb stehen. Die deutsche Solarbranche ist stark genug, um mit dieser Entscheidung klarzukommen. Ich glaube nicht, dass wir heute in einem Jahr der einzige internationale Anbieter auf dem deutschen Markt sein werden.

photovoltaik-guide.de: Wir danken Ihnen herzlich für Ihr Stellungnahme.

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

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