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Frankfurt (Oder) 12. Juli 2012, Wie die IG Metall mitteilt, ist die Solarkrise nirgends so schlimm wie im Osten von Deutschland. Dort sind viele Arbeitsplätze sind akut gefährdet. Umso wichtiger sind Betriebsräte, die sich für die Belange der Beschäftigten einsetzen. Eben wie bei dem von Schließung bedrohten Photovoltaikunternehmen First Solar in Frankfurt/Oder.

Inzwischen wurde eine Transfergesellschaft durchgesetzt und ein Sozialplan erarbeitet. Diese wurden vom Betriebsrat sowie von der Geschäftsführung nun beschlossen. Die Belegschaft von First Solar ist größtenteils damit zufrieden. Ende des Jahres schließt First Solar seinen Standort in Frankfurt (Oder). Für die Abwicklung sollen etwa 250 Mitarbeiter bis Ende April 2013 bleiben.

Transfergesellschaft und Sozialplan

Die Transfergesellschaft dient zur Qualifizierung und Vermittlung der Beschäftigten. Beschäftigte mit mindestens einem Kind erhalten über 67 Prozent des bisherigen Nettogehalts. Kinderlose Beschäftigte erhalten 60 Prozent. Dieses Transferkurzarbeitergeld wird von der Agentur für Arbeit gezahlt. Dazu kommen noch Gelder von First Solar. Kinderlose Beschäftigte erhalten vom Unternehmen zusätzlich 17,5 Prozent dazu, bei Beschäftigte mit mindestens einem Kind wird auf 80 Prozent aufgestockt. Auch Abfindungen wird First Solar zahlen.
      
Das Beispiel zeigt das Ausmaß an Herausforderung für Belegschaften der krisengeschüttelten Branche. Viele Beschäftigte haben keinen Betriebsrat, der sich bei Problemen vor sie stellt. Oft versuchen die Geschäftsführer, eine Betriebsratsgründung mit allen Mitteln zu durchkreuzen. Die IG Metall wirbt unbeirrt dafür, dass die Belegschaften der Solarbetriebe eigene Interessenvertretungen wählen. Außerdem arbeitet sie an der Vernetzung der Unternehmen, damit sich Betriebsräte gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen. Außerdem hat die IG Metall vor kurzem den Branchendialog Solar initiiert und fordert einen industriepolitischen Aktionsplan für die Solarbranche.

Tarifverträge durchsetzen

Dass es ohne die Betriebsräte nicht geht, ist offenkundig. Niemand kennt die Probleme so gut wie die gewählten betrieblichen Interessenvertreter. Betriebsräte tragen dazu bei, die Probleme im Betrieb und in der Branche transparent und regelbar zu machen. Das schließt Konflikte nicht aus, öffnet sie aber für Gespräche und die Suche nach konstruktiven Lösungen. Gerade in der jungen krisengeschüttelten Solarbranche ist die Kompetenz von Betriebsräten so wichtig.

Photovoltaikstudie - Gehaltsstudie - Betriebsrat nach Unternehmensgröße

Bild: Grafik zeigt die vorhandenen Betriebsräte bei Solarunternehmen nach Betriebsgröße (Quelle: Photovoltaikstudie/Gehaltsstudie 2011/2012)

Viele Unternehmen sind einmal als "Garagenfirmen" gestartet und konnten erst einmal mit betrieblicher Mitbestimmung wenig anfangen. Auch Tarifverträge waren lange ein Fremdwort für die Branche. Deshalb ist es ein umso größeres Verdienst der Arbeitnehmervertreter, dass es zwischenzeitlich gelungen ist, zusammen mit der IG Metall einige Tarifverträge durchzusetzen. Derzeit verhandelt die IG Metall und die betriebliche Tarifkommission des Solarunternehmens Aleo in Prenzlau, eine Bosch-Tochter, über den Abschluss eines Tarifvertrags für über 600 Stammbeschäftigte.

Akuter Handlungsbedarf

Nur durch tarifvertragliche Regelungen erhalten die Beschäftigten eine größere Sicherheit für die Entwicklung ihrer Einkommen und Arbeitszeiten. Das ermöglicht ihnen eine verlässliche Lebensplanung und bindet sie in hohem Maß an ihren Arbeitsplatz. Nur durch gute Arbeitsbedingungen und attraktive Entgelte kann langfristig gutes qualifiiziertes Personal in der Branche gehalten werden.

Im Weißbuch Photovoltaik, das die IG Metall vor kurzem veröffentlich hat, steht es schwarz auf weiß, was den Beschäftigten der Solarfirmen unter den Nägeln brennt: Lange Arbeitszeiten, viele Überstunden, schlecht geregelte Schichtarbeit, geringe Entlohnung, exzessiver Einsatz von Leiharbeitern sind die Probleme mit dem drängendstem Handlungsbedarf. Alle diese Themen packen Betriebsräte und IG Metall an.  

Quelle: IG Metall

Weitere Informationen über Arbeitszeiten, Überstunden, Entlohnung und den Einsatz von Leiharbeitern liefert auch die aktuelle "Gehaltsstudie 2011/2012 - Das verdient die Solarbranche wirklich".

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