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Berlin, 23. August 2011, Eines vorweg: Wolfgang Hummel ist Gastdozent an der HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin). Des Öfteren hat er Interviews und Stellungnahmen zur Solarbranche und über Solarunternehmen in der Öffentlichkeit abgegeben. Und das immer im Namen der Hochschule. Nie distanzierte sich die HTW von Hummels Aussagen, Meinungen oder Stellungnahmen. Doch nun steht Hummel bezüglich seiner neuesten Studie zu den Arbeitsplatzzahlen in der Solarbranche in der Kritik. Dort gibt er an, in der Branche seien lediglich 80.000 Stellen besetzt. Der Bundesverband der Solarwirtschaft beziffert die Stellen aber auf über 133.000 Arbeitsplätze. Doch nun wurde öffentlich Kritik an der Studie geübt und plötzlich distanziert sich die HTW von Hummel Studie. Kritiken und dem Gastdozent wird der Rücken zu gekehrt?

Eine Pressemeldung des Bundesverbandes stellt die Arbeitsplatzzahlen richtig:

In den letzten Tagen haben Presseberichte wiederholt eine angebliche Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin zitiert, nach der die Arbeitsplatz-Zahlen des im vergangenen Herbst vom Bundesverband Solarwirtschaft e.V. veröffentlichten „Wegweisers Solarwirtschaft“ geschönt seien. Diese Behauptung ist falsch. Die HTW hat sich am 18.08.2011 deutlich mit einer Pressemitteilung von den Berechnungen ihres Gastdozenten distanziert.

Die Autoren beziehen sich in ihren Artikeln auf eine vorgebliche Studie von Wolfgang Hummel, Gastdozent an der HTW. Der Lehrbeauftragte gibt vor, nachgerechnet zu haben, ob die im „Wegweiser Solarwirtschaft“ gemachte Angabe, wonach durch die Photovoltaik-Technologie im Jahr 2010 etwa 130.000 Jobs in Deutschland bestanden, korrekt ist. Hummel kommt zu dem Schluss, die Solarbranche habe nur 80.000 Arbeitsplätze. In diesem Zusammenhang behauptet Hummel laut Medienberichten, die durch Roland Berger/Prognos in Zusammenarbeit mit dem BSW-Solar erstellte Studie zähle fälschlicherweise auch Handwerker voll mit, die nur gelegentlich Solarmodule installierten und käme auf diese Weise zu übertriebenen Schätzungen.

 

Richtig ist vielmehr, dass die prognos AG im Herbst 2010 bei Ihren Berechnungen für die Studie „Wegweiser Solarwirtschaft“ auf das Kriterium von „Vollzeitäquivalenten“ zurückgegriffen hat. Das bedeutet, dass gelegentlich mit der Installation von Solarmodulen beschäftigte Handwerker von der prognos AG nicht als vollzeitbeschäftigte Arbeitskräfte gerechnet wurden, sondern anteilig betrachtet wurden. Der Ausdruck Vollzeitäquivalent ist eine etablierte und standardisierte Vergleichsgröße, mithin die konservativste und damit belastbarste Hochrechnungsmethode von Beschäftigungseffekten. Die Berechnungsmethoden im Wegweiser (der öffentlich verfügbar ist unter www.solarwirtschaft.de/roadmap) dargelegt und zwar unter anderem auf den Seiten 41-46.

 

Auf Seite 47 der Studie ist noch einmal explizit die Ausweisung in Vollzeitäquivalenten genannt: „Die durch die Photovoltaik-Technologie geschaffenen und gesicherten Arbeitsplätze in Vollzeitäquivalenten (FTE) belaufen sich auf rund 133.400.“

Bereits nach kurzer Lektüre der Analyse des HTW-Lehrbeauftragten Hummel werden die Gründe für die abweichenden Jobzahlen deutlich:

  • Angaben zu Leih- und Zeitarbeitern werden in Hummels Analyse nicht erfasst, obwohl diese in der Modul- bzw. Wechselrichterproduktion bei einzelnen Unternehmen im Jahre 2010 Anteile von bis zu 20 Prozent erreicht haben.
  • In den verschiedenen Bereichen der PV-Branche wurden von Hummel nur die Arbeitsplatzzahlen der Unternehmen berücksichtigt, bei denen das „Solargeschäft“ mindestens die Hälfte des Umsatzes generiert.
  • Handwerks-Arbeitsplätze: Hier wurde in Hummels Auftrag eine Stichprobe von 416 Handwerksbetrieben gezogen. Es wird aus dem Papier nicht deutlich, ob dies die Grundgesamtheit oder Rücklauf ist. Ebenfalls wird nicht beschrieben, welche Art von Handwerksbetrieben angeschrieben wurden. Auch hier wurden nur die Unternehmen berücksichtigt, die mehr als 50 Prozent ihrer Umsätze im Solargeschäft machen.??
  • Induzierte Beschäftigung wird in Hummels Analyse nicht ausgewiesen.
  • Hummel verzichtet insgesamt darauf, Teilleistungen von Handwerksbetrieben und Dienstleistern im Solarbereich, die nur einen geringen Umfang am Gesamtumsatz hatten, hochzurechnen. Dies ist falsch.

Durch diese Abweichungen wird eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in der PV-Branche nicht erfasst.

Quelle: BSW-Solar

In der Pressemeldung der HTW distanziert man sich von Hummels Studie:

Gute Zukunftsaussichten für die Solarbranche - Professoren des HTW-Studiengangs Umwelttechnik/Regenerative Energien reagieren auf „Hummel-Studie“

In den letzten Tagen wurde in der Presse vielfach ein Diskussionspapier von Wolfgang Hummel zitiert, indem er der Solarbranche schlechte Zukunftsaussichten prognostiziert und die vom Bundesverband Solarwirtschaft und dem Bundesumweltministerium veröffentlichten Zahlen zu Arbeitsplätzen in der Solarbranche als deutlich zu hoch bezeichnet. Da Herr Hummel lediglich als Lehrbeauftragter an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) arbeitet, handelt es sich ausschließlich um seine privaten Äußerungen und nicht – wie in der Presse erwähnt – und eine HTW-Studie.

An der HTW Berlin wird seit Mitte der 1990er Jahre erfolgreich der Studiengang Umwelttechnik/Regenerative Energien angeboten. Die Professorinnen und Professoren des Studiengangs sind aktiv in der Forschung in ihrem Bereich tätig und können die Aussagen der Untersuchungen von Herrn Hummel nicht bestätigen. Herr Hummel vernachlässigt in seinen Berechnungen zahlreiche Arbeitsplätze und liegt daher systematisch zu niedrig. Auch die negativen Aussichten zur Zukunft der deutschen Solarindustrie und der Arbeitsmarktentwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien lassen sich aktuell nicht bestätigen.

Zwar haben einige Unternehmen derzeit meist aufgrund von Managementfehlern wirtschaftliche Probleme, dennoch können die Zukunftsaussichten in Deutschland für die Solarbranche generell als gut angesehen werden. Aktuell Publikationen von Professoren der HTW Berlin zeigen, dass die Photovoltaik in absehbarer Zeit bis zu 30 Prozent des deutschen Elektrizitätsbedarfs decken könnte. In etwa fünf Jahren ist danach sogar zu erwarten, dass die Photovoltaik in vielen Bereichen auch im vergleichsweise sonnenarmen Deutschland bereits ohne wirtschaftliche Förderung die volle Konkurrenzfähigkeit erlangen wird.

Aufgrund der aktuellen Fördersituation gibt es derzeit große saisonale Schwankungen bei den Installationszahlen. Wegen den aktuell guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den stark gesunkenen Preisen für Solaranlagen ist

aber ein umsatzstarkes zweites Halbjahr 2011 für die Photovoltaik zu erwarten. Verlässliche Prognosen für das Jahr 2012 lassen sich derzeit noch nicht erstellen. Große Steigerungen bei den Installationszahlen sind künftig vor allem im Ausland zu erwarten, da hier der Solarenergienutzung im Vergleich zu Deutschland erheblich niedriger ist. Insofern ist es sinnvoll, dass deutsche Unternehmen verstärkt im Ausland investieren.

Da die Ausbildung und Forschung im Bereich der erneuerbaren Energien in Deutschland zur Weltspitze zählt, ist zu erwarten, dass deutsche Arbeitskräfte auch beim internationalen Ausbau der erneuerbaren Energien entscheidend beteiligt sein werden. Die HTW Berlin wird auch weiterhin mit einer hochwertigen Ausbildung und einer aktiven Beteiligung der Professorinnen und Professoren an aktuellen Forschungsprojekten im Bereich der erneuerbaren Energien ihren Beitrag dazu leisten.

Quelle: HTW

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