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Salzbergen, 03. März 2010 — Trotz der jüngsten Rückschläge, zu denen auch der gescheiterte Klimagipfel von Kopenhagen und die globale Rezession gehören, kann Europa seine ehrgeizigen 20-20-20-Ziele im Energiesektor erreichen. Dies ist jedenfalls die Ansicht von hochrangigen politischen Entscheidungsträgern und führenden Vertretern der Wirtschaft, die am 23. und 24. Februar 2010 an dem von GE ausgerichteten Gipfeltreffen „The Future of Alternative Energy“ im niedersächsischen Salzbergen teilgenommen haben. Das Treffen an der deutschen Produktionsstätte für Windenergieanlagen von GE Energy brachte Energieexperten sowie politische Entscheidungsträger an einen runden Tisch.

Die Bedeutung einer regionalen Strategie, nach der die Kommunen eigene, lokale Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels finden, entwickelte sich zu einem der Kernthemen der Konferenz. Die Teilnehmer konnten ebenfalls erfahren, dass ein größeres Gewicht auf Energieeinsparungen gelegt werden sollte. Dies lässt sich beispielsweise durch eine höhere Energieeffizienz verwirklichen. Weltweit werden derzeit mehr als zwei Drittel der Energie, die aus vorhandenen Quellen erzeugt wird, buchstäblich verschwendet.

Zu den Mitgliedern der Podiumsdiskussion gehörten:

  • Edit Herczog, Mitglied des Europäischen Parlaments für Ungarn,
  • Kenneth Backgard, Leiter der Arbeitsgruppe über Klimawandel und Energie für die Versammlung der europäischen Regionen (AER),
  • Dr. Cord Landsmann, Finanzvorstand von E.ON Renewables und
  • Jörg Fischer, Finanzvorstand von EnviTec Biogas.

Rod Christie, Präsident von GE Energy für Mittel- und Osteuropa, Russland und die GUS-Staaten, kommentierte die Ergebnisse wie folgt: „Die Tatsache, dass es in Kopenhagen zu keiner Einigung kam, ist sicherlich enttäuschend, doch zeigt dieses Treffen, dass das Thema des Klimawandels in Europa eine enorm große Eigendynamik gewonnen hat. Somit wird das Scheitern des Klimagipfels vermutlich nur geringe Auswirkungen haben. Es gibt genügend Spielraum für eine umfassende Strategie und für globale Abkommen. Die Regionen und Unternehmen vor Ort warten jedoch nicht darauf, sondern packen einfach die vor ihnen liegenden Aufgaben an – und finden Lösungen.“

Edit Herczog, Mitglied des Europäischen Parlaments für Ungarn, sprach über die Bedeutung der Herausforderungen, mit denen die Gesellschaft konfrontiert wird und wies darauf hin, dass die mutmaßliche Verdopplung des europäischen Energiebedarfs in den kommenden zwanzig Jahren ein viel größeres und langfristigeres Problem darstellt als die derzeitige Wirtschaftskrise: „Im 21. Jahrhundert waren wir Zeugen eines grundlegenden Paradigmenwechsels. Heutige wissensbasierte Volkswirtschaften erfordern eine viel kontinuierlichere Energieversorgung als die früheren Industriegesellschaften. In unserem elektronischen Zeitalter würde selbst ein kurzer Energieausfall uns und unsere Volkswirtschaften viel stärker treffen als früher“, erklärte sie. „In den vergangenen Jahren hat die Europäische Union damit begonnen, die Weichen für nachhaltige Energiequellen der Zukunft zu stellen. Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat Europa eine bewusste Entscheidung getroffen, die eigene Energiezukunft gemeinsam zu steuern, anstatt diese Entscheidung einfach dem Markt zu überlassen. Dies ist in der Tat eine Revolution im Energiesektor.“

Kenneth Backgard von der Versammlung europäischer Regionen hob hervor, dass der Einfluss der Regionen zunimmt, wenn es darum geht, politische Vorgaben festzulegen und Initiativen vor Ort zu entwickeln, um eine höhere Energieeffizienz zu erreichen und die CO2-Emissionen zu reduzieren. „Um Erfolg zu haben und den Menschen die Auswirkungen des Klimawandel wirklich bewusst zu machen, muss man sich auf die Ebene des Individuums begeben“, meinte er. „In Skandinavien, wo ich herkomme, haben wir bereits große Fortschritte bei der Erzeugung von Wärme durch Müllverbrennung erzielt. Vor kurzer Zeit bin ich in Italien gewesen. Dort sind die Entwicklungen in diesem Bereich noch nicht so weit. Aber wenn man mit den Menschen darüber spricht und ihnen aufzeigt, dass dies positive Auswirkungen auf ihre Stromrechnung hat und sie dadurch Geld einsparen können, trifft man auf offene Ohren.“

Einige Teilnehmer der Podiumsdiskussion sprachen auch andere Schlüsselprobleme an, die bewältigt werden müssten, wenn Europa seine ehrgeizigen Ziele erreichen will.

Dr. Cord Landsmann, E.ON Renewables, erörterte die weiter anhaltende Notwendigkeit, dass die europäischen Regierungen langfristige Strategien entwickeln, um den Unternehmen, die Millionen von Euro in Projekte für den Ausbau erneuerbarer Energien investieren, eine höhere Planungssicherheit zu geben. Nach seinen Worten muss Europa auch die administrativen Verfahren rationalisieren und die Vorlaufzeiten reduzieren, die notwendig sind, um Projekte für Wind-, Solar- und andere erneuerbare Energiequellen anzuschieben. Dies würde dann auch gewährleisten, dass Europa seine Marktführerschaft im Bereich erneuerbarer Technologien behält und eine angemessene Zahl von umweltfreundlichen Arbeitsplätzen bereitstellt.

Jörg Fischer von EnviTec Biogas betonte ebenfalls, dass Europa seine Wachstumsrate in diesem Bereich beschleunigen müsste. Die Konzeption eines Windpark-Projekts dauere in Europa immer noch dreimal länger als in den USA, weil unter anderem der Planungsprozess länger sei. Nach seiner Ansicht wäre der länderüberschreitende Zugang zu Stromnetzen ein weiterer wichtiger Durchbruch in Europa. „Dies muss einfach realisiert werden“, erklärte er.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren sich einig, dass herkömmliche Brenn- und Betriebsstoffe wenigstens in den nächsten 10 bis 20 Jahren weiterhin eine dominierende Rolle einnehmen, erneuerbare Energien aber zunehmend an Bedeutung gewinnen würden. Für die jeweiligen Standorte und Situationen kämen unterschiedliche Lösungen für erneuerbare Energien in Frage, und je nach den örtlichen Rahmenbedingungen müsste es auch ein kundenspezifisch angepasstes Gesamtkonzept geben.

Edit Herczog gab dazu folgenden Kommentar: „Die Gezeitenenergie wird ebenfalls eine bedeutende Rolle spielen, aber es ist einleuchtend, dass dies nicht für jedes Land gilt. Es hängt einfach von den natürlichen Ressourcen der jeweiligen Region ab.“

Rod Christie von GE Energy verwies auf die Fortschritte, die GE bei der Entwicklung von Initiativen für alternative Energien in Mittel- und Osteuropa erzielt hat. Er sagte: „Es gibt eine große Anzahl von Projekten, die derzeit gerade in dieser Region entwickelt werden. Die Länder in Mittel- und Osteuropa haben häufig einen Vorteil gegenüber dem ‚alten Europa’, weil es mehr Chancen gibt, direkt auf neue Technologien überzugehen. Viele Leute sind überrascht, wenn ich ihnen erzähle, dass der größte Binnenland-Windpark außerhalb der USA in Rumänien steht und von GE-Turbinen angetrieben wird. Diese Region hat zweifellos das Potential, in diesem Segment einer der weltweiten Marktführer zu werden.“

Prady Iyyanki, Vorstand der GE Energy Gasmotorensparte Jenbacher, referierte bei dem Gipfeltreffen über die Notwendigkeit, dass Europa sich noch stärker auf die Verbesserung der Energieeffizienz konzentriert. Gerade einmal 11 Prozent der in Europa erzeugten Elektrizität komme von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Diese Technologie könnte jedoch eine große Rolle spielen, um die Wärmeverschwendung in vielen Teilen Europas zu verringern. Die KWK-Kapazitäten könnten in Europa problemlos verdoppelt werden und würden auch Ziele wie die Sicherheit der Energieversorgung unterstützen.

Carlos Härtel, Direktor des europäischen Forschungszentrums von GE in Garching, stellte die breite Palette moderner Technologien dar, die heute und in Zukunft eine sichere und saubere Stromversorgung sichern helfen. Neben Wind- und Solarenergie gehören auch Verfahren zur sauberen Verstromung von Kohle dazu: „Gas-und-Dampf-Kraftwerke (GuD) mit integrierter Kohlevergasung lassen sich klimaneutral und praktisch emissionsfrei betreiben, wenn eine CO2-Abscheidung zugefügt wird. Für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien ist zudem die Möglichkeit der Speicherung von Energie im Grossmassstab wichtig. Sogenannte adiabate Druckluftspeichersysteme besitzen hier das grösste Potential.“

Quelle: GE

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