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Berlin, 28. Mai 2012, Man kann es einfach nicht glauben. Es wird mittlerweile so   viel heiße Luft in der Bundesregierung produziert, das damit ganz Deutschland jahrelang mit kostenloser Wärme versorgt werden könnte. Auf der Pressekonferenz, im Anschluss des Energiegipfels, sprach Bundeskanzlerin Merkel hinsichtlich der Energiewende von einer großen Herausforderung und einem Meilenstein, man hätte sogar bereits einen konkreten Plan. Dass die Bundesregierung ganz konkret planlos ist, dürfte allen klar sein. Auch berichten die Medien davon, dass die Kanzlerin die Energiewende jetzt wohl zur Chefsache erklärt hat. Eigentlich zieht die Kanzlerin die ganze Zeit schon die Fäden und schickte (Februar 2012) - ihre noch immer hinter den Ohren grünen Männer - Rösler und Röttgen vor. Sie selbst hielt sich in den Fragen zur Energiewende immer bedeckt. Nachdem RöRö versagt haben, wurde nun offiziell die Energiewende zur Chefsache erklärt.

Der Koordinator für Energiepolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Bareiß, gibt auch wieder mal seinen Senf zum Energiegipfel ab. Eigentlich sind wir es Leid, den Schwachsinn von Bareiß zu veröffentlichen. Aber nur so kommt die Wahrheit ans Licht.

„16 Länderkonzepte, ein Bundes- und ein Europakonzept nebeneinander, das bedarf einer intensiven Koordination. Der Energiegipfel ist ein richtiger Schritt in diese Richtung. Nur wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen, kann die Energiewende gelingen. Es braucht keine Energieautarkie der Länder, sondern eine nationale Energiestrategie im europäischen Kontext, wie sie im Energiekonzept beschrieben ist. Der Ausbau der erneuerbaren Energien, Netze und Kraftwerkskapazitäten können nur im Gesamtkonzept funktionieren und nicht mit Kleinstaaterei. Das führt zu Chaos."

Bis dahin mag Bareiß fast recht behalten. Die Energiewende kann nur als ganzes gelingen. Das Problem dabei: Man wird ganz Europa nicht unter einen Hut bekommen. Die Blockade wäre so schon wieder vorprogrammiert. Besser wäre es, wenn Deutschland sich erstmal um sein eigenes Land kümmert.

"Wenn man sich beispielsweise die 16 Energiekonzepte der Bundesländer anschaut und die Ausbauziele für erneuerbare Energien zusammenzählt, kommt man auf eine zukünftige Gesamterzeugung aus erneuerbaren Energien von rund 150 Gigawatt. Das ist fast doppelt so hoch wie die gesamtdeutsche Jahreshöchstlast. Die Bundesländer sind in der Pflicht, denn auch sie haben der Energiewende im vergangenen Sommer zugestimmt. Jetzt blockieren sie aber entscheidende Projekte zum Gelingen der Energiewende, wie die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung und die Photovoltaiknovelle. Das erhöht den Strompreis und verhindert mehr Energieeffizienz und Wachstum. Die Beschlüsse der Länder verunsichern Handwerker, Industrie, Investoren und Häuslebauer.“

Sein bestes und einziges Argument: Photovoltaik erhöht den Strompreis. Das nicht die Beschlüsse der Länder, sondern solche Politiker wie Bareiß Handwerker, Industrie, Investoren und Häuslebauer verunsichern, liegt ebenfalls auf der Hand. Der Schwachsinn geht also weiter...

Einen schönen Rekord gab es hingegen von der Photovoltaik am vergangenen Freitag zu berichten. Am 25.05.2012 produzierten in Deutschland Solarstromanlagen mit über 22 GW Gesamtleistung sauberen Solarstrom und speisten diesen in das öffentliche Stromnetz ein (siehe auch SMA zur Photovoltaikleistung in Deutschland). Das entspricht einer Leistung von etwa 20 Atomkraftwerken. Das tolle dabei, die Kosten für Strom an der Strombörse fallen auf Grund der Solarleistung in den Keller. Das schmälert die Gewinne der Energiekonzerne drastisch. Das dies bei den Energieversorgern keine Begeisterungsstürme auslöst dürfte allen bewusst sein. Es müssen neue Einnahmequellen generiert werden. Am besten über Windenergieanlagen, die Offshore betrieben werden.

Inzwischen ist Peter Altmaier (CDU) neuer Bundesumweltminister. Er und die Kanzlerin möchten noch vor der Sommerpause einen Kompromiss zur Solarförderung finden. Wir wissen, in einer Zwei-Drittel-Mehrheit stellten sich die Länder gegen die geplante EEG-Novelle. Folge, der Vermittlungsausschuss wurde angerufen. Auf jeden Fall möchte Altmaier der Solarindustrie wieder zu mehr Wettbewerbsfähigkeit verhelfen, auch gegen den Willen der FDP. Altmaier wird in absehbarer Zeit nun Kontakt zu den Ministern der Länder aufnehmen und versuchen, einen Kompromiss zur Solarkürzung finden. Spätestens dann wird sich herausstellen, auf welcher Seite Altmaier steht.

Bundeswirtschaftminister Philipp Rösler (FDP) möchte hingegen in den nächsten Wochen einen Netzentwicklungsplan vorlegen. Darin soll festgelegt werden, wann und wo welche Stromtrassen gebaut werden müssen. Es fehlen Stromleitungen, die den Strom vom Norden in den Süden transportieren sollen. Und zwar den Strom aus Offshore-Windanlagen, deren Bau größtenteils den großen Energiekonzernen vorbehalten ist. Rösler möchte auch, dass der Anschluss der Offshore-Windanlagen beschleunigt wird. Die Kosten für den Netzausbau belasten die Verbraucher zusätzlich. Der Strompreis steigt und steigt. Solange der Strommarkt in den Händen der vier großen Energieversorger verbleibt, sind auch die hohen Steuereinnahmen des Bundes gesichert. Steigende Strompreise gleich steigende Steuereinnahmen. Der Widerspruch dabei, "Energie soll bezahlbar bleiben", so Rösler. Und schon wieder schiebt die Politik steigende Strompreise in die Schuhe der erneuerbaren Energien, ohne die angeblich sowieso kein Netzausbau notwendig gewesen wäre. Auch für die Politik bleiben die Erneuerbaren der Sündenbock für steigende Strompreise. Die Bürger werden mal wieder bewusst hinter´s Licht geführt.

Erneut ist wieder von einer Brückentechnologie die Rede. So sollen laut Rainer Brüderle (FDP) weitere Anreize geschaffen werden, um Gas- und Kohlekraftwerke zu bauen. Diese sollen zur Überbrückung dienen, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Wie er sagt, sind mehr Kraftwerke dieser Art notwendig als vorher gedacht. Wieder ganz im Sinne der großen Energieversorger. Brüderle, ein Bruder der konventionellen Kraftwerks- und Atomindustrie.

Michael Fuchs (CDU) bringt sogar wieder eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken ins Spiel. Welches Spiel spielen wir hier eigentlich? Zum Glück, muss man sagen, steht "noch" keiner hinter dem Vorschlag von Fuchs. Wer für eine Laufzeitverlängerung von AKWs ist, sollte wegen versuchten Völkermords zur Verantwortung gezogen werden. Wer steht denn dafür gerade, wenn es zu einem Supergau kommt? Jeder atombefürwortende Politiker in der Regierung, allen voran  Michael Fuchs, sollte sein Büro nicht in Berlin, sondern in einem Atomkraftwerk neben aktiven Brennstäben haben. Wie gefährlich so eine Technologie ist wird schon dadurch ersichtlich, dass Versicherer diese Gefahr eben nicht versichern.

Stephan Grüger, Mitglied des deutschen Vorstands von EUROSOLAR e.V. zum Thema Energiewende und zur Entlassung von Norbert Röttgen: "Mit dieser Entlassung wird deutlich, dass Sonntagsreden von der Bedeutung der Energiewende noch lange nicht bedeuten, dass wesentliche Teile von CDU und FDP sich schon mit dem endgültigen Aus für die Atomenergie abgefunden haben, oder gar für eine dezentrale Energiewende sind."

In der Bundesregierung wird die Energiewende als hochkomplexes Projekt beschrieben. Soll es nun daran scheitern? War denn damals die Atomenergie nicht auch ein hochkomplexes Projekt und wo stehen wir jetzt? Gerade Deutschland sollte in derartigen Dingen führend sein und mit gutem Beispiel voRWEggehen.

Wie die Wirtschaftswoche vor wenigen Tagen berichtete, soll gerade in Bayern die Gefahr vor einen Blackout sehr groß sein. Die warnenden Hinweise kommen wieder einmal von Stephan Kohler, dem Boss der Deutschen Energie-Agentur (dena). Er dramatisiert mal wieder und sagt gegenüber der WiWo, dass wenn nicht bald etwas passiert, es dramatisch werden würde. Auch die Bundesnetzagentur und deren Präsident Jochen Homann dramatisieren. Es handle sich derzeit um eine angespannte Situation die erfordert, dass die Erhaltung der vorhandenen konventionellen Erzeugungskapazitäten erforderlich ist. In diesem Fall muss laut Homann dienStromversorgung vor dem Umweltschutz gehen.

Mit den Ängsten der Bürger spielen, das kann unsere Regierung wirklich gut. Größtenteils sind es wirklich nur Dummschwätzer, die aus den Steuergeldern der Bürger bezahlt werden.  Es ist nun die Aufgabe des neuen Bundesumweltministers Peter Altmaier, die Energiewende so schnell und kostengünstig wie nur möglich voranzutreiben. Es kann nicht sein das irgendwelche wirtschaftliche Interessen vertreten werden.

Eines ist sicher: Weder die konventionelle Kraftwerksindustrie sowie die Kerntechnik, noch der Sektor der erneuerbaren Energien benötigen einen starken und konsequenten Bundesumweltminister, sondern unsere Natur und Umwelt.

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

Kommentare   

#3 Cornelia Daniel 2012-05-29 11:24
@bernd packulat: Was man aber auch gerne vergisst. AKW's produzieren auch dann, wenn den Strom keiner braucht. Es ist also nicht die geeignetste Komplementärenergieform, die es ohne Zweifel braucht.
Es braucht hier neue Businessmodelle in denen Kraftwerke auch ohne Volllast profitabel sind. Dass das den alten Kraftwerksbetreibern nicht in den Kram passt, ist auch klar. Jedenfalls eine rein unternehmerische Challenge, der sich sicher derzeit schon Leute annehmen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Zum Anprangern des Leistungsterminis. Der Satz ist nicht falsch, man kann ihn aber falsch lesen. Es steht ja lediglich dass Anlagen mit 22 GW installierter Leistung, Strom produziert haben. Natürlich wäre interessant wie viel Strom das war. Ich bin mir sicher, dass Michael Ziegler sehr gut zwischen den beiden Begriffen unterscheiden kann.
#2 Lothar Köhler 2012-05-28 22:13
"Nur wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen..."
Diesen Satz hört und liest man immer wieder wenn es um die Energiewende geht. Er verlangt etwas, das noch nie in irgendeiner Nation funktioniert hat, nämlich die Erziehung der Menschen, aller Menschen, um ein großes, ideelles Ziel zu erreichen.
Wenn nicht diese, dann wird eine der nächsten Generationen PV-Dächer und Windmühlen wieder abschaffen wollen und uns kaum dankbar sein für diese Erbschaft.
Was bei uns energetisch abgeht ist nicht Weitsicht, sondern Egoismus, für den die folgenden Generationen zahlen müssen.
+1 #1 Bernd Packulat, Henstedt-Ulzbu 2012-05-28 09:33
Zitat:
Einen schönen Rekord gab es hingegen von der Photovoltaik am vergangenen Freitag zu berichten. Am 25.05.2012 produzierten in Deutschland Solarstromanlagen mit über 22 GW Gesamtleistung sauberen Solarstrom und speisten diesen in das öffentliche Stromnetz ein (siehe auch SMA zur Photovoltaikleistung in Deutschland). Das entspricht einer Leistung von etwa 20 Atomkraftwerken.

Wann begreift ihr endlich:
Leistung kann man nicht erzeugen, sondern nur installieren.
Wenn 22 GW Photovataik 10 Stunden am Tag mit 100 % Ernergie umgewandelt haben, wurden 220 GWh Elektroenergie erzeugt, die andere Kraftwerke aus dem Markt gedräng haben.
Wenn die Sonne aber nicht scheint, sind die anderen aber nichtentbehrlich...
Die wirtschaftlichen Folgen der EEG-Umlage trifft uns alle!

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