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Berlin, 12. März 2012, Die unter dem Deckmantel laufende "Energiewende" ist der größte Etikettenschwindel und die größte Mogelpackung aller Zeiten. Initiiert durch die aktuelle Bundesregierung. Eindeutig geht das auch aus der neuen Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hervor.

Die neue Broschüre des BMWi: Energiewende 01_2012

Der Fokus der Broschüre liegt auf dem Netzausbau - "Neue Netze, ja bitte!" so der Titel. Bis zum Jahr 2015 müssen 400 km des bestehenden Höchstspannungsnetzes verstärkt und weitere 850 km neu gebaut werden. Bis zum Jahr 2020 werden weitere tausende Kilometer neue Leitungen benötigt. Denn nur so können, laut des BMWi, hunderte Windkraftanlagen am Land und auf dem Meer, tausende Photovoltaik-Anlagen und neu zu errichtende konventionelle Kraftwerke ihren Strom ins Netz einspeisen. Geschätzte 50 Milliarden Euro sollen in den Netzausbau bis zum Jahr 2020 investiert werden. Auf Kosten der Steuerzahler.

Doch was sind eigentlich konventionelle Kraftwerke? Darunter versteht die Bundesregierung den Neubau von Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Das ist also die sogenannte Energiewende.

Die Energiewende kostet Geld, viel Geld. Nur eine Technologie liegt in der Hand von einzelnen Bürgern, die Photovoltaik. Denn die ist zwischen all den Technologien von den Kosten her erschwinglich. Alle anderen Technologien sind Investoren vorbehalten, die das entsprechende Kleingeld mitbringen. In der Regel sind das die großen Energiekonzerne. Es werden soweit alle Technologien, bis auf die konventionellen Kraftwerke, über das EEG (erneuerbare-Energien-Gesetz) gefördert. Das sind Wind-, Solar-, und u.a. auch Biogasanlagen. Keine Angst, auch konventionelle Kraftwerke werden durch die Bundesregierung gefördert, mit mehreren Milliarden.

Die Technologie in Bürgerhand (Photovoltaik), die u.a. eine dezentrale Stromversorgung gerade zu Spitzenlastzeiten ermöglicht, soll nun von der Bundesregierung zermahlen werden. Alleinig mit dem Ziel, andere Technologien den großen Energieversorgern zu überlassen. Um das zu vertuschen, ist laut Bundesregierung die Photovoltaik an den stark steigenden Strompreisen schuld. Allen voran werden diese Lügenmärchen von Bundeswirtschaftsminister Rösler und Bundesumweltminister Röttgen in die Öffentlichkeit getragen.

Aber auch die Bundeskanzlerin Merkel ist kein Deut besser. So sagte Angela Merkel kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber, dass Solarstrom besser in Ländern wie Griechenland gefördert werden sollte. Merkel begründet dies mit dem Argument, dass in Ländern wie Griechenland die Sonne länger scheint. Es sei nicht sinnvoll Solarenergie, so Merkel gegenüber Reuters weiter, so stark zu subventionieren, da Photovoltaik zu wenig Energie produziere. Sie stellt die Förderung der Photovoltaik in Deutschland generell in Frage. Von Merkel hört man indessen nicht, dass Windkraftanlagen auf den Kanaren besser aufgehoben wären, da dort mehr Wind weht. Es hätte sich auch richtig bescheuert angehört, wenn Merkel gesagt hätte, der Wind würde auf den Kanaren länger wehen.

In ihrem Video-Podcast nimmt sie aktuell Stellung zur Energiewende:

Die Energieversorgung lasse sich durch andere Energieträger sicherstellen. „Nadelöhr“ seien die Netze, erklärt Merkel. Sie müssten mehr Strom aus Photovoltaik aufnehmen, und für den Transport brauche Deutschland große Übertragungsnetze vom Norden in den Süden. „Da liegt unsere Schwachstelle, und deshalb hat der Netzausbau auch die absolute Priorität“, so die Bundeskanzlerin. „Auch neue Kohlekraftwerke zum Beispiel kosten mehr Geld, als einfach nur die alten weiter zu betreiben“, sagt Merkel. Mittelfristig und langfristig bekomme Deutschland damit allerdings eine zukunftsfeste Energieversorgung. Entlastung erwartet Merkel durch Energiesparmaßnahmen und intelligente Netze.

D.h. im Klartext: Die Photovoltaik eindämmen und zum erliegen bringen, Netze ausbauen, Kohlekraftwerke errichten, die Energiekonzerne stärken und weiter die Menschen in die Abhängigkeit der vier Großen treiben. Deutschland benötigt aber nicht nur intelligente Netze, sondern auch intelligente Politiker. Und davon gibt es in der Regierungsspitze im Moment niemanden.

Dazu verteidigte auch der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Franz-Josef Holzenkamp sowie der zuständige Berichterstatter Johannes Röring die Kürzung der Solarförderung:

„Der starke Zubau von 15 Gigawatt Solarstrom ist eine Erfolgsgeschichte. Allerdings entstanden dem Stromverbraucher durch die Förderung der erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr Kosten von 12,4 Milliarden Euro. Der Anteil der Photovoltaik an der EEG-Förderung liegt bei 55 Prozent. Hingegen steuerte Solarstrom nur zwölf Prozent zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei. Am Gesamtstromaufkommen lag der Anteil bei circa vier Prozent. Durch den enormen Zubau der letzten Monate bestand politischer Handlungsbedarf."

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, ist ebenfalls gegen die Solarvergütung:

„Der massive Ausbau der Solarenergie in den letzten Jahren stellt eine ernsthafte Belastungsprobe für das Gelingen des geplanten Umbaus der Energieversorgung dar. Trotz sinkender Vergütungssätze sind die Renditen für Solaranlagenbetreiber aufgrund der rasant sinkenden Systemkosten weiterhin so attraktiv, dass der Photovoltaik-Ausbau ungebremst weiter geht. Allein im Dezember 2011 wurden in Deutschland über 3.000 Megawatt Solarstromanlagen neu zugebaut. Bereits jetzt werden jährlich über acht Milliarden Euro für Solarstrom ausgegeben, der gerade einmal drei Prozent zur Stromversorgung in Deutschland beiträgt. Die unkontrollierte Einspeisung von Solarstrom bringt die Netze regelmäßig an den Rand der Belastbarkeit."

Alle politischen Solarstromgegner haben genau genommen nur zwei Argumente gegen die Photovoltaik:

  • Die Photovoltaik ist der Strompreistreiber
  • Durch die Photovoltaik wird die Gefahr eines Blackouts immer wahrscheinlicher (Netzüberlastung)

Alle zwei Argumente sind nicht haltbar. Das wurde bereits mehrfach bestätigt. Der Bundesregierung ist aber eines bewusst: Die Energieversorgung darf nicht beim Verbraucher liegen, sondern muss weiterhin zentral über die großen Energieversorger stattfinden. Nur so kann weiter Einfluss auf die Höhe der Strompreise genommen werden. Der Strompreis steigt, weil es die Bundesregierung so will.

Die Broschüre des BMWI

Schon auf der zweiten Seite werden wichtige Details verschwiegen. Der Bürger wird belogen, betrogen und hinters Licht geführt. So ist dort von einem geplanten Offshore-Windpark "Borkum Riffgrund 1" die Rede. Über 89 Turbinen mit je 3,6 MW mit einer Gesamtkapazität von bis zu 320 MW sollen etwa 330.000 Haushalte mit Windstrom versorgen. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von etwa 1,25 Milliarden Euro. Für dieses Projekt müssen neue Leitungen gelegt werden, um das Windstromprojekt an das Festland anschließen zu können. Die Kosten werden selbstverständlich über das Umlageverfahren auf den Verbraucher umgelegt.

Dazu das passende Statement von Dr. Philipp Rösler aus der Broschüre: "Wenn Strom zu teuer wird, setzen wir die Basis für Wachstum und Wohlstand im Industrieland Deutschland aufs Spiel."

Dieser Windpark wurde von dem deutschen Unternehmen PNE Wind AG aus Cuxhaven (ehemals Plambeck Neue Energie AG) projektiert. Die Rechte an dem Windpark veräußerte die PNE AG jedoch an das dänische Unternehmen DONG Energy. Die Einnahmen aus der EEG-Stromerzeugung verbleiben also nicht in Deutschland, sondern wandern nach Dänemark. Das Unternehmen arbeitet u.a. auch mit E.ON und Vattenfall zusammen. Sie betreiben jeweils unterschiedliche Offshore-Windparks gemeinsam.

Der eigentliche Skandal des Unternehmens: In Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern), am ehemaligen Standort des Atomkraftwerks Greifswald, wollte das dänische Unternehmen ein Steinkohlekraftwerk mit zunächst zwei Kraftwerksblöcken zu jeweils 800 MW errichten, da im eigenen Land aus Umweltschutzgründen ein solcher Kraftwerkstyp nicht gebaut werden durfte.

Blackouts? Nein danke!

Die vierte Seite ist ebenfalls interessant und brisant, denn hier wird massiv mit den Ängsten der Bevölkerung gespielt. Hier werden Blackouts aufgelistet, deren Ursachen angeblich Netzversagen war. Da es in der Broschüre um die Energiewende und den damit einhergehenden Netzausbau geht und in der politischen Diskussion immer die Photovoltaik an den Pranger gestellt wird, wird der Eindruck vermittelt, die erneuerbaren Energien wären an einem möglichen Blackout schuld. Der eigentliche Grund der Netzausfälle wird in der Broschüre nicht erläutert, lediglich wird der wirtschaftliche Schaden beziffert und die Anzahl der Menschen genannt, die von den Ausfällen betroffen waren.

USA/Kanada, 14. August 2003 - Netzausfall bis zu drei Tage
Tatsächliche Ursache: Der Ausfall ist die Folge einer Marktaufsplitterung und mangelnder Investitionen nach der Deregulierung des Strommarktes.

Italien, 28. September 2003 - Netzausfall bis zu 18 Stunden
Tatsächliche Ursache: Entstanden durch die Unterbrechung zweier Stromleitungen aus Frankreich und der Schweiz, nach einem Lichtbogen zwischen Baum und Leitung auf Gebiet der Gemeinde Ingenbohl.

Russland: 25. Mai 2005 - Netzausfall bis zu mehreren Stunden
Tatsächliche Ursache: Ein Brand und eine Explosion in einem Elektrizitätswerk bei Moskau hat zu einer Kettenreaktion geführt, bei dem eine Sicherung nach der anderen ausgelöst wurde.

Brasilien, 10. November 2009 - Netzausfall bis zu zwei Stunden
Tatsächliche Ursache: Der Stromausfall wurde laut Experten durch ein Unwetter mit Blitzschlag verursacht, das die Hauptleitung von dem Wasserkraftwerk Itaipu an der Grenze zu Paraguay beschädigte.

USA/Mexiko, 8. September 2011 - Netzausfall bis zum nächsten Tag
Tatsächliche Ursache: Stromausfall beruhte auf einer Panne bei einer 500 KV-Leitung zwischen Kalifornien und Arizona.

Hier endet die Auflistung der Blackouts in der Broschüre, die nicht alle durch eine Modernisierung des Stromnetzes hätten verhindert werden können. Ein Netzausfall in Deutschland war nicht darunter. Aber auch in Deutschland gab es schon Netzausfälle:

Karlsruhe, 30. Januar 2008 - Netzausfall bis zu einer Stunde
Tatsächliche Ursache: Eine Explosion in einem Trafo am Rheinhafen löste ein Abschalten zweier weiterer Trafos aus.

Stadt und Region Hannover, 13. Juli 2011 - Netzausfall bis zu 30 Minuten
Tatsächliche Ursache: Ausfall eines Blocks im Steinkohlekraftwerk Hannover-Stöcken sowie einen gleichzeitigen Defekt in einer Netzkupplung im Umspannwerk Mehrum.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Fakt jedoch ist, dass die häufigste Ursache die Vernachlässigung der Stromnetze durch die Energieversorger war, um weiterhin hohe Rendite und Gewinne erwirtschaften zu können.

Der teure Netzausbau: Warum müssen die Netze ausgebaut werden? Eben nicht wegen der erneuerbaren Energien sondern deswegen, da sich die großen Energiekonzerne vor den Kosten gescheut haben und die Netze verkommen ließen. Michael Kauch (FDP): „Da machen sich Leute die Taschen voll.“ Nicht die Solaranlagenbetreiber machen sich die Tasche voll, sondern die vier großen Energiekonzerne, Herr Kauch!

Umweltschutz war schon immer teuer. Wo vorher Unternehmen ihre Abwässer ungefiltert in die Flüsse abgeleitet haben, wo Unternehmen ihre Abgase ungefiltert in die Luft geblasen haben, sitzen heute kostspielige Filter. Auch dies kostete den Unternehmen viel Geld. Umweltschutz ist nun mal kostenintensiv, Umweltverschmutzung hingegen ist kostenlos.

Die Regierung lässt sich mit der Energiewende so lange Zeit, bis die großen Energieversorger große Windparks und weitere konventionelle Kraftwerke errichtet haben und so von selbst die AKWs kompensieren können. Von wegen dezentrale Energieversorgung. Die Energieversorgung bleibt weiterhin zentral in der Hand der großen Energiekonzerne. Das ist das Ziel unserer Bundesregierung.

Ein letztes Beispiel auf der letzten Seite der Broschüre

Das konventionelle Gas- und Dampfkraftwerk in Irsching bei Ingolstadt von E.ON, wurde vom BMWi mit rund 19 Millionen Steuer-Euro aus dem Energieforschungsprogramm der Bundesregierung gefördert. Die Gesamtleistung des Kraftwerkes beträgt über 561 MW bei einem elektrischen Wirkungsgrad von über 60 Prozent. Trotz des hohen Wirkungsgrades ist es, verglichen mit erneuerbaren Energien, eine durch den Bund geförderte Dreckschleuder. Die Kohlendioxidemissionen liegen im Vergleich zu Kohlekraftwerken etwa bei einem Drittel eines Braunkohlekraftwerkes und somit wesentlich höher als bei der Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien wie Photovoltaik. Bei der Einweihung des Kraftwerkes war der ehemalige Staatssekretär Jochen Homann von Philipp Rösler, jetzt leider an der Spitze der Bundesnetzagentur, anwesend.

Das Energieforschungsprogramm der Bundesregierung

Die Bundesregierung stellt in den Jahren 2011 bis 2014 im Rahmen der Energieforschung rund 3,5 Mrd. Euro für die Förderung von Forschung und Entwicklung moderner Energietechnologien bereit. Der beachtliche Aufwuchs von rund 75 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode 2006 bis 2009 speist sich Großteils aus dem neu eingerichteten "Energie- und Klimafonds".

Weiter möchten wir aus dieser Lügenbroschüre nicht eingehen. Wer dennoch Interesse an weiteren Lach- und Sachgeschichten aus der Welt der Energiewende erfahren möchte, der kann sich die vermeintlich kostenlose Broschüre beim BMWi besorgen. Gedruckte und verbreitete Lügen auf Kosten der Steuerzahler, leider nicht mit der Maus und dem Elefanten, dafür mit dem Froschkönig Rösler.

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

Kommentare   

#3 Bruno Wörner 2012-03-28 06:26
Der Artikel bringt alles auf den Punkt!Wir versuchen die Wahrheit ebenso publik zu machen. Leider sind CDU und FDP-Politiker überhaupt nicht für echte Argumente zugänglich.
Sie wiederholen gebetsmühlenartig immer wieder die selben falschen Behauptungen. Leider festigen sich die ständigen Falschaussagen in großen Teilen der Bevölkerung.
Ich bin recht niedergeschlagen.
Wie können wir die Masse der Bürger von der Falschheit dieser CDU-FDP-Regierung überzeugen?
Wie können wir die so erfolgreiche dezentrale Energiewende fortsetzen?
Mit sonnigen Grüßen
Bruno Wörner
#2 photovoltaik-guide.de / Michael Ziegler 2012-03-13 10:32
Es geht in unserem Artikel nicht gegen die Windkraft. Die ist wichtig im gesamten Energiemix. Es geht in erster Linie um die Mogelpackung "Energiewende". Diese darf nicht zu Lasten der Umwelt gehen (Braun- und Steinkohle etc.).
+1 #1 Tilman Kluge 2012-03-13 10:14
Zu ergänzen wäre noch, daß die Leistungsangaben von Windparks von den Betreibern in der Regel und auch in Prospekten ohne Abzug des Parkverlustes (bis zu 9%) angegeben werden. Da hilft es auch nicht, wenn das auf die Nennleistung bezogen wird.

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