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Berlin, 25. Juni 2013, Die Deutsche Bahn sucht ebenfalls, wie auch die vier großen Energieversorger, einen Schuldigen, um eine Erhöhung der Fahrpreise zu rechtfertigen. So sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Interview mit der Bild-Zeitung (Montagsausgabe), dass die Kostenbelastung der Bahn weiter steigen würde. Vor allem - und Grube nennt zwei Hauptverursacher - wegen der steigenden Ökostromumlage (EEG-Umlage) und wegen des jüngsten Tarifabschlusses. Wie er weiter sagt, könne man "die erheblichen Zusatzkosten nicht einfach ignorieren".

Die Deutsche Bahn plant eine Erhöhung der Fahrpreise. Zur Höhe ist noch nichts bekannt und es kann laut Bahn dazu erst im Herbst etwas gesagt werden. Die Energiewende ist laut Grube an allem Schuld. Sie würde das Bahnfahren bestrafen. Erst im Frühjahr wurde die ICE-Flotte auf Ökostrombezug umgestellt. Grube kritisiert, dass die vorbildliche Umstellung nicht gefördert wird, sondern sogar noch 100 Millionen Euro kosten soll. Das ist nämlich der Anteil, den die Bahn an EEG-Umlage zu entrichten hat. Ja, denn auch die Bahn muss sich an der Energiewende beteiligen. Das ist sozial und auch fair. Schließlich ist die Bahn der größte Stromverbraucher in Deutschland. Das aber die Fahrpreise wegen der Energiewende bzw. wegen der EEG-Umlage erhöht werden sollen, ist Augenwischerei und lediglich ein vorgeschobener Grund. Eigentlich eine dreiste Lüge des Bahnchefs.

EEG-Umlage der Bahn beträgt 0,05 Cent je Kilowattstunde Die Bahn profitiert von der "Besonderen Ausgleichsregelung für Schienenbahnen". D.h., dass die Bahn lediglich 0,05 Cent je Kilowattstunde zum ohnehin günstigen Strompreis an EEG-Umlage zahlt. Für den normalen Stromverbraucher beträgt die Umlage über 5,277 Cent/kWh. Dazu muss angemerkt werden, dass auch bei einer steigenden EEG-Umlage die zusätzlichen Kosten der Bahn von 0,05 Cent/kWh nicht steigen. Die Höhe der EEG-Umlage bleibt für die Bahn gleich, d.h. bei 0,05 Cent/kwh. Das Argument, die Fahrpreise müssen auf Grund der steigenden EEG-Umlage erhöht werden, zieht demnach nicht und ist gelogen.

Den Strompreis vereinbart die Bahn individuell mit dem Energieversorger und dieser liegt weit unter 15 Cent/kWh. Die Bahn bezieht ihren Ökostrom aus u.a. Wasserkraft, der vom Energieriesen RWE produziert wird. RWE wird die Deutsche Bahn demnach von 2014 bis 2028 mit jährlich etwa 900 Mio. Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft versorgen. Wir sprechen hier von einem Deal, der ein Volumen von über 1,3 Milliarden Euro aufweist! Der Preis für Ökostrom kann steigen, die EEG-Umlage kann steigen. Kein Problem für die Bahn, denn der Strompreis wurde mit RWE schließlich vertraglich bis zum Jahr 2028 vereinbart und auch die EEG-Umlage bleibt verschwindend gering. Wie kann man seine Kunden nur dermaßen anlügen?

100 Millionen für die EEG-Umlage - Operative Ergebnis nur 2,7 Mrd. Euro

100 Millionen Euro für eine Beteiligung an der Energiewende ist Bahnchef Grube definitiv zu viel. Ihm wäre es anscheinend lieber, sein Engagement würde noch finanziell belohnt werden. Aber durch eine ungerechtfertigte Fahrpreiserhöhung belohnt er sich hintenrum. Schließlich konnte die Deutsche Bahn im Jahr 2012 "nur" ein EBIT-bereinigtes operatives Ergebnis von 2,7 Mrd. Euro erwirtschaften. Die "soziale" Bahn auf unsozialen Pfaden. Profitgier auf Kosten der Fahrgäste und der Energiewende. Man könnte auch sagen, dass die EEG-Umlage für den normalen Verbraucher nicht so hoch ausfallen würde, würde die Bahn nicht von dieser "Besonderen Ausgleichsregelung" profitieren. Auch müsste die EEG-Umlage nicht zwangsläufig steigen, würde der größte deutsche Stromverbraucher und viele weitere stromintensive (und von der EEG-Umlage befreite) Unternehmen ihren Anteil an der EEG-Umlage voll entrichten.

Wir finden: Das ist die große Ökostrom-Lüge der Deutschen Bahn!

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

Kommentare   

+1 #3 Alexander Fehr 2013-06-26 15:27
Die Bahn verbraucht im Jahr ca. 12 Milliarden Kilowattstunden Strom (eine zwölf mit neun nullen). Rechnen wir das mit den oben genannten Angaben einmal durch. 12 000 000 000 * 0,0005€=6 000 000 €
Jetzt muss man sich ernstgaft fragen wo die anderen 94 Millionen an Mehrkosten durch die EEG-Umlage der Bahn kommen sollen.
#2 Gerlinde Weber 2013-06-26 06:23
Ja, die Industrie ist ewig am Jammern. Die Profitgier kann nicht gross genug sein. Vielleicht sollte die Deutsche Bahn nicht so viele Unternehmen im Ausland aufkaufen, was letztendlich von den Fahrpreisen finanziert wird. Das ist nämlich die Lüge. Der kleine Mann soll die Energiewende tragen, was ist das nur für ein Staat...
#1 Christoph Schäfer 2013-06-25 19:31
Die Bahn macht das, was auch einige Industriebranchen tun: Eine eigene Belastung behaupten, die aufgrund der Sonderregelung nicht vorhanden ist. Die Notwendigkeit von Sonderregelungen will ich zumindest bei der Industrie nicht in Frage stellen (bei der Bahn schon). Die Finanzierung ist nur der falsche Weg. Die Energiewende kostet Geld und wird noch viel Geld kosten. Die notwendigen Summen kann man aber nicht über den STrompreis finanzieren. Die Folge ist logisch: Die Energiewende muss aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden. Das ist sozial gerecht. Wer viel Geld verdient (Private und Unternehmen) zahlt mehr. Wer nichts verdient zahlt auch nichts. Außerdem stimmt das Parlament ab, wieviel Geld Deutschland für die Energiewende aufbringen möchte oder ob die vorhandenen Mittel nicht besser in Bildung oder Soziales gesteckt werden.

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