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Essen/Stuttgart, 14. Februar 2011, Ob Kohle, Öl oder Atomkraft: Die Energie kommt bisher aus riesigen Kraftwerken. Die Endverbraucher zapfen brav - und überlegen höchstens, ob sie ihren Anbieter wechseln sollen. Doch auch der Energiemarkt steht vor einem radikalen Umbruch. Mit Erneuerbaren Energien verändern sich nicht bloß die Stromquellen, sondern auch die Art der Produktion. Jeder Kunde verwandelt sich in einen Kleinst-Stromanbieter und optimiert gleichzeitig seinen eigenen Verbrauch. Die Folge: Die Netzinfrastruktur wird sich ebenso verändern wie die Gerätelandschaft in den Haushalten.

Dieser Trend ist auf der Fachmesse Energy-World in Essen zu erkennen - auch wenn die Zukunft noch in schwer verdaulichen Begriffen wie "Smart Grid" und "Smart Meter" steckt. "Es geht darum, wie wir eine saubere, zukunftsfähige Energieversorgung hinkriegen", sagt Martina Dietschmann vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies im Gespräch mit pressetext.

Jeder Kunde hat seinen Energieverbrauch selbst in der Hand

Smart Meter, die intelligenten Stromzähler, zeigen jederzeit an, wo im Haus wie viel Wärme und Wasser verbraucht wird. Jeder kann seine Geräte auf Herz und Nieren überprüfen - im Idealfall mit seinem Smartphone, auf dem der Stromverbrauch erfasst und analysiert wird. Eine weitere Vision: "Intelligente" Waschmaschinen greifen nur dann auf Strom zu, wenn Öko-Energie zur Verfügung steht. Das eigene Haus wird - auf Wunsch - vollständig "grün"; Umweltbewusstsein und Geldsparen gehen Hand in Hand. Durch solch neue Transparenz wird zwangsläufig der Druck auf die Hersteller steigen, Geräte mit noch geringerem Energieverbrauch zu entwickeln.

Gleichzeitig muss die Infrastruktur des Stromnetzes angepasst werden, so die Sicht vieler Experten. Durch Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und andere regenerative Energien speisen Millionen Privathaushalte Energie ein und läuten damit das Ende der großen Anbieter ein. Gleichzeitig ist das Ende von Kohle und Atomkraft schon eingeläutet. Auch verlängerte Laufzeiten machen Atomkraft nicht mehr zum Zukunftsmarkt, sondern sorgen eher für ein quälendes Ende.

"Durch die Erneuerbaren Energien wird sich die Einspeisung auf Millionen Schultern verteilen und nicht mehr auf wenige Anbieter. Dafür müssen die Netze angepasst und intelligent gesteuert werden. Darum geht es bei Smart Grid", sagt Bernd Stahl, ebenfalls vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies. Dazu gehören auch dezentrale Pufferspeicher - etwa für Zeiten, in denen nicht die Sonne scheint oder es zu Ausfällen kommt.

Unternehmen mit Visionen

Dass Unternehmen wie Nash Tech, die eigentlich auf dem Markt für Telekommunikation unterwegs sind, auch auf das Energiethema setzen, ist kein Zufall. Denn der Netzwerkspezialist, der unter anderem Telefonnetze testet, hat in seinem hauseigenen Markt die dynamische Entwicklung seit der Deregulierung miterlebt. Eine Entwicklung, die der zementierte Energiemarkt noch vor sich hat. Auch die Messlatten sind ähnlich. Das Stromnetz und seine dezentrale Steuerung sollen eine Ausfallsicherheit von höchstens einer halben Stunde pro Jahr haben, vergleichbar mit dem, was das jetzige Telefonnetz biete, so Stahl. Zudem bekommen die stromfressenden Endgeräte in Unternehmen und privaten Haushalten dann Öko-Intelligenz, wenn sie über das Internet mit den Stromerzeugern und Netzbetreibern gekoppelt werden.

Doch der Weg zum Ziel ist noch lang: Neben Standardisierungsproblemen gebe es auch kaum Unternehmen auf dem Markt mit klaren Visionen, sagt Expertin Dietschmann. Dass Internetkonzerne wie Google mit Yellow Strom kooperieren, zeigt, wohin die Reise gehen kann. In der Internetbranche hat es praktisch Tradition, ständig neue Geschäftsfelder zu erschließen. Mit dem Google Powermeter können Hauseigentümer mit einem Programm den Stromverbrauch von jedem PC der Welt ablesen. "Es werden sich die Modelle durchsetzen, die das Leben einfacher, eleganter und effektiver machen - und hinter denen ein Geschäftsmodell steckt", sagt Stahl.

Redakteur: Gunnar Sohn

Quelle: pressetext

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