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Blaubeuren, 08. März 2012, Der Technologie- und Equipmentanbieter centrotherm photovoltaics AG ist trotz des schwierigen Marktumfelds der Photovoltaik weiter gewachsen. Der Umsatz des Solarunternehmens stieg um 11,9 Prozent auf 698,5 Mio. Euro. Im Vorjahr betrug der Umsatz noch 624,2 Mio. Euro. Der Verlust nach Steuern beträgt -19,8 Mio. Euro.

Der Vorstand des Unternehmens reagiert auf die anhaltend angespannte Marktsituation und initiiert das Effizienzprogramm „ct focus“. Dieses Programm gilt ergänzend zu den bereits bestehenden Kosten- und Vertriebsinitiativen. Ein Teil des Programms sieht zudem vor, bis Mitte 2012 etwa 400 Stellen zu streichen. Damit sollen konzernweit deutlich Kosten gesenkt werden. Bei einer weltweiten Anzahl von 1.928 Beschäftigten, sind das immerhin 20 Prozent der Belegschaft.

Schade ist nur, dass die 400 Beschäftigten ihren Job auf Grund des Effizienzprogramms „ct focus“ verlieren, denn effizient ist der Stellenabbau nur für die Aktionäre und das Unternehmen, nicht aber für die Mitarbeiter.

Das EBITDA sank im Berichtszeitraum 2011 von 101,3 Mio. Euro auf 10,2 Mio. Euro. Das EBIT lag bei -19,8 Mio. Euro (Vorjahr: 75,4 Mio. Euro). Die anhaltend angespannte Branchensituation machte sich in der Ergebnisentwicklung 2011 des Unternehmens bemerkbar. Einmaleffekte in Höhe von minus 75,0 Mio. Euro zeigten sich durch Anpassungen bei einzelnen Großprojekten, ein marktbedingt schwaches operatives Ergebnis und die entsprechenden Wertberichtigungen im drittes und vierten Quartal. Durch die überraschend drastisch verschlechterte Markt- und Finanzlage konnte die Guidance für das Geschäftsjahr 2011, einen Konzernumsatz über 710 Mio. Euro bei einer leicht positiven EBIT-Marge zu erzielen, nicht erreicht  werden.

Entwicklung in den Segmenten

Im Segment Solarzelle & Modul konnte gegen den allgemeinen Branchentrend in einem schwierigen Jahr 2011 der Umsatz von 404,5 Mio. Euro im Vorjahr auf 607,9 Mio. Euro gesteigert werden. Die angespannte Marktsituation insbesondere im vierten Quartal

2011 führte zu Verschiebungen und Stornierungen einzelner Projekte und erforderte eine Neubewertung der Vorräte. Dadurch sank das operative Segmentergebnis auf 71,9 Mio. Euro (Vorjahr: 91,6 Mio. Euro). Im Segment Silizium & Wafer betrug der Umsatz 57,9 Mio. Euro (Vorjahr: 201,7 Mio. Euro). Das EBIT belief sich auf minus 70,3 Mio. Euro (Vorjahr: 21,2 Mio. Euro). Die Geschäftsentwicklung im Segment wurde wesentlich durch die angespannte Branchensituation und den Preisverfall für Polysilizium beeinflusst.  

Vor dem Hintergrund der extrem verschlechterten Markt- und Finanzlage sah sich der Vorstand im dritten Quartal 2011 veranlasst, Anpassungen bei einzelnen Großprojekten vorzunehmen, die das operative Segmentergebnis deutlich negativ belasteten. Im Segment Dünnschichtmodul wurden Umsatzerlöse von 32,7 Mio. Euro erzielt (Vorjahr: 18,0 Mio. Euro) – und überwiegend in der 100-prozentigen Tochter FHR Anlagenbau erwirtschaftet. Das EBIT belief sich erwartungsgemäß auf minus 21,4 Mio. Euro (Vorjahr: minus 37,4 Mio. Euro).

Branchenumfeld prägt Auftragsentwicklung

Das abgelaufene Berichtsjahr war durch die anhaltende Unsicherheit an den Finanzmärkten, das schwierige Marktumfeld in der PV-Branche und die Investitionszurückhaltung der Kunden gekennzeichnet. Dennoch verzeichnete  centrotherm photovoltaics im Geschäftsjahr 2011 neue Aufträge mit einem Volumen von insgesamt 423,4 Mio. Euro als Auftragseingang. 90 Prozent der Aufträge wurden im Segment Solarzelle & Modul gewonnen. Der Auftragsbestand betrug zum 31. Dezember 2011 423,0 Mio. Euro. Davon entfielen 234,6 Mio. Euro auf das Segment Solarzelle & Modul, 176,1 Mio. Euro auf das Segment Silizium & Wafer und 12,3 Mio. Euro auf Aufträge im Segment Dünnschichtmodul.

Effizienzprogramm „ct focus“ initiiert

Auf die anhaltend angespannte Marktsituation hat der Vorstand reagiert und - ergänzend zu den bereits bestehenden Kosten- und Vertriebsinitiativen - das Effizienzprogramm  „ct focus“ initiiert. Erklärtes Ziel des Programms ist es, mit einer schlanken und  effizienten Organisationsstruktur und dem strategischen Fokus auf kristallines Silizium entlang  der photovoltaischen Wertschöpfungskette, nachhaltig profitabel zu wachsen. Dazu werden  im ersten Schritt die Kosten signifikant gesenkt und die Personalkapazitäten innerhalb  des Konzerns angepasst. Insgesamt sollen bis Ende 2013 rund 22 Mio. Euro jährlich eingespart werden.

Neben der Refokussierung auf das Geschäft mit Produktionsanlagen und Technologien für die Herstellung kristalliner Solarzellen und -module sowie die Produktion von Reinst-Silizium wird der Ausbau des Bereichs Halbleiter &  Mikroelektronik ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Programms sein. Im Rahmen von „ct focus“  hat der Vorstand des Weiteren beschlossen, das Segment Dünnschichtmodul am Standort Blaubeuren zu schließen und Teilbereiche nach Asien zu verlagern. Damit werden Ressourcen gebündelt und es entsteht eine marktnahe Einheit. Eine umfassende Vertriebsoffensive aller Geschäftsbereiche rundet das Maßnahmenpaket von „ct focus“  ab.

Die Maßnahmen des Effizienzprogramms „ct focus“:

Kostenperspektive

Kostensenkung und Anpassung der Kapazitäten

centrotherm photovoltaics ist in den vergangenen Jahren dynamisch gewachsen und hat dafür die entsprechenden Kapazitäten geschaffen. Als logischer und konsequenter Schritt sollen entsprechend den aktuellen Markterfordernissen die Kapazitäten weiter angepasst werden. So wurde beispielsweise der aus der Boomphase stammende hohe Überstundenberg und Urlaub abgebaut, sowie Kurzarbeit in der Produktion eingeführt.

Organisationsperspektive

Reorganisation und Refokussierung

Im Rahmen der internen Reorganisation werden durch Prozessanpassungen und eine schlankere Führungsstruktur in den einzelnen Konzerngesellschaften Synergien erschlossen und die gesamte Organisation optimiert. Für die Refokussierung konzentrieren sich die Aktivitäten von centrotherm photovoltaics zukünftig auf das traditionell starke Geschäft Solarzelle & Modul inklusive Halbleiter und

Mikroelektronik sowie Silizium & Wafer. Hier sollen unter anderem neue Fertigungstechnologien und -verfahren weiterentwickelt und bestehende Technologien und Produktionsanlagen  weiter verbessert werden. Im Segment Dünnschichtmodul wurde mit dem Abschluss des  CIGSProjekts in Taiwan die Refokussierung des Konzerns bereits erfolgreich gestartet.

Großprojektgeschäft und integrierte Fabriken als strategischer Eckpfeiler

Das Großprojektgeschäft mit einem kombinierten Angebot von Engineering, Technologie und Produktionsanlagen für den Bau von Siliziumfabriken und integrierten Fabriken vom Silizium bis zum Solarmodul ist ein wichtiger Umsatztreiber und wird im Rahmen der zukünftigen Unternehmensorganisation einen wichtigen strategischen Eckpfeiler bilden. Mit der Gründung der centrotherm power solutions GmbH mit Sitz in Wien hat  centrotherm photovoltaics seine Engineering-Expertise im Projektgeschäft um langjähriges Spezialwissen im Großanlagenbau erweitert.

In den letzten Monaten hat centrotherm photovoltaics insbesondere im Geschäftsbereich Silizium & Wafer mehrere Projekte erfolgreich abgeschlossen und sich damit für weitere Aufträge qualifiziert. Zwei Kundenprojekte konnten zu Beginn des Geschäftsjahres 2012 erfolgreich abgeschlossen werden. Für weitere Projekte in Nordafrika, dem Nahen  Osten und Asien werden derzeit fortgeschrittene Kundengespräche geführt.

Vertriebsperspektive

Vertriebsoffensive „Sales Push“

Der Vorstand geht davon aus, dass sich mit dem strukturellen Wandel der Solarbranche zukünftig Wachstumschancen ergeben. Um diese Potenziale zu nutzen und auch kurzfristig Vertriebserfolge zu erzielen, wurde die sogenannte „Sales Push“ Initiative ins Leben gerufen. Zu den Maßnahmen zählen die segmentübergreifende Betreuung von Schlüsselkunden und Kernmärkten, eine strategische Evaluierung aktueller und zukünftiger Kundenbedürfnisse, verstärkte Aktivitäten zur Kundenbindung sowie die weitere Erschließung bestimmter Kundensegmente wie etwa Staatsunternehmen und große Industriekonglomerate.

Wachstumsregion MENA im Fokus

Die Vertriebsaktivitäten in der MENA-Region (Middle East and North Africa) wurden 2011 deutlich verstärkt. Die bereits gute Marktposition soll, neben dem traditionell starken Asiengeschäft, in dieser Wachstumsregion auch zukünftig weiter ausgebaut werden. Der Nahe Osten und Nordafrika zeigen ein steigendes Interesse an erneuerbaren Energien, mit dem Ziel, eine eigene Industrie im Land aufzubauen. Denn die MENA-Staaten verfügen über eine günstige Energieversorgung und können dadurch die energieintensiven Produktionsstufen entlang der photovoltaischen Wertschöpfungskette wettbewerbsfähig abdecken: angefangen bei metallurgischem Silizium, dem Rohstoff für die Produktion von Polysilizium, über die Polysiliziumproduktion bis hin zur  Herstellung von Ingots & Wafern. Die Strategie wird unterstützt und getrieben durch den  politischen Willen, Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Mit seinem Produkt- und Leistungsangebot  ist centrotherm photovoltaics optimal aufgestellt, um von den zukünftigen Investitionen in der MENA-Region zu profitieren.

Zusammenfassung und Ausblick

Robert M. Hartung, Sprecher des Vorstands der centrotherm photovoltaics AG: „Das Geschäftsjahr 2011 hat große Herausforderungen an uns gestellt. Durch die überraschend verschlechterte Markt- und Finanzlage, insbesondere in den letzten Wochen des Jahres, haben wir die von uns gesetzten Ziele nicht erreichen können. Dennoch freut es mich, dass wir in unserem traditionell starken Geschäft Solarzelle & Modul gegen den allgemeinen Branchentrend neue Aufträge gewinnen konnten und unsere Umsatzerlöse im Segment um 50 Prozent gesteigert haben. Mit der Fokussierung auf unsere Kernkompetenzen, einem starken Großprojektgeschäft und dem Vertriebsblick auf die MENA-Staaten haben wir uns für die Zukunft strategisch sehr gut  positioniert. Denn mittel- und langfristig sehen wir die Photovoltaik durch den weltweit  steigenden Energiebedarf und die begonnene Energiewende ganz klar auf Wachstumskurs. Davon wollen wir mit einer schlanken und effizienten Organisation profitieren.“

Quelle: centrotherm photovoltaics AG

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